Zwei Traditionsklubs, mehr als 48.000 verkaufte Tickets und mittendrin der ehemalige Toptorjäger Michael Preetz: Wenn Fortuna Düsseldorf und Tabellenführer MSV Duisburg an diesem Wochenende zum Derby antreten, klingen die Rahmenbedingungen stark nach Fußball-Bundesliga. Doch die beiden Vereine sind in der Drittklassigkeit gelandet und mühen sich um den Anschluss im deutschen Profifußball.
Und MSV-Geschäftsführer Preetz, geboren und aufgewachsen in Düsseldorf, ist zu so etwas wie dem Gesicht eines West-Produkts geworden. "Dieses Spiel ist etwas Besonderes für mich", erzählt Preetz. "Aber nicht nur für mich - da kommen möglicherweise 50.000 Zuschauer zu einem Drittliga-Spiel." Das könnte Rekord sein.
Schon als Kind in den Siebzigerjahren ist er zu den Fußballspielen der Fortuna ins Rheinstadion gegangen. Zehn Jahre spielte er bis 1990 für den Klub. Preetz gibt seit Januar 2024 in Duisburg den Ton an und tritt am Samstag (14 Uhr live beim WDR und MagentaSport sowie im Liveticker bei ntv.de) zum Gastspiel in seiner Heimatstadt an. Das sind nur etwas mehr als 20 Kilometer Anreise.
"Eigentlich ist die dritte Liga eine großartige Liga"
"Eigentlich ist die dritte Liga eine großartige Liga", sagt Preetz. "Hier tummeln sich viele Traditionsvereine." Bei acht NRW-Klubs ist für den MSV nicht nur das Duell mit Düsseldorf besonders attraktiv. Auch in den Spielen gegen Rot-Weiss Essen, Alemannia Aachen, Preußen Münster, Fortuna Köln, Viktoria Köln und den SC Verl gibt es viel NRW-Kolorit. Der Osten wird in Liga drei dagegen nur von Hansa Rostock vertreten.
"Man könnte sich fast zu der These verleiten lassen: Es macht durchaus Spaß in dieser dritten Liga zu spielen", sagt Preetz. "Dennoch ist es so, dass man sich nicht allzu lange an der Begeisterung für diese Liga erfreuen sollte - weil die zweite Liga noch einmal eine ganz andere Attraktivität bereithält."
Duisburg als Aufstiegskandidat
Etwa 1,3 Millionen Euro TV-Geld pro Verein gibt es in der dritten Liga. In der zweiten Liga wäre es für einen Klub wie den MSV je nach Platzierung das Fünf- bis Zehnfache. Preetz sieht beim MSV zwar komfortable Entwicklungen in Ticketing, Sponsoring und Merchandising. "Trotzdem können mehrere Jahre im Drittliga-Mittelfeld dazu führen, dass diese Einnahmebereiche wieder zurückgehen." Es sei "erstrebenswert, die dritte Liga nach oben zu verlassen".
Unter dem seit 2024 amtierenden Trainer Dietmar Hirsch hat der MSV die ersten vier Saisonspiele gewonnen und reist als Tabellenführer zur Fortuna. Düsseldorf hingegen ist mit vier Punkten enttäuschend in die Saison gestartet und steht im Tabellenkeller.
Preetz sieht die Fortuna in schwierigenr Lage
"Die Fortuna", sagt Preetz, "ist ein Beispiel für die schwierige Lage eines Traditionsklubs, der vor nicht allzu langer Zeit noch auf dem Weg in die Bundesliga war, dann in die dritte Liga abgerutscht ist und sich dort jetzt mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert sieht." Preetz hat die Fortuna nicht abgeschrieben. "Wir rechnen mit den Düsseldorfern im Laufe der Saison."
Den Absturz so vieler Traditionsklubs sieht er als Indiz dafür, dass "an vielen kleineren und vielleicht nicht so populären Standorten herausragende Arbeit geleistet wird". Elversberg, Heidenheim und Kiel nennt er als Beispiele. Preetz betrachtet das als "Herausforderung für uns Traditionsklubs, besser zu arbeiten als das vielleicht hier und da in den vergangenen Jahren geschehen ist".
Den MSV sieht Preetz auf Dauer nicht in der dritten Liga. "Das natürliche Umfeld des MSV sollte mindestens die zweite Liga sein", sagt er. "Die Tradition, die Größe des Klubs, die hervorragende Infrastruktur und die Fans geben mehr her als dritte Liga." Im Schnitt 23.000 Zuschauer pro Heimspiel kamen letzte Saison. Etwa 10.000, heißt es, wollen am Samstag mit nach Düsseldorf.
