Infantino droht nächster Skandal

Bericht: FIFA ließ Kongo mit nicht spielberechtigtem Torwart zur WM

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Kongos Torwart Lionel Mpasi zeigte bei der WM spektakuläre Paraden - aber durfte er das überhaupt? (Foto: REUTERS)
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06.10.2026 | 12:07 Uhr
Dem Fußball-Weltverband FIFA steht der nächste veritable Skandal ins Haus. Interne Dokumente zeigen, dass die Demokratische Republik Kongo auf dem Weg zur WM einen nicht spielberechtigten Torwart einsetzte - und die FIFA wusste Bescheid.

Die Demokratische Republik Kongo hat in den Playoff-Spielen zur Fußball-Weltmeisterschaft gegen Nigeria und Jamaika einen Torwart eingesetzt, der nicht spielberechtigt war. Das berichtet die "New York Times" und beruft sich auf interne Dokumente und Korrespondenzen der FIFA sowie einen hochrangigen Funktionär, der unmittelbar mit dem Fall befasst war, und der sich Anonymität ausbedungen hat. Demnach kam die Rechtsabteilung des Weltverbandes im Vorfeld der WM 2026 zu dem Schluss, dass Kongos Torwart Lionel Mpasi in den K.o.-Spielen um die Teilnahme am Weltturnier in den USA, in Kanada und Mexiko gar nicht hätte spielen dürfen.

Die DR Kongo setzte sich in den Playoffs erst nach Elfmeterschießen gegen Nigeria (5:4), dann gegen Jamaika (1:0) durch und qualifizierte sich erstmals seit 52 Jahren wieder für eine WM-Endrunde. In beiden Partien stand Mpasi im Tor, der 32-Jährige vom Ligue-1-Klub Le Havre AC spielte auch bei der WM und fiel mit teils überragenden Paraden auf.

Die FIFA hatte das kongolesische Team auf eine Beschwerde Nigerias hin überprüft. Dabei ermittelte die FIFA den Dokumenten zufolge, dass der kongolesische Fußball-Verband nie die erforderlichen Unterlagen eingereicht hatte, die Mpasi einen Verbandswechsel ermöglicht hätten - der Torwart bestritt zuvor insgesamt zwölf Spiele für Frankreichs U16, U17 und U18. Für die DR Kongo spielt er seit 2022, machte seither 33 Länderspiele. Setzt eine Mannschaft einen Spieler ein, der nicht spielberechtigt ist, verliert sie das Spiel normalerweise am Grünen Tisch. Kongo hätte das letzte K.o.-Spiel gegen Jamaika ergo gar nicht erst nicht bestreiten dürfen.

"Sie haben einfach geschwiegen"

Die FIFA bestritt den Bericht auf Anfrage der "New York Times" nicht. Der Weltverband gab lediglich an, Nigerias Beschwerde aus formalen Gründen abgewiesen zu haben. Die Kommissionen der FIFA arbeiteten "autonom und entscheiden Fälle auf Grundlage der geltenden Bestimmungen und der ihnen vorliegenden konkreten Fakten", teilte der Weltverband der Zeitung mit.

Für Nigeria hatte die Niederlage erhebliche Konsequenzen. Der gesamte Vorstand des Verbandes trat nach der verpassten WM-Qualifikation zurück. Verbandspräsident Ibrahim Musa Gusau sagte, man habe ihm lediglich mitgeteilt, dass die nigerianische Beschwerde aus formalen Gründen abgewiesen worden sei. Über die Erkenntnis, dass Mpasi nicht spielberechtigt war, sei er nicht informiert worden. "Sie haben einfach geschwiegen, und sie können es niemandem sagen, weil sie wissen, dass das für sie zu einer schweren Krise führen wird", sagte Gusau zum Vorgehen der FIFA. Er fordert eine Untersuchung. Die NYT sichtete ein Dokument, das Gusaus Aussage stützt.

Den Unterlagen der New Yorker Zeitung zufolge erarbeiteten FIFA-Funktionäre in der Causa Kongo verschiedene mögliche Vorgehensweisen, unter anderem eine nachträgliche Wertung zugunsten Nigerias, ein Playoff-Spiel zwischen Nigeria und Jamaika - oder eben keine Maßnahme aufgrund des Formfehlers, Nigeria habe die Beschwerde zu spät eingereicht. Ein FIFA-Jurist, der an dem Fall nicht beteiligt war, bestätigte der NYT die Echtheit der erhaltenen Dokumente.

Diese zeigen auch, dass die FIFA bei vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit ganz anders vorging. 2016 griff der Weltverband durch, als Griechenland einen Spieler einsetzte, der auf Jugendebene für Australien gespielt hatte. Ein Spiel gegen die Türkei wurde mit 0:3 gewertet. Zwei Jahre später änderte die FIFA die Ergebnisse von zwei Spielen Boliviens in der WM-Qualifikation für 2018. Die Funktionäre waren zu dem Schluss gekommen, dass für Bolivien ein Spieler auflief, der zuvor für Paraguay spielte.

Was wusste Gianni Infantino?

Der Fall Kongo könnte auch die Verbindungen von FIFA-Präsident Gianni Infantino zu den afrikanischen Verbänden erneut in den Fokus rücken - und weitere Fragen über das Gebaren des Weltverbandes unter Infantinos Führung aufwerfen. Der Schweizer, der 2027 zur Wiederwahl antritt, ist auf die Unterstützung Afrikas angewiesen. Zum Zeitpunkt, als die FIFA die Spielberechtigung Mpasis prüfte, bereitete Véron Mosengo-Omba seine Kandidatur für die Präsidentschaft des kongolesischen Verbandes vor. Er gilt als Verbündeter Infantinos. Zwei Monate später - im Kongo herrschte nach der erfolgreichen Qualifikation WM-Euphorie - wurde Mosengo-Omba gewählt. Acht Konkurrenten hatte ihre Kandidatur entweder zurückgezogen oder waren von der Wahl ausgeschlossen.

"Wenn die FIFA den Kongo von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen hätte", hätten die Aussichten von Mosengo-Omba "Schaden nehmen können", kommentierter der frühere kamerunische FIFA-Funktionär Prince Zelkifli Rahman Ngoufonja. Mosengo-Omba ließ wissen, von den Erkenntnissen zu Torwart Mpasi nichts gewusst zu haben.

Der jamaikanische Verband reagierte auf eine Anfrage der "New York Times" noch nicht auf den Bericht. Der für die Karibik sowie Nord- und Mittelamerika zuständige Dachverband CONCACAF forderte, den Fall umfassend aufzuklären. "Jegliche Bedenken hinsichtlich der Spielberechtigung von Spielern, insbesondere wenn sie die Integrität eines Wettbewerbs oder die Interessen eines unserer Mitgliedsverbände beeinträchtigen könnten, müssen gründlich geprüft und geklärt werden."

Verwendete Quellen: ntv.de, mar