Der Finanzskandal um Manchester City wird nun auch ein Fall für die große Politik. Während sich der Klub vehement wehrt und fristgerecht Berufung gegen den Schuldspruch der Liga einlegte, soll die Steuerbehörde den Multi-Millionen-Betrug unter die Lupe nehmen - zudem mischt inzwischen auch die britische Regierung mit. Der Spitzenklub aus der Premier League stehe nicht "über den Regeln", machte ein Sprecher von Premierminister Andy Burnham klar: "Wo immer Fehlverhalten festgestellt wird, müssen die Verantwortlichen die angemessenen Konsequenzen tragen."
Und so zieht die Affäre um Scheinverträge und verschleierte Kosten immer größere Kreise. Denn: City droht nach dem Schuldspruch durch die Liga nun offenbar auch Ärger mit dem Finanzamt. Die Erkenntnisse aus dem jahrelangen Verfahren sollen nach Ansicht der Vorsitzenden eines parteiübergreifenden Ausschusses britischer Abgeordneter von der Steuerbehörde HM Revenue and Customs (HMRC) geprüft werden.

Diese Konsequenzen muss Manchester City befürchten
Meg Hillier, Vorsitzende des Finanzausschusses, erklärte, sie würde "eine Zusicherung der HMRC begrüßen, dass ihnen die Bedeutung dieser Fragen und das öffentliche Interesse an diesem Fall bewusst sind". Vorausgegangen war ein Bericht der Organisation Tax Policy Associates, wonach City durch Scheinverträge Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt haben könnte.
Der englische Fußball-Verband FA stellte derweil fest, dass es bereits "erhebliche Auswirkungen auf die Integrität des Spiels" gebe, wie es in einer Stellungnahme hieß: "Wir prüfen die Entscheidung und ihre Folgen derzeit sorgfältig und werden gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen ergreifen." Konkrete Schritte nannte der Verband bislang aber nicht.
Über eine Milliarde Euro verschleiert
Eine unabhängige Kommission der Premier League hatte am Dienstag nach einem jahrelangen Verfahren festgestellt, dass City über einen Zeitraum von neun Spielzeiten "schwerwiegende Verstöße gegen die Finanzregeln" der Liga begangen habe. Unter anderem sollen über Bilanztricks Kosten von rund einer Milliarde Euro verschleiert worden seien. Über das Strafmaß wurde noch nicht entschieden.
Der Klub weist die Vorwürfe zurück und teilte heute kurz vor Ende der Frist mit, bereits am Donnerstag eine "umfassende Berufung" gegen den Schuldspruch der Liga-Kommission eingelegt zu haben. Das Gutachten enthalte "aus mehreren Gründen klare wesentliche Fehler in Bezug auf Recht, Prinzipien und Tatsachen", hieß es in einer Klubmitteilung. Die Liga bestätigte Citys Vorgehen und teilte mit, dass die Anhörung vor dem unabhängigen Berufungsausschuss bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses "vertraulich" bleibe.
Der Fall sorgt in England weit über den Fußball hinaus für Wirbel und bei vielen Fans für Wut und Empörung. Für große Verwunderung sorgte Premierminister Burnham zuletzt mit einer Aussage über die City-Chefetage um Klubbesitzer Scheich Mansour bin Zayid Al Nahyan aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi. "Ich wäre wirklich besorgt, sie zu verlieren", sagte der Labour-Politiker auf die Frage, ob er befürchte, dass sich die Geldgeber des Klubs wegen der Affäre zurückziehen könnten, und verwies auf die Investitionen, die die Eigentümergruppe Abu Dhabi United Group (ADUG) in Manchester getätigt habe.
Weil der Satz nicht nur in der politischen Opposition für Kritik sorgte, schickte Burnham - früher Bürgermeister von Greater Manchester - nun seinen Sprecher vor und ließ ausrichten. Der "unabhängige Prozess" gegen City müsse "seinen Lauf nehmen und das Ergebnis respektiert werden".

