Super League lässt's krachen

Fußball-Bundesliga verliert eine Topspielerin nach der nächsten

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Lea Schüller stürmt für Manchester United. (Foto: IMAGO/Passion2Press)
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05.08.2026 | 20:24 Uhr
Der Frauenfußball erlebt seinen heißesten Transfersommer. Die Finanzpower der englischen Women's Super League macht der Bundesliga immer mehr zu schaffen.

Einen Abgang von Alexia Putellas beim FC Barcelona konnte sich lange niemand vorstellen. Nach 14 Jahren hat sich die Weltmeisterin und zweimalige Weltfußballerin zu den London City Lionesses verabschiedet - und soll dort rund 1,7 Millionen Euro im Jahr verdienen. Die Women's Super League enteilt mit derartigen Riesenschritten der internationalen Konkurrenz, dass auch die Bundesliga nur staunend hinterherschauen kann.

"Mit dieser Wucht von Toptransfers hätte ich jetzt nicht gerechnet. Sowohl was die Höhe der Ablösen angeht, als auch die der Gehälter, die wir inzwischen erreicht haben", sagt Spielerberater Jörg Neblung, der mit seiner Agentur Fem11 seit Jahren Fußballerinnen betreut.

"Shopping Queen" Michele Kang?

In Spanien verstärkte sich Real Madrid unter anderem mit der DFB-Auswahlspielerin Elisa Senß (Eintracht Frankfurt) und Wolfsburgs Torjägerin Lineth Beerensteyn, um das lange Zeit übermächtige Barça anzugreifen. In England kaufen der FC Arsenal und die London Lionesses mit der amerikanischen Eigentümerin und Milliardärin Michele Kang ein, als ginge es um den Titel der "Shopping Queen". Sie besitzt schon das Frauen-Team von Olympique Lyon und den US-Klub Washington Spirit.

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Bundesliga-Spielerinnen trainieren mit Schafen

Die deutsche Bundesliga verliert - nach Sjoeke Nüsken (FC Chelsea), Rebecca Knaak, Sydney Lohmann (beide Manchester City) und Lea Schüller (Manchester United) - immer mehr bekannte Nationalspielerinnen an die WSL. Englands zweifache Europameisterin Georgia Stanway verließ den FC Bayern gen Arsenal, dort heuerte auch Hoffenheims Stürmerin Selina Cerci an. Vivien Endemann wechselte vom VfL Wolfsburg zum FC Liverpool, Nicole Anyomi von Eintracht Frankfurt zu den Lionesses.

"Deutlich mehr Geld" im Ausland

Die Abwanderung von Topspielerinnen - das will die neu gegründete Frauen-Bundesliga FBL e.V. künftig verhindern, die sich abseits des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) formiert hat. "Selbst der FC Bayern kann nicht alle Spielerinnen in Deutschland halten, weil diese im Ausland deutlich mehr Geld verdienen", sagte FBL-Präsidentin Katharina Kiel im "Kicker"-Interview. Die Women's Super League habe "mehr Mut bei der Umsetzung bestimmter Thematiken".

Für Aufsehen sorgte zuletzt auch der Wechsel von Toptalent Lisa Baum von RB Leipzig zu Arsenal - laut "Bild" für die Rekordablöse einer Bundesliga-Spielerin von rund 600.000 Euro. Dabei hat die 19-Jährige noch kein A-Länderspiel bestritten. Bundestrainer Christian Wück und seine Assistentinnen Maren Meinert und Saskia Bartusiak werden künftig viel nach England jetten, um ihre Kandidatinnen im Stadion zu sehen.

Fußball-Standort Deutschland "geschwächt"

Wück sieht die Entwicklung zwiegespalten. "Ich glaube, für die individuelle Entwicklung einer Spielerin ist ein Wechsel - egal ob national oder international - immer gut. Weil sie neuen Input bekommt, weil sie eine neue Mannschaft kennenlernt, weil sie sich durchsetzen muss in einem neuen Umfeld", erklärt der 53-Jährige. Aber natürlich werde der Fußball-Standort Deutschland geschwächt, "wenn man die besten Spielerinnen nicht halten kann".

Die US-Liga NWSL, wo zum Beispiel DFB-Stammkeeperin Ann-Katrin Berger (Gotham FC) unter Vertrag steht, habe noch das Problem mit dem sogenannten Salary Cap, sagt Spielerberater Neblung: "Sonst würden die auch in ganz andere Dimensionen vorstoßen." Dort darf das Gehaltsbudget pro Team maximal 3,7 Millionen US-Dollar (etwa 3,2 Millionen Euro) pro Saison betragen.

Bühl sieht noch größeren Anreiz in München

"In England ist eben Investorenpower dahinter. Bei der Gehälterspirale sind wir inzwischen im Millionen-Brutto-Verdienst-Bereich bei den Topspielerinnen der Welt angekommen. Da kann Deutschland nicht mithalten", sagt Neblung, dessen prominenteste Klientin Klara Bühl ist.

Die DFB-Flügelflitzerin vom FC Bayern hatte sich im vergangenen Jahr trotz verlockender Angebote gegen einen Wechsel ins Ausland entschieden. Sie sagt heute, dass der Anreiz in München (Vertrag bis 2027) gerade einfach noch größer sei: "Ich fühle mich hier extrem wohl. Ich bin jetzt schon die sechste Saison hier, aber habe immer noch das Gefühl, dass wir eben immer wieder einen Schritt weiter nach vorn machen und das will ich ja so lange wie möglich mit antreiben."

Bühl ist die Spielerin mit dem zweithöchsten Marktwert

Bühls Marktwert ist derweil weiter in die Höhe geschossen: Die 25-Jährige liegt in der Liste der internationalen Topspielerinnen des Portals Soccerdonna mit geschätzten 1,65 Millionen Euro auf Rang zwei hinter der führenden Engländerin Alessia Russo (Arsenal/1,8 Millionen) und vor Spaniens Superstar Aitana Bonmatí (1,6 Millionen).

Münchens Sportdirektorin Bianca Rech sieht den deutschen Double-Gewinner nach wie vor in der Lage, Topspielerinnen zu holen. Doch allgemein gelte: "Wenn man sich anguckt, was da im Moment los ist, ist schon schwierig, auch für den FC Bayern. Es liegt gar nicht so sehr an uns, es geht darum, die Attraktivität der Liga zu steigern", sagte sie dem Bayerischen Rundfunk.

"Spielerinnen wollen Wettbewerb haben, Spielerinnen wollen in einer attraktiven Liga spielen", führte Rech aus, "und das ist im Moment in England gegeben auf einem sehr, sehr hohen Niveau, plus auf einem hohen finanziellen Niveau. Da müssen wir uns aktuell hinten anstellen."

Verwendete Quellen: ntv.de, Ulrike John, David Joram und Manuel Schwarz, dpa