"Genug ist genug"

FIFA-Legenden erhöhen Druck auf Infantino mit scharfen Worten

610811294
Gianni Infantino muss sich oft erklären. (Foto: picture alliance / Pressefoto Ulmer)
00:00 / 03:48
25.08.2026 | 07:02 Uhr
Gianni Infantino erlebt stürmische Zeiten: Der FIFA-Boss steht unter Druck wie nie in seiner Ära an der Spitze des Fußball-Weltverbandes. Nun gibt es frischen Gegenwind.

FIFA-Boss Gianni Infantino steht mächtig unter Druck: Nach seinem gescheiterten Versuch, handstreichartig Anteile an den großen FIFA-Turnieren an private Investoren zu verschachern, muss der Schweizer plötzlich mächtig für sich trommeln, um sich seine Wiederwahl im März doch noch zu erkämpfen. Mehrere Kontinentalverbände haben sich inzwischen überraschend unmissverständlich von Infantino abgewandt, einstige Vertraute distanzieren sich vom mächtigsten Mann im Weltfußball und nun gibt es frischen Gegenwind aus den eigenen Reihen.

Eine Gruppe einflussreicher aktiver und ehemaliger Fußballspieler kritisiert Infantino mit scharfen Worten - und fordert seinen Rücktritt. "Genug ist genug" heißt es in einem Schreiben diverser hochkarätiger Ex-Profis. Brisant: Einige derjenigen, die hinter der Verbreitung der Erklärung stehen, waren im Rahmen des "FIFA Legends"-Programms als Botschafter für die FIFA tätig. Zu ihnen gehört der ehemalige Verteidiger von Manchester United und Arsenal, Mikaël Silvestre, der zudem Mitglied des 16-köpfigen Spielerbeirats des Weltfußballverbandes ist, der zur Unterstützung von Initiativen gegen Rassismus eingerichtet wurde.

Zu den weiteren Unterzeichnern der Erklärung gehören die englische Verteidigerin Lucy Bronze, der ehemalige englische Torhüter David James und der französische Weltmeister von 1998, Emmanuel Petit. Es wird erwartet, dass sich weitere Unterzeichner anschließen werden.

"Genug ist genug"

"Wir teilen genau dieselben Bedenken wie Millionen von Fans auf der ganzen Welt", heißt es in der Erklärung. "Wie sie haben auch wir miterlebt, wie sich der Sport, den wir lieben, unter der derzeitigen Führung der FIFA von seinen Grundwerten entfernt hat. Viel zu lange haben wir beobachtet, wie wichtige Entscheidungen getroffen wurden, ohne dass Spieler befragt oder berücksichtigt wurden, und ohne Rücksicht auf die Fans, die diesen Sport am Leben erhalten."

Obwohl sich Infantino der Unterstützung zahlreicher Verbände weiterhin sicher sein darf, steckt er derzeit in der größten Krise seiner Ära an der Spitze der FIFA. Seine Wiederwahl beim FIFA-Kongress im März 2027 gilt als unsicher. 2019 und 2023 war er noch ohne Gegenkandidat per Akklamation in seinem Amt bestätigt worden.

Weiter heißt es in der Erklärung, die über die sozialen Medien verbreitet wird: "Veränderungen sind notwendig. Die Macht hat die Fähigkeit der derzeitigen Führung getrübt, zwischen ihren eigenen Interessen und dem, was für den Fußball am besten ist, zu unterscheiden. Die jüngsten Ereignisse haben es unmöglich gemacht, weiter zu schweigen. Genug ist genug."

"Zukunft des Fußballs neu gestalten"

Besonders die UEFA hatte auf die offenbar klandestin forcierten Pläne zum Verkauf von Anteilen an unter anderem der Fußball-WM der Männer scharf reagiert und mit einem Boykott seiner Mitgliedsverbände von FIFA-Turnieren angekündigt.

Die Gruppe forderte Anstrengungen, um "die Zukunft unseres Sports neu zu gestalten", und fügte hinzu: "Es gibt gute Menschen innerhalb der FIFA, die das Vertrauen wiederherstellen wollen, aber eine neue Ära erfordert einen strukturierten Wandel: ein echtes, direktes Mitspracherecht für Spieler und Fans bei der Führung des Fußballs. Diejenigen, die auf den Platz treten, und diejenigen, die auf den Tribünen sitzen, verdienen eine echte Stimme, um gemeinsam die Zukunft des Fußballs neu zu gestalten."

Infantino hat sich den Rücktrittsforderungen bislang widersetzt und macht keinerlei Anstalten, seine Rolle im Weltfußball zu überdenken. Auch die schnelle Ankündigung, die Pläne nach dem konzertierten Protest zunächst ruhen zu lassen, konnten die Kritiker nicht befrieden.

Verwendete Quellen: ntv.de, ter