Und dann stört auch noch Klopp

Beim FC Bayern wird eine spannende Frage neu verhandelt

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Bayern-Star Luis Diaz hat sich einen Muskelbündelriss zugezogen. (Foto: IMAGO/Sebastian Frej)
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24.10.2026 | 18:59 Uhr
Luis Diaz kommt nach der Fußball-WM beim FC Bayern nicht so richtig in Form. Er lässt zahlreiche Chancen aus, leistet sich einen Arroganz-Anfall. Dann platzt endlich der Knoten, ehe es in der Champions League eine Hiobsbotschaft gibt.

Luis Diaz wollte nicht reden. Er hatte genug gesprochen. Mit seinen Füßen. Auf den denen zuvor sehr viel Krise lastete. Der kolumbianische Superstar des FC Bayern hatte RB Leipzig am vergangenen Samstag in Grund und Boden gestampft. Drei Tore schoss er, eines bereitete er vor. Einmal setzte er den vorletzten Pass und ein anderes Mal kreuzte er clever, um Michael Olise den Weg zum Tor freizumachen. Diaz stieg aus dem Tal empor und besetzte seinen Platz auf dem bayrischen Fußball-Olymp wieder.

In der vergangenen Saison hatte er ihn sich erarbeitet. Als Superstar dritter Wahl mit vielen Zweifeln begleitet, drehte er die kritischen Töne mit jedem Spiel ein bisschen leiser und ließ sie sehr schnell gänzlich verstummen. Neben Harry Kane und Michael Olise war er der unumstrittene dritte Gigant im Münchner Triumvirat der Gnadenlosigkeit. Doch zu Beginn dieser Saison fiel er ab, ließ zahlreiche Chancen aus, hatte großes Pech mit Abseitstoren und leistete sich gegen Aufsteiger SV Elversberg einen Arroganz-Anfall, der ihm um die Ohren gehauen wurde. Wo war der Super-Diaz?

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Bayern-Kollegen nach Hackentrick von Luis Diaz stocksauer

Krisen-Ende gegen kriselnde Bullen

Phasenweise stand er bei einem xG-Wert von 2,49 und nur einem Torerfolg. Luis Diaz steckte tief in einer Effizienz-Krise. Ihm wurde eine mentale Überlastung durch fehlende Pausen diagnostiziert. Er war, wie viele seiner Kollegen aus München, auch bei der Weltmeisterschaft im Sommer gewesen. Eine Post-Turnier-Erschöpfung bei Fußballern von Großklubs ist kein neues Phänomen. Auch nicht in München. Nur zwei Scorer hatte "Lucho" bis Samstag gesammelt. Ein drastischer Abfall gemessen an den 49 in der Vorsaison. Doch dann kamen die kriselnden Bullen aus Leipzig, dann kam die Explosion.

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Matthäus stützt Klopp: "Hat er nicht so gemeint!"

"Für Lucho freue ich mich extrem", betonte Kapitän Joshua Kimmich bei Sky, "das hat er sich extrem verdient. Er hat ein überragendes Spiel gemacht und war sicherlich der Mann des Abends." Das sah auch Sportvorstand Max Eberl so. "Er ist extrem wichtig für uns mit seinen Läufen in die Tiefe, den Raum nutzt er in unglaublicher Art und Weise." Dass Díaz zuletzt nicht für die Nationalmannschaft im Einsatz gewesen war, habe ihm gutgetan, "die Erholung, die er jetzt hatte, war hilfreich".

Diaz verpasst die großen Spiele

Doch nur fünf Tage nach dem gelösten Krampf des Kolumbianers flatterte dem FC Bayern eine bittere Kunde ins Haus. Der 29-Jährige wird den Münchnern einige Wochen fehlen. Obwohl Coach Vincent Kompany unmittelbar nach dem 2:2 gegen den FC Arsenal in der Champions League noch davon ausgegangen war, dass die Verletzung nicht so schlimm sei, wurde er am Tag danach böse überrascht. Diaz zog sich einen kleinen Muskelbündelriss an der linken Oberschenkelrückseite zu. Eine Prognose über die Ausfalldauer gab der Rekordmeister nicht ab.

In den Bundesliga-Topspielen beim SC Freiburg und gegen Borussia Dortmund wird er sicher fehlen. Dazwischen steht das Pokal-Heimspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Magdeburg. Danach folgen das Königsklassen-Auswärtsspiel bei Atlético Madrid und die Bundesliga-Partie bei den starken Mainzern. In der CL-Ligaphase haben die Münchner unerwartet Punkte liegengelassen, weitere "Ausrutscher" würden im Kampf um die direkte K.-o.-Phase-Qualifikation durchaus wehtun.

Wer fängt den Diaz' Ausfall auf?

Angesichts der Verletzung dürfte Díaz auch nicht im November zur Nationalmannschaft reisen. Auf das Auswahlteam hatte er bei der vergangenen Länderspielphase zugunsten einer Pause verzichtet. Nach der nächsten Länderspielperiode geht es für die Münchner am 20. November daheim gegen den 1. FC Köln weiter. Bis dahin könnte Diaz wieder fit sein.

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Kahn ist von Klopp überrascht und fordert mehr "Kollegialität"

So müssen die beiden Granden des FC Bayern noch mehr offensive Last schultern. Dass Harry Kane, der mögliche Ballon d'Or-Gewinner, und der Fußball-Magier Michael Olise das können, ist hinlänglich nachgewiesen. Doch auch die beiden Superstars haben einen langen Sommer hinter sich. Womöglich müssen auch sie der immensen Belastung bald mal Tribut zollen. Und so wird die häufiger diskutierte und unangenehme Frage - weil sie die Kaderplanung betreffen - plötzlich wieder lauter: Ist der Kader der Münchner breit und stark genug, um Rückschläge und Belastungssteuerung aufzufangen, ohne das sich die Titelchancen des ewig ambitionierten Rekordmeisters verzwergen?

Bislang konnten die Fragezeichen nicht widerlegt werden. Weil mit Jamal Musiala ein weiterer Topstar immer wieder außer Dienst steht. Auch derzeit ist der Spielmacher wieder verletzt. Dahinter gibt es zwar eigentlich starke Optionen, aber keine, die die Münchner in dieser Phase stabil tragen. Serge Gnabry kommt nach seiner Verletzung, die ihn die WM kostete, nicht richtig in Form. Dass er zuletzt kaum Einsätze bekam, frustrierte ihn merklich. Auch Lennart Karl kämpft mit seinem Antrieb. Die Galaxien, in die er vergangene Saison vorgestoßen waren, sind für ihn zurzeit unerreichbar. Uli Hoeneß will sich den formschwachen Youngster, der in den Augen des Ehrenpräsidenten an einem Demut-Defizit leidet, nochmal zur Brust nehmen. Und Neuzugang Ismael Saibari, ein Star der WM, findet seine Rolle beim Rekordmeister noch nicht.

Kann der FC Bayern so drei Titel gewinnen?

"Es fällt im Moment schon auf, dass derzeit nicht die beste Mannschaft zusammenspielen kann, auch wegen der Ausfälle", sagte Ex-Bayern-Titan Oliver Kahn bei RTL/Sky. "Aber dann sieht man, und das war bei Bayern auch in der Vergangenheit schon so, immer die Frage: Wenn drei oder vier Top-Leute ausfallen, wie hoch ist dann die Qualität? Die Qualität ist immer noch enorm hoch. Aber ist sie auch so hoch, dass du mit diesen Spielern noch drei Titel gewinnen kannst?" Das sei schließlich beim FC Bayern immer die entscheidende Fragestellung. Für Freiburg ist die Personallage übrigens nochmal dünner geworden: So muss der FC Bayern weiter auf Joshua Kimmich nach dem Tod des Vaters verzichten. Er brauche noch Zeit mit der Familie. Zudem fehlen Min-Jae Kim, Luis Díaz und Jamal Musiala. Torwart Manuel Neuer ist angeschlagen und fällt in Freiburg ebenfalls aus.

Die wichtigste Antwort auf die Kaderfrage sei, findet Kahn, dass es eine Philosophie gibt. Und diese Philosophie findet Kahn "auch okay und richtig. Dass man sagt: Nein, wir besetzen manche Kaderpositionen nicht mit einem 80-Millionen-Euro-Spieler und noch einmal mit einem 100-Millionen-Euro-Spieler, sondern auch mit jungen Spielern, die von hinten nachkommen und möglicherweise aus dem eigenen Nachwuchs hochgezogen werden". Diese Philosophie wird in den kommenden Wochen einem knallharten Realitätscheck unterzogen. Ebenso wie eine andere Frage, die den in diesem Herbst bisweilen etwa anfällig erscheinenden FC Bayern augenscheinlich nervt. Die Frage nach dem System. Schon einmal hatte diese Debatte die Münchner unter Kompany überschwappt. Zu Beginn dessen Amtszeit, als die hohe Verteidigung offene Einladungen für die Gegner aussprach. Still wurden Anpassungen gemacht.

Kompany verweigert Klopp die Erklärung

Nun ging es wieder um das System. Eine von höchster Stelle ausgelöste Debatte, die zumindest mal in der Expertenwelt nachhallt. Der am Freitag auf dem Vereinsgelände kollabierte und nun wohl wochenlang ausfallende Kompany musste sich in der Nacht zu Donnerstag noch fragen lassen, ob er dem verwirrten Bundestrainer Nachhilfe leisten möchte. Er wollte nicht. "Ja, da sage ich nichts zu. Nächste Frage." Klopp hatte zuvor bei DAZN rätselnd über Kompanys Taktik im Spiel gegen den Ball und Kanes Rolle im Pressing gesprochen. "Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht. Aber ich will mich einfach weiterbilden", sagte Klopp: "Mal ist es hybrid, dann Mann gegen Mann, dann nicht gegen den Mann. Ich lerne immer noch."

Nicht nur Kompany war über die Worte von Klopp überrascht, auch Kahn wunderte sich und ermahnte den Bundestrainer, mehr nachzudenken. Das habe angefangen mit der schwierigen Aussage über Julian Nagelsmann, als Klopp sagte, er sei Noch-Bundestrainer. Kahn findet, es gehe auch ein bisschen um Kollegialität unter den Trainern. "Und ich glaube, gerade ein Bundestrainer muss schon genau wissen, was er da sagt. Denn das könnte natürlich, und das passiert ja genau jetzt, dazu führen, dass wir über diese Worte diskutieren. Mich haben die Worte überrascht, weil man das von einem Bundestrainer normalerweise nicht kennt."

Verwendete Quellen: ntv.de, tno