146 Tore in 147 Pflichtspielen: Harry Kane ist - so viel lässt sich ohne zu übertreiben sagen - einer der besten Transfers, die der FC Bayern München in seiner jüngeren Geschichte getätigt hat. Die 100 Millionen Euro, die der Rekordmeister im Sommer 2023 an Tottenham Hotspur überwies, gelten an der Säbener Straße längst als gerechtfertigt. Klub-Patron Uli Hoeneß bezeichnete den Deal mit der Rekordablöse unlängst gar "als besten Transfer, den wir je gemacht haben".
Welche Rolle spielte der nach Kanes erster Saison in München 2024 geschasste Thomas Tuchel? Laut Tuchel selbst eine gewichtige. "Ich bin immer noch froh, dass ich dafür gekämpft habe, ihn zum FC Bayern München zu holen - gegen einige andere Meinungen", sagte der englische Nationaltrainer nach dem Achtelfinalsieg der Three Lions bei der WM gegen Mexiko. Tuchel als entscheidender Transferflüsterer in Sachen Kane?
Einem Bericht der "Sport Bild" zufolge liegen die Dinge aber anders. Demnach führten Tuchels Aussagen bei den Klub-Bossen zu "Stirnrunzeln", Bayern sei schon vor Tuchels Amtszeit an dem Angreifer interessiert gewesen. Tuchel soll das teure Unterfangen vielmehr lange zögerlich begleitet haben. Die Verhandlungen zwischen dem FC Bayern und Tottenham Hotspur zogen sich im Sommer 2023 lange hin, Spurs-Boss Daniel Levy agierte hart, trieb den Preis immer wieder nach oben.
Tuchel reagiert plötzlich total wütend auf Reporterfrage

Hoeneß wetterte über Tuchel
Laut "Sport Bild" hatte Tuchel auch bei anderen Personalien eine andere Meinung als die Vereinsbosse. Der Trainer hätte demnach gerne Declan Rice, Mason Mount oder Gabriel Martinelli nach München geholt, dazu einen Verkauf von Joshua Kimmich goutiert. Die Verantwortlichen entschieden in allen Fällen anders.
Hoeneß hatte Tuchel vor einigen Monaten für dessen Agieren in München scharf kritisiert. Während der jetzige Trainer Vincent Kompany "jeden Spieler besser" mache und nicht laufend teure Verstärkungen fordere, sei dies unter Tuchel ganz anders gewesen. "Wenn da nicht gut gespielt wurde, hat er sich nie selbst hinterfragt, sondern da war immer die Mannschaft schuld", wetterte Hoeneß im Podcast "Auf eine weiß-blaue Tasse" von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: Bei Tuchel habe es damals geheißen: "Der rechte Verteidiger, mit dem geht es nicht. Kimmich ist auch nicht so ein guter Spieler, und den (Ryan) Gravenberch - der jetzt in Liverpool spielt - kann ich überhaupt nicht gebrauchen."
Tuchel habe zudem den kroatischen Verteidiger Josip Stanisic "mal gefragt, ob er Deutsch kann, dabei ist er hier geboren", plauderte Hoeneß aus. "Das sind alles Dinge, die nicht gehen, und da ist der große Unterschied." Tuchel übernahm nach seinem Aus bei Bayern Anfang 2025 die englische Nationalmannschaft. Bei der WM in Amerika steht der 52-Jährige mit dem Team im Halbfinale - es ist erst das vierte Mal, dass England bei einer Endrunde zu den besten Vier gehört.

