Fußball

Pokal-Knockout mit Ansage Hertha BSC verzweifelt an der "Katastrophe"

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"Es war furchtbar, eine Katastrophe", findet Herthas Torwart Alexander Schwolow.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Seit Jahrzehnten hat Hertha BSC einen großen Traum: Einmal das DFB-Pokal-Finale im eigenen Stadion zu erreichen. Diesmal ist er schon nach der ersten Runde ausgeträumt. Das furiose Neun-Tore-Spiel in Braunschweig war ein Spektakel, das alle Probleme der Berliner offenbart.

So ein Interview möchte kein Fußballer der Welt nach dem ersten wichtigen Spiel für seinen neuen Verein geben. "Es war furchtbar, eine Katastrophe", sagte Herthas Torwart Alexander Schwolow bei Sky. Es war: "Ein Albtraum-Spiel!" Der 28 Jahre alte Schwolow ist erst vor wenigen Wochen vom SC Freiburg zu Hertha BSC nach Berlin gewechselt und weiß auch erst seit diesem Freitagabend mit letzter Gewissheit, dass er dort in dieser Saison die neue Nummer eins im Tor ist. Doch dann erlebte er so einen Einstand - mit fünf Gegentoren bei einem Zweitliga-Aufsteiger. Der Favorit aus der Fußball-Bundesliga flog mit 4:5 (2:3) bei Eintracht Braunschweig gleich in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal.

Braunschweig - Hertha BSC 5:4 (3:2)

Tore: 1:0 Kobylanski (2.), 2:0 Mittelstädt (17., Eigentor), 2:1 Lukebakio (23.), 2:2 Cunha (29.), 3:2 Kobylanski (44.), Pekarik (65.), 4:3 Kobylanski (66.), 5:3 Abdullahi (73.), 5:4 Lukebakio (83.)
Braunschweig: Fejzic - Schultz (86. Burmeister), Wydra, Nikolaou - Ziegele, Wiebe, Ben Balla, Kijewski - Kobylanski - Kaufmann (88. May), Abdullahi (80. Bär); Trainer: Meyer.
Berlin: Schwolow - Pekarik, Stark, Rekik, Plattenhardt (78. Maier) - Darida (78. Duda), Tousart - Lukebakio, Leckie (75. Dilrosun), Mittelstädt - Cunha; Trainer: Labbadia.
Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
Zuschauer: 500
Besonderes Vorkommnis: Schwolow hält Foulefmeter von Kobylanski (44.)

"Es lief echt alles schief, was schieflaufen konnte", klagte Schwolow. Auf Hertha BSC und diesen Wettbewerb trifft dieser Satz in schöner Regelmäßigkeit zu. Seit das Pokalendspiel 1985 fest nach Berlin vergeben wurde, will der Verein es unbedingt einmal mit seiner Profimannschaft erreichen. Doch auf dem Weg dorthin geht fast immer etwas dramatisch schief: Sei es auf peinliche Art und Weise wie 2012 beim Regionalligisten Wormatia Worms. Oder auf bittere wie 2017 im Elfmeterschießen gegen den späteren Pokalsieger Borussia Dortmund. Das Neue an diesem Jahr und dem Neun-Tore-Spektakel in Braunschweig war nur: Die Fallhöhe ist größer geworden, seit die Hertha dank ihres Investors Lars Windhorst kein Mittelklasse-Klub mehr ist, sondern ein "Big City Club" mit internationalen Ansprüchen werden will.

Wenn dieses Jahr am 23. Dezember mit der zweiten Pokalrunde zu Ende geht, wird der Unternehmer seit 2019 insgesamt 374 Millionen Euro in den Deutschen Meister von 1930 und 1931 investiert haben. Das weckt Erwartungen, die am Freitag mal wieder deutlich unterlaufen wurden. "Für uns ist das eine große Enttäuschung", sagte Trainer Bruno Labbadia. Seine Mannschaft holte dabei ein 0:2 und ein 2:3 auf. Sie war zeitweise so drückend überlegen, dass ihr Trainer "das Gefühl hatte: Wir sind im Fluss, jeder ist griffig, jeder ist da." Doch am Ende standen fünf Braunschweiger Tore durch Martin Kobylanski (2./44./67.), Maximilian Mittelstädt (17./Eigentor) und Suleiman Abdullahi (73.) auf der Anzeigetafel, aber nur vier Berliner Treffer durch Dodi Lukebakio (23./83.), Matheus Cunha (29.) und Peter Pekarik (65.).

Was Hertha braucht, hat Windhorst nicht

"Wir haben Moral bewiesen und vieles richtig gemacht, besonders im Spiel nach vorn. Aber gefühlt war jeder Schuss ein Gegentreffer, so etwas habe ich selten erlebt. Die vielen individuellen Fehler, die wir heute gemacht haben, konnten wir nicht kompensieren", sagte Labbadia. Auf das Dilemma hatte der Coach schon nach mehreren Niederlagen in der Vorbereitungszeit hingewiesen: Viele sähen nur die Windhorst-Millionen, aber nicht das, was auf dem Platz passiert. Und tatsächlich wären viele Klubs gerade in der Corona-Krise gern finanziell so gut ausgestattet wie die Hertha. Aber genau eine Woche vor dem Start der Bundesliga-Saison hat auch kaum jemand so viele Baustellen zu bearbeiten wie dieser ambitionierte Verein.

Labbadia wartet noch immer auf Verstärkungen für den Angriff, eine offensive Außenposition und das zentrale Mittelfeld. Er hat nach den Abgängen von Vedad Ibisevic, Per Skjelbred oder Marko Grujic auch noch keine stabile neue Achse bilden können. Die Hertha benötigt dafür etwas, das sie sich selbst von dem Geld ihres Investors nicht kaufen kann, nämlich Zeit. "Wir haben zwar jetzt mehr Geld zur Verfügung. Aber das geben die Vereine, die vor uns stehen, seit zehn Jahren aus. Das heißt, sie haben auch zehn Jahre Vorsprung, und den werden wir nicht in einem Jahr aufholen. Auch nicht in zwei. Das ist unmöglich", sagte Labbadia in einem "Tagesspiegel"-Interview. Die Niederlage in Braunschweig macht die Sache nicht leichter. Sie wird den Druck vor dem ersten Bundesliga-Spiel am Samstag bei Werder Bremen noch weiter erhöhen. "Wir sind in der Entwicklung", sagte Labbadia. "Deshalb ist das heute besonders schade."

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid