Nach "Desaster" in ÖsterreichOtto Addo will ausgerechnet gegen Deutschland Wiedergutmachung

Der langjährige Bundesliga-Profi Otto Addo erlebt mit Ghana gegen Österreich einen fürchterlichen Fußball-Abend. Gegen Deutschland soll es sein Team besser machen. Das Spiel dient dem Trainer auch als Bühne.
Otto Addo war mächtig angefressen. "Die zweite Hälfte", schimpfte der Nationaltrainer Ghanas nach dem schmachvollen 1:5 (0:1) im WM-Härtetest in Österreich, "war ein großes Desaster." Vor dem Spiel in Stuttgart gegen Deutschland nahm der ehemalige Bundesligaprofi daher seine Mannschaft in die Pflicht. "Jeder spielt um die WM, wir müssen intensiver sein. Wir haben große Lektionen zu lernen", sagte Addo.
Schließlich ist es für ihn am Montag (20.45 Uhr/ARD und im Liveticker bei ntv.de) nicht irgendein Länderspiel. "Ich bin in Hamburg mit meiner Zwillingsschwester und meiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Jetzt bin ich Nationaltrainer", sagte der 50-Jährige im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst und ergänzte: "Alles ist möglich."
Zukunft soll in Deutschland liegen
Auch ein Sieg gegen den viermaligen Weltmeister? Für Addo ist das Spiel in doppeltem Sinne wichtig. Für seine Mannschaft, die "an guten Tagen mit den Top-Nationen mithalten" kann, wie er sagte. Besonders allerdings, "weil ich weiß, dass meine Zukunft zu großen Teilen in Deutschland liegen wird". Man will sich ja noch sehen lassen können. Der nach der Pause peinliche Auftritt in Wien am Freitagabend soll schnell in Vergessenheit geraten. "Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt so verloren haben. Es ist wirklich enttäuschend", sagte Addo.
Er fühlt sich als Deutsch-Ghanaer, sozusagen als das Beste aus zwei Welten, zwischen Hamburg-Hummelsbüttel und Accra. "Früher habe ich mich nur als Ghanaer gesehen. Ich habe mich so gesehen, wie andere mich sehen. Die erste Frage war immer: Woher kommst du?" Das, sagte er nachdenklich, sei schon schwierig.
Zu Kriegsthemen mag er nichts sagen
Er kämpft gegen Rassismus, den er in deutschen Stadien bitter erfahren hat. Deshalb ist die schwierige Frage nach der Politik vor der WM auch eine, die er differenziert beantwortet. "Was versteht man unter Politik?", fragte er. "Für mich ist es keine Politik, sich für Menschen, die rassifiziert oder diskriminiert werden, einzusetzen." Aber zu Kriegsthemen, da werde er sich nicht äußern.
Der jüngste Wirbel um die Aberkennung des Afrika-Cup-Sieges des Senegal ärgert ihn besonders deshalb, weil es viele Menschen gibt, die darin eine Bestätigung von Klischees sehen. Afrika, haha, wild und chaotisch. Addo konterte: "Es ist schade und schlecht, was passiert ist." Aber Skandale, die gebe es überall, "bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland gab es auch genug Ungereimtheiten".
Ghanas Superstar ist 75 Millionen Euro wert
Bei der WM sind mindestens neun afrikanische Mannschaften dabei. Marokko, der erste Halbfinalist vom Kontinent, wird wieder stark eingeschätzt, Senegal auch - doch Ghana hat ebenfalls einiges zu bieten. Drei Profis spielen in Deutschland: Ransford Königsdörffer vom Hamburger SV, Patric Pfeiffer von Darmstadt 98 und Jonas Adjetey vom VfL Wolfsburg. Antoine Semenyo, Rechtsaußen von Manchester City, ist 75 Millionen Euro wert.
"Verstecken müssen wir uns nicht", sagte Addo. Dass es Ghana sein wird, das ist nicht überaus wahrscheinlich, aber der frühere Mittelfeldspieler ist "fest davon überzeugt", irgendwann einen afrikanischen Weltmeister zu erleben.
In Ghana hat er eine schwierige Aufgabe, allein schon sprachlich, da ist der westafrikanische Staat extrem divers. Addo spricht Twi, die Sprache seiner Eltern und der Ashantis. "Aber ich verstehe auch Ga." Es geht auch Englisch, Spanisch, Französisch - oder ein breites "Moin". Damit die Herkunft gleich geklärt ist.