Den ersten Auftritt nach dem Schuldspruch hätte sich Manchester City wohl leichter gewünscht. Knapp zwei Wochen nachdem der englische Fußball-Vizemeister wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Finanzregeln der Premier League in den meisten Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde, steht das erste Ligaspiel an. Und das ausgerechnet beim großen Rivalen FC Liverpool.
An der Anfield Road bereitet man sich bereits auf die unbeliebten Gäste vor. In den sozialen Netzwerken kursieren Aufrufe zu einem sogenannten "Bus Greeting", einer wenig freundlichen Begrüßung des Mannschaftsbusses. Wie die "Daily Mail" berichtet, werden die Fans aufgefordert, "Flaggen, Banner, Pyrotechnik, Leuchtfackeln und Kopparbergs" mitzubringen. Hinter dem Wort "Kopparbergs" steht ein zwinkerndes Emoji. Dabei handelt es sich um eine beliebte Cidermarke, deren Getränke unter anderem in Glasflaschen verkauft werden.

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Auch die Polizei nimmt die Drohkulisse ernst. Die Behörden kennen den Aufruf und kündigten einen "angemessenen Polizeieinsatzplan" an. Bereits 2024 hatte die Polizei vor einer Begegnung der beiden Rivalen einen Großeinsatz organisiert, weil Angriffe auf den Mannschaftsbus befürchtet worden waren. Damals verlief die Ankunft ohne Zwischenfälle – auch dank einer Ausweichroute. Weniger glimpflich war es 2018 ausgegangen, als Citys Bus vor einem Champions-League-Duell mit Flaschen, Ziegelsteinen und Leuchtfackeln attackiert worden war.
Vor dem Spiel am Sonntag (17.30 Uhr/Sky Sport) ist die Empörung über den Finanzskandal groß. Eine unabhängige Kommission hatte festgestellt, dass zwischen 2009 und 2018 rund 900 Millionen Pfund auf illegale Weise in den Klub geflossen seien. Der Schuldspruch erschütterte die englische Fußballwelt und sorgte besonders unter den Anhängern rivalisierender Vereine für Wut.
Zusätzliche Brisanz erhält das Duell durch die möglichen Konsequenzen des Skandals. Denn sollte Manchester City rückwirkend hart bestraft werden, könnte ausgerechnet Liverpool zu den größten Nutznießern gehören. Gleich zwei Titel könnten theoretisch nachträglich an die Reds gehen: die englische Meisterschaft 2013/14, als Liverpool nur zwei Punkte hinter City ins Ziel kam, und der Ligapokal 2016, dessen Finale die Citizens im Elfmeterschießen mit 3:1 gewannen.
Ob es tatsächlich so weit kommt, ist allerdings völlig offen. Eine rückwirkende Aberkennung von Titeln ist keineswegs zwingend. Denkbar wären auch Punktabzüge, Transfersperren oder hohe Geldstrafen. Das forderte unter anderem auch der kanadische Nationaltrainer Jesse Marsch: "Ich finde, Manchester City sollte hart bestraft werden. Meiner Meinung nach sollten sie absteigen müssen. Und übrigens: Jeder wusste davon. Wirklich jeder." Mit diesem Vorgehen ließe sich vermeiden, Jahre später Meisterschaften, Pokalsiege und Rekordbücher neu ordnen zu müssen.

