Münchens Offensiv-KODBayerns Teufels-Trio schreibt seine eigenen Gesetze

Eine Fünf-Tore-Ladung von Paris Saint-Germain kassieren und trotzdem Chancen aufs Endspiel der Champions League haben? Willkommen beim FC Bayern. Die Münchner setzen im Rückspiel voll auf ihren Offensiv-KOD.
Die japanische Zeichentrickserie "Kickers" hatte im deutschen Fernsehen einst einen Sendeplatz zwischen (hastig verschlungenen) Mittagessen und Hausaufgaben. Für viele Jungs war sie aber eher die ideale Vorspeise, um sich schnell auf die verabredete Bolzplatz-Schlacht einzustimmen. Hausaufgaben waren schließlich fluid bis flexibel.
Wer die Geschichte von "Mario", "Gregor" und Co. also kennt, kann jetzt schneller lesen. Wer nicht, dem sei eben erzählt, dass die "Kickers" in den ersten Episoden von den ihnen weit überlegenen "Teufeln" böse eingeschenkt bekommen. Die in rot gedressten Rivalen haben ein Sturmtrio, das die Abwehr der "Kickers" mit den wildesten Tricks schwindelig spielt und dem armen Mario im Kasten kaum eine Chance lässt.
Nun, Paris Saint-Germain ist nicht die "Kickers", sondern Titelverteidiger in der Champions League. Was die Offensive um Weltfußballer Ousmane Dembélé draufhat, stellte PSG beim 5:4-Spektakel im Prinzenpark gegen die Münchner eindrucksvoll zur Schau. Klar ist aber auch: Die Bayern haben ebenfalls ein wahrhaft teuflisches Offensivtrio, das Gesetzmäßigkeiten der Königsklasse außer Kraft setzt und eigene Gesetze schreibt: Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz. Bayerns Offensiv-KOD für Tore.
Kane, Olise und Diaz feiern Tor-Orgie
Im Halbfinal-Hinspiel bei PSG trafen alle drei - wie könnte es anders sein?! 100 Tore der Kompany-Elf gehen in der Saison 2025/26 mittlerweile auf das Konto des Trios. Dazu kommen 55 Vorlagen. Eine einmalige Scorer-Ausbeute in Europa. Zum Vergleich: Kylian Mbappé, Vinicius Junior und Fede Valverde bringen es bei Real Madrid auf 69 Treffer, Raphinha, Lamine Yamal und Ferran Torres beim FC Barcelona auf 62. Allein Kane hat für die Bayern in der laufenden Spielzeit wettbewerbsübergreifend 56-mal genetzt, 13 Tore schoss der Kapitän der englischen Nationalmannschaft in der Champions League, 33 in der Bundesliga. Olise kommt auf insgesamt 20 Tore und 29 Assists, Diaz auf 26 Treffer und 21 Vorlagen.
Diese Offensivgewalt soll auch im Rückspiel in der Allianz Arena für die Bayern die Kohlen aus dem Feuer holen. "Man hat gesehen, dass wir viele Tore schießen. Und deswegen gehen wir mit vollem Selbstvertrauen in das Rückspiel und hauen alles raus. Es ist alles drin für uns", betonte Abwehrmann Jonathan Tah. Der in Paris Gelb-gesperrte Trainer Vincen Kompany analysierte: "Wenn du fünf Gegentore bekommst auswärts, dann ist es vorbei im Halbfinale, aber wir schießen ja vier und wir können natürlich noch zwei, drei mehr schießen."
"PSG wird nicht akzeptieren, es anders zu machen"
Normal ist beim FC Bayern in dieser Saison nichts. Wer den KOD hat, den bringt nicht einmal ein Drei-Tore-Rückstand aus der Spur. Das 4:3 in der Bundesliga bei Mainz 05 nach 0:3 ließ sich mit dem Klassenunterschied der Klubs noch relativieren. Das 4:5 von Paris nach 2:5 sprengte hingegen alle Dimensionen. Dass eine eben noch zerlegte Mannschaft auswärts bei einem Ensemble à la PSG so zurückschlägt - wann hat es dies schon gegeben? Hat es das jemals gegeben? Dank Bayerns Teufel-Trio scheint alles möglich. Beispielhaft das 4:5 durch Diaz. Kane mimt den Spielmacher, bedient den Kolumbianer mit einem herrlichen langen Ball. Diaz nimmt an, ein Haken, zwei Haken, ein Zirkel und Abfahrt.
"Großartig, dass wir zurückkommen, weil es die Ausgangslage extrem verbessert. Wir haben schon gezeigt, dass wir Paris schlagen können. Das Spiel ist offen", sagte Sportvorstand Max Eberl nach dem Wahnsinn von Paris. Und Kompany glaubt nicht, dass es in München weniger spektakulär zugehen wird. "PSG wird nicht akzeptieren, es anders zu machen, und wir auch nicht." Sofern KOD nichts anders machen, als die gesamte Saison schon, hat der FC Bayern tatsächlich noch eine sehr ordentliche Chance aufs Finale in Budapest am 30. Mai.