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Donnerstag, 11. Oktober 2018

Korruptionsverdacht in 1. Liga: Belgiens Fußball steuert auf Super-GAU zu

Trotz der Länderspielpause geht es dieser Tage in Belgiens erster Fußball-Liga turbulent zu: Bei einer Großrazzia nimmt die Polizei Spieler, Trainer und Berater fest, weil sie Spiele manipuliert haben sollen. Der belgische Fußball steht vor dem Chaos.

Der massive Betrugsskandal im belgischen Fußball weitet sich aus. Spielmanipulationen, Betrug und Geldwäsche: So lauten die Vorwürfe der Bundesstaatsanwaltschaft gegen namhafte Personen der Branche. 29 Personen hat die Polizei festgenommen, wie die Ermittler in Brüssel mitteilten. Der verantwortliche Richter sprach zudem zwei internationale Haftbefehle aus. Die Staatsanwaltschaft äußerte den Verdacht, dass zwei Erstliga-Partien der Saison 2017/2018 manipuliert worden seien. Es habe sich um Manipulationen im Abstiegskampf zu Gunsten des FC Mechelen gehandelt.

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Unter den Festgenommenen befanden sich den Angaben zufolge Spielerberater, Schiedsrichter und andere Verantwortliche. Wie viele der Verdächtigen mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind, ist unklar. Gegen fünf Menschen wurde Anklage erhoben. In vier Fällen besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Korruption.

Schlüsselfiguren der mutmaßlichen Affäre sind laut Medien unter anderem die Spielerberater Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Beide waren bei einer spektakulären Großrazzia am gestrigen Mittwoch festgenommen worden. Gegen sie besteht der Verdacht auf Finanzbetrug bei Spielertransfers und Spielmanipulationen bei Erstliga-Klubs.

Auch Ivan Leko, Trainer von Borussia Dortmunds Champions-League-Gegner FC Brügge, musste die Nacht auf Donnerstag in Haft verbringen. Das bestätigte sein Anwalt Walter Van Steenbrugge. Er kündigte an, dass sein Mandant "schon bald wieder auf dem Fußballplatz zu sehen sein wird". Leko wird dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Der ehemalige Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck hingegen soll der belgischen Nachrichtenagentur Belga zufolge wieder auf freiem Fuß sein.

"Katastrophe für den Sport"

Ivan Leko, Trainer des FC Brügge, gehört zu den prominentesten Verdächtigen im belgischen Fußball- Korruptionsskandal.
Ivan Leko, Trainer des FC Brügge, gehört zu den prominentesten Verdächtigen im belgischen Fußball- Korruptionsskandal.(Foto: REUTERS)

Am Tag nach den aufsehenerregenden Durchsuchungen von 44 Gebäuden in Belgien waren noch viele Fragen offen. So blieb zunächst unklar, ob der Skandal auch ausländische Ligen betrifft. Im Zuge der Ermittlungen waren auch 13 Gebäude in Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro und Mazedonien durchsucht worden. Der belgische Nationalspieler Vincent Kompany kommentierte die Vorfälle mit drastischen Worten. "Die Verbindung zu Praktiken im Menschenhandel, Drogenhandel oder der Prostitution - wo eine Menge Geld zirkuliert - ist sehr eng", sagte er im Gespräch mit dem Sender VTM über die Fußball-Branche.

Belgische Medien äußerten sich entsetzt über das Ausmaß der Vorwürfe. Als eine "Katastrophe für den Sport" bezeichnete etwa die Tageszeitung "Het Nieuswblad" die Vorgänge. Die Tageszeitung "Le Soir" nannte die Polizeiaktion "beispiellos" und zitierte einen Insider mit den Worten: "Im belgischen Fußball gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regel." Insgesamt waren 184 Polizisten in Belgien und 36 Beamte im Ausland an den Durchsuchungen beteiligt.

Unruhe vor Nations-League-Partie

Nach dem begeisternden Auftritt der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland schwinge das Pendel nun besonders heftig zurück, hieß es. Die "Roten Teufel" um Eden Hazard und Kevin De Bruyne hatten mit begeisterndem Offensiv-Fußball Platz drei belegt.

Am Freitag empfängt das Team in der Nations League die Schweiz. Hazard betonte vor dem Spiel den guten Ruf der Nationalelf. "Ich denke, dass wir seit einigen Jahren ein gutes Image mit der Nationalmannschaft haben." Zu den laufenden Ermittlungen wollte er sich jedoch nicht konkret äußern. Auch Belgiens Nationaltrainer Roberto Martínez sagte, er wolle zunächst die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Ermittlungen alleine seien noch nicht schädlich - die Ergebnisse aber möglicherweise schon.

Die Ermittlungen waren im Übrigen durch eine Klage des KVC Westerlo, der Ende der Saison 2016/17 abgestiegen war, ins Rollen gekommen. Es ging um den Verdacht, dass die Partie zwischen Kortrijk und Mouscron möglicherweise verschoben gewesen sei. Mouscron musste das Auswärtsspiel in Kortrijk gewinnen und holte tatsächlich den Dreier. Klienten von Bayat standen sowohl bei Kortrijk als auch bei Mouscron unter Vertrag.

Quelle: n-tv.de