Alexander Wehrle, der als Aufsichtsratsvorsitzender des DFB und Vorstandschef des VfB Stuttgart für klare Worte bekannt ist, hat auch eine eindeutige Meinung zu den Plänen von FIFA-Präsident Gianni Infantino, die WM in eine neue Firma auszulagern und Anteile daran zu verkaufen. Im Gespräch mit RTL/Sky sieht er in diesem Fall "erneut eine rote Linie überschritten", da Infantino "den Fußball verkaufen möchte".
Das stößt bei Weile schon deshalb auf große Ablehnung, weil er Infantinos Verbindung zum Fußball grundlegend hinterfragt: "Hat Gianni Infantino mal wirklich professionell Fußball gespielt? Ich glaube, in der fünften Liga in der Schweiz. Und war er eigentlich mal in der Fankurve? Weiß er eigentlich, was Fußball bedeutet? Fußball als Spiel, also dieses verbindende Element."
Für Wehrle stellt sich daher vor allem die Sinnfrage hinter dem Vorhaben des Schweizers: "Wenn man sich überlegt, dass die FIFA eigentlich ein Verein ist, in Zürich ansässig und jetzt im letzten Zyklus 13 Milliarden Euro erlöst hat. Dann frage ich mich, warum er jetzt eine Tochtergesellschaft gründen will, um noch mal ein paar Milliarden einzuwerben? Also es ergibt alles keinen Sinn und ich habe da wirklich Sorge, dass ein einzelner Mann den Weltfußball zerstören kann. Und deswegen ist für mich jetzt auch wirklich die rote Linie überschritten."
Wehrle: "So können wir nicht weitermachen"
Noch bevor die UEFA beschloss, künftige FIFA-Turniere zu boykottieren, sollte die FIFA diesen Plan durchziehen, unterstützte Wehrle die schon zuvor gezeigte Haltung der Europäischen Fußballunion. "Ich finde es gut von der UEFA, die sich klar positioniert hat. Ich hoffe auch, dass andere Kontinentalverbände dazu kommen, denn so können wir nicht weitermachen. Das dürfen wir uns als Fußballdeutschland nicht gefallen lassen - aus europäischer Sicht aber auch nicht. Ich hoffe, dass der eine oder andere Kontinentalverband jetzt mal aufwacht, weil er gar keinen mehr mitnimmt. Er nimmt den FIFA Council nicht mal mehr mit, sondern er entscheidet in einer Gutsherrenart, als ob er weltweit alleine entscheiden kann."
Aus Wehrles Sicht ist es auch gar nicht die Aufgabe der FIFA, ein solches Unterfangen anzustreben: "Eigentlich ist die FIFA dafür notwendig, das internationale Regelwerk zu kontrollieren und Turniere zu organisieren. Ich glaube nicht, dass ein Verein die übergeordnete Maxime ausgibt, gewinnmaximierend zu sein. Aber hier ist irgendwas verrutscht und jetzt ist Schluss damit."
Abschließend äußerte Wehrle einen Wunsch für die Zukunft: "Also ich hoffe wirklich und wünsche mir, dass jetzt nicht nur der DFB aufsteht. Wenn ich Infantino persönlich treffen würde, dann würde ich ihm sagen: 'Vielen Dank für das Engagement der letzten zehn Jahre. Aber wir sollten über einen Neubeginn sprechen.' Ich wünsche mir die FIFA ohne Infantino, denn die letzten Jahre waren einfach eine falsche Entwicklung."


