Das Team blamiert, der Trainer am Ende? Michael Carrick stapfte schnurstracks zur Gästekurve des kleinen Stadions am Comer See. Vor den nur noch ganz wenigen verbliebenen Fans von Manchester United hob der Teamchef entschuldigend beide Arme. "Es ist mehr als enttäuschend. Ich übernehme zu 100 Prozent die Verantwortung für das gesamte Team und die Leistung", sagte Carrick nach dem 1:4 (0:1) bei Como 1907 und beteuerte: "Damit hat es sich – bei mir endet die Verantwortung."
United ist seit sieben Pflichtspielen ohne Sieg. In der Königsklasse geraten die Red Devils nach der zweiten Pleite in der dritten Partie unter Druck - nun wackelt auch Carrick. "Job in danger", schrieb die BBC. Die "Sun" meinte, Carrick sähe so aus, als wüsste er, was ihn erwartet. Sprich: sein Aus. "Als langjähriger Fan dieses Fußballvereins muss ich sagen, dass es für mich inakzeptabel ist, eine solche Leistung mitanzusehen." Auf die Frage, ob er noch die Rückendeckung seiner Vorgesetzten spüre, sagte der Ex-Profi: "Es geht nicht um mich. Es geht darum, dieses Spiel zu verdauen."
Hürzeler und Nagelsmann auf dem Zettel?
Der argentinische Vizeweltmeister Nico Paz (2./57.), Tassos Douvikas (49.) und Jacobo Ramón (76.) trafen für das Team vom Comer See, das zum Auftakt bereits RB Leipzig mit 4:1 geschlagen hatte. Für United war das Tor von Ex-Bayern-Profi Joshua Zirkzee (90.+1) zu wenig.
Die Lage beim einst so stolzen und erfolgreichen Klub, gemeinsam mit dem FC Liverpool immer noch englischer Rekordmeister, ist seit Jahren eher trostlos, mit einigen kleinen Ausreißern nach oben. In dieser Saison könnte sie indes existenzgefährdend werden. In der Liga stehen sie als 13. nur zwei Zähler von einem Abstiegsrang. Das ist nach sieben Spieltagen zwar noch nicht in Stein gemeißelt, aber eben auch mehr als bloß ein Stotterstart. Die Tendenz ist klar, manifestiert durch die Sieglos-Serie. Und auch im Team ist die Angst vor dem Absturz groß.
Die Gerüchte um eine Ablösung von Carrick geistern schon länger durch die Medien. Zuletzt wurde der Name Fabian Hürzeler gehandelt. Der Deutsche spielt mit Brighton & Hove Albion bislang eine fantastische Saison, steht auf Platz drei. Ein Ort, an dem sich United qua Klubhistorie mindestens auch sieht. Die Gerüchte schienen aber eher kalt zu sein. Gehandelt wurden indes auch andere große Namen: Antonio Conte, Julian Nagelsmann und Eddie Howe. Alle sind derzeit vereinslos.
Martinez platzt der Kragen
Zuletzt war Lisandro Martínez der Hut hochgegangen, ehe er sich reumütig bei der Vereinsführung entschuldigen musste. "Die Frustration über die Niederlage (Anmerk. d. Red.: in der Champions League bei Atlético Madrid) hat dazu geführt, dass ich meinen Gefühlen zu einem Zeitpunkt und an einem Ort Ausdruck verliehen habe, die vielleicht nicht die richtigen waren – dafür möchte ich mich entschuldigen", schrieb Martínez nach einem "sehr positiven Gespräch" mit den Bossen im Netz.

Medienberichten zufolge wurde Martínez trotz des guten Austauschs mit einer Geldstrafe belegt. "Jeder weiß, dass ich ein leidenschaftlicher Mensch bin und den Fußball mit großer Intensität lebe", führte er aus. Es sei aber auch so: "Unser Verein ist dann am stärksten, wenn wir alle vereint sind – und mir ist bewusst, dass meine Worte in jenem Moment nicht dazu beigetragen haben."
Ihm sei bewusst, betonte er, "dass jeder Einzelne" bei United "alles in seiner Macht Stehende tut, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen: den Erfolg zu erzielen, den dieser Verein und seine Fans verdienen". Nun gelte die Konzentration aller dem gemeinsamen Erfolg. Martínez hatte zuvor erklärt, der Verein habe Trainer Michael Carrick mit einem unzureichenden Kader ausgestattet. Er erwarte mehr Investitionen. "Zu 100 Prozent. Ich erwarte mehr von unserem Sportdirektor", sagte er.

