Fußball

Euphorie trotz finsterem Finale HSV probt fürs Wunder - Seeler pessimistisch

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Etwa 2000 Fans sorgen beim Training für Volksfeststimmung.

(Foto: dpa)

Der Hamburger SV glaubt an das fast Unmögliche: den Verbleib in der Fußball-Bundesliga. Zum Training am Himmelfahrtstag strömen etwa 2000 Zuschauer, die den Kickern Mut machen. Doch ausgerechnet eine Vereinslegende hat die Hoffnung aufgegeben.

Die Szenerie wirkt skurril. Der finsterste Tag in der ruhmreichen Vereinsgeschichte des Hamburger SV steht womöglich unmittelbar bevor, doch rund um das Volksparkstadion herrscht am Himmelfahrtstag Volksfeststimmung. Rund 2000 Fans feiern die HSV-Profis und Trainer Christian Titz beim Training mit lautem Applaus und Sprechchören - es gibt Autogramme und Selfies, Eiscreme und Bier.

"Ich fand es eine richtig tolle Aktion", sagt Titz mit einem strahlenden Lächeln: "Es ist gut, dass die Spieler merken, dass die Menschen an sie glauben. Das tut gut und gibt Selbstvertrauen." Er habe nicht mit solch einem Auflauf gerechnet und fühle sich von der Unterstützung geschmeichelt, sagt Titz, der noch einen weiteren Grund zu guter Laune hat. Wie der HSV mitteilt, steht eine ligaunabhängige Vertragsverlängerung des Trainers kurz bevor.

"Wir werden uns unmittelbar nach der Saison zur Finalisierung der letzten Detailfragen zusammensetzen", sagt Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann und befeuert die Euphorie, die in der Hansestadt die Endzeitstimmung verdrängt: Auf der Zielgeraden einer in Summe mal wieder total missratenen Saison startet der Liga-Dino bei seinen Fans noch einmal eine Charmeoffensive, sagt kurzfristig sein Geheimtraining ab und lädt am Vatertag zu einer öffentlichen Einheit. Erst am Dienstag hatten die HSV-Profis allen Trainingskiebitzen ein Eis spendiert.

Titz' Optimismus ist ungebrochen

Die triste (tabellarische) Realität, in der die Hamburger mit der schlechtesten Ausgangsposition in den Abstiegs-Showdown am letzten Spieltag starten und der Absturz in die Zweitklassigkeit die wahrscheinlichste Option ist, rückt bei all dem Trubel in den Hintergrund. Dabei ist die Situation der seit fünf Jahren am Abgrund wandelnden Hamburger so prekär wie nie, die legendäre Bundesliga-Uhr könnte nach 54 Jahren und 262 Tagen zum Stillstand kommen. Zur Erinnerung: Der HSV benötigt im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) als Tabellen-17. zwingend einen Sieg, um in der dritten Relegation binnen fünf Jahren noch die Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Gleichzeitig muss der VfL Wolfsburg daheim gegen den bereits als Absteiger feststehenden 1. FC Köln verlieren.

Titz' Optimismus ist trotz der äußerst kniffligen Ausgangssituation ungebrochen. Schafft es der HSV? "Ich glaube daran. Ja", sagte der 47-Jährige auf die Frage aller Fragen bei der Spieltags-PK. Sieben Punkte betrug der Abstand zum rettenden Ufer, als Titz den HSV im März übernommen hatte. "Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir am letzten Spieltag wieder bis auf zwei Punkte dran sind, hätte ich das unterschrieben", sagte er.

Seeler glaubt "nicht so recht daran"

Im Umfeld des Klubs ist die Hoffnung auf eine erneute Last-Minute-Rettung dagegen längst auf ein Minimum geschrumpft. "Ich bin realistisch. Es wird eine schwierige Angelegenheit und ich glaube nicht so recht daran", sagte Klubidol Uwe Seeler und ließ mit einer weiteren Aussage aufhorchen. Denn der 81-Jährige, der für den HSV in der Spielzeit 1963/64 mit 30 Treffern zum ersten Torschützenkönig der Bundesliga avanciert war, sprach sich unabhängig von der künftigen Ligazugehörigkeit für eine Weiterbeschäftigung von Titz aus. "Man sollte mit ihm weitermachen", sagte Seeler. Die letzten Spiele seien "überzeugend" gewesen. "Für einen Neubeginn im Sommer ist Titz der richtige Mann."

In den sieben Spielen holte der HSV zehn Punkte und spielte nach schweren Wochen plötzlich ansehnlichen Fußball - doch am Ende könnte es nicht reichen. Trotz der neuen Euphorie um Titz und Co.

Quelle: n-tv.de, Christoph Stukenbrock und Peer Lasse Korff, sid

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