Experten attackieren Spurs-CoachDie 17 verheerenden Minuten von Madrid

Albtraum beim Champions-League-Debüt: Nach zwei dicken Patzern wird Tottenhams junger Torwart Kinsky nach nur 17 Minuten ausgewechselt. Sein Trainer verteidigt sich, wird aber auch scharf kritisiert. Eine Zukunft beim traditionsreichen Klub aus dem Norden Londons dürfte er nicht haben.
Ein Torhüter-Wechsel gleich zu Beginn - selbst für Igor Tudor war das ein absolutes Novum. Die Situation sei "sehr ungewöhnlich" gewesen, erklärte der Kroate nach dem 2:5-Debakel von Tottenham Hotspur bei Atlético Madrid im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League: "Ich bin seit 15 Jahren Trainer und habe so etwas noch nie gemacht. Es war notwendig, um den Spieler und die Mannschaft zu schützen."
Nach 17 verheerenden Minuten hatte der Interimscoach der Engländer seinen Debütanten Antonin Kinsky ausgewechselt. Der Tscheche war vor dem 1:0 für die Spanier durch Marcos Llorente (6.) mit Ball am Fuß weggerutscht, wenig später unterlief dem 22-Jährigen erneut ein fataler Patzer, er trat bei einem Passversuch neben den Ball. Julian Alvarez schob ein (15.).
Im Anschluss brachte Tudor Guglielmo Vicario. Seine Entscheidung, von Beginn an auf Kinsky zu setzen, verteidigte er aber im Anschluss. Vor dem Spiel sei es mit Blick auf die aktuelle Situation der Spurs "die richtige Entscheidung" gewesen, sagte Tudor. Vicario stehe in einem anderen Wettbewerb "unter Druck" und Kinsky sei "ein sehr guter Torwart".
Tottenham will zum Ort unter dem tiefsten Tiefpunkt
Leider seien "diese Fehler gerade in diesem wichtigen Spiel passiert", sagte Tudor. Man habe für diesen Start in die Partie "bezahlt, das war zu viel für uns". Kinsky habe es leidgetan, betonte der Coach, "wir stehen hinter ihm, wir halten alle zusammen. Es geht nie um einen einzelnen Spieler."
Die englische Presse widmet sich dem Untergang der Spurs wortreich. "Es kann immer schlimmer werden. Viel, viel schlimmer", schrieb der "Guardian": "Wenn es einen Ort gibt, der unter dem tiefsten Tiefpunkt liegt, Tottenham scheint entschlossen zu sein, dorthin zu gelangen." Die traditionsreiche BBC schrieb auf ihrer Webseite minutengenau über die "Horror-Nacht" des jungen Tschechen.
"Er hat seine Karriere komplett ruiniert"
Der ehemalige Spurs-Torhüter Paul Robinson sagte bei BBC 5 Radio Live: "Das habe ich auf einem Fußballplatz noch nie gesehen. Es wird Kinskys Seele zerstören. Ich kann mir vorstellen, dass er in Tränen aufgelöst ist. Wie soll man damit umgehen? Es war egoistisch vom Trainer. Er weiß, was die Stunde geschlagen hat."
Andere Ex-Torhüter griffen Tudor ebenfalls scharf an. "Er ersetzt ihn, das wird Auswirkungen auf den Rest seiner Karriere haben. Er hat seine Karriere komplett ruiniert", sagte der frühere Torwart von Manchester United, Peter Schmeichel, beim US-Sender CBS. Englands Ex-Nationaltorhüter Joe Hart sagte bei TNT Sports: "Ich bin einfach nur untröstlich für den Jungen."
Endet Tudors Amtszeit nach nur vier Spielen?
Der Abschied von Tudor nach nur vier Spielen scheint dabei schon fast beschlossene Sache. Der ehemalige Trainer von Juventus Turin und Lazio Rom hatte den Klub erst im Februar von Thomas Frank übernommen und mit der Niederlage bei Atlético Madrid nun auch sein viertes Spiel verloren.
"Nach nur 26 Tagen im Amt ist ihm die Situation außer Kontrolle geraten", schrieb die BBC, die von der "schlimmsten Anfangsphase" eines Spurs-Spiels in der jüngeren Vereinsgeschichte schreibt. Was bei dem Schwergewicht einiges heißt. In der englischen Premier League versinken sie immer tiefer im Abstiegskampf.
Bei noch neun ausstehenden Partien hat Tottenham nur einen Punkt Vorsprung vor West Ham United, die aktuell auf einem Abstiegsplatz stehen. In den zehn Spielen der Rückrunde hat der Klub dabei nur drei Punkte aus drei Unentschieden gesammelt. Im Jahr 2026 sind sie noch ohne Sieg in der Liga.
Zu seiner eigenen Zukunft wollte sich der 47-jährige Kroate Tudor dementsprechend nicht äußern. "Ich muss weiterarbeiten. Nicht zu viel reden, sondern mich auf die Dinge konzentrieren, die wir tun können", sagte Tudor bei TNT Sports: "Es ist unglaublich schwierig, all diese Dinge zu erklären. Ich habe so etwas zum ersten Mal in meiner 15-jährigen Karriere erlebt. Ich konzentriere mich auf die Probleme, die Spieler auch. Wir müssen positiv bleiben." Die Frage ist nun, ob Tottenham ihm dafür überhaupt Zeit lässt.