"Das ist noch nicht das Ende"Prinz Poldi mutiert nach pompösem Abschied zum "Boss"

Lukas Podolski geht mit einer pompösen Party von der Bühne - und will jetzt als "Boss" bei seinem Heimatverein Gornik Zabrze durchstarten. Die Champions League ruft.
Lukas Podolski strahlte. Während bei seinem Abschied auf der Tribüne im Ernesta-Pohla-Stadion bei vielen Fans auch Tränen flossen, grinste Podolski spitzbübisch wie eh und je. Prinz Poldi eben. Weiß-blau-roter Rauch stieg zu Ehren der Legende auf, klassische Musik erklang, es gab unzählige Umarmungen und irgendwann hängte Podolski dann sein berühmtes Trikot mit der Nummer "10" symbolisch ins Museum. Das Ende einer großen Karriere.
"Danke an die Familie", sagte der Familienvater, nachdem er unter frenetischem Jubel zum letzten Mal als Profifußballer auf dem Platz gestanden hatte: "Denn es ist nicht leicht, wenn ich, alter Knabe, jeden Tag zum Training, zu Spielen und Auswärtsfahrten aufbreche." Und dann versprach der 40-Jährige den Fans seines Klubs Gornik Zabrze: "Wir fahren weiter, das ist noch nicht das Ende." Vielmehr soll es ein Anfang sein.
Die Anhänger hatten sich zuvor Pappmasken mit Podolskis Gesicht aufgesetzt und ihren Helden mit einer riesigen Choreografie gewürdigt. Podolskis Gesicht war darauf zu sehen, sein berühmtes Grinsen, dazu eine Sonnenbrille. "Boss" war zu lesen. Und: "Es wird gut".
Podolski übernimmt Heimatverein
Denn Podolski hatte ja erst am Donnerstag für rund eine Million Euro die Mehrheit bei seinem Heimatverein übernommen. Und die Zukunft sieht rosig aus, schließlich dürfen Poldi und Co. von der Champions League träumen. Als Vizemeister in Polen ist Zabrze für die zweite Qualifikationsrunde der Königsklasse gesetzt. Auch als "Boss" winkt Podolski also die ganz große Bühne.
Schon als Spieler stand Podolski immer im Rampenlicht. Als Teenie stieg der "Kölsche Jung" mit seiner linken Klebe und dem lockeren Mundwerk beim 1. FC Köln schnell zur Ikone auf, spätestens als er an der Seite von Kumpel Bastian "Schweini" Schweinsteiger das Sommermärchen 2006 mitprägte, lag ihm auch Fußball-Deutschland zu Füßen. Acht Jahre später krönte Podolski seine Karriere mit dem WM-Titel in Brasilien, mit 49 Treffern für Deutschland ist er weiterhin der dritterfolgreichste DFB-Torschütze nach Miroslav Klose (71) und Gerd Müller (68).
Mehr noch als durch seine teils spektakulären Tore und Dribblings wird Podolski aber wohl wegen seiner unnachahmlichen Art in Erinnerung bleiben. Er war Prinz Poldi, Fan-Liebling, Spaßmacher, Sprücheklopfer, einer, der die Mannschaft zusammen hielt mit seiner Art. Jetzt sucht Podolski als Chef quasi den neuen Poldi für Zabrze.
Durch ihn habe der Klub auf dem Weg in die Zukunft ein "größeres Budget" zur Verfügung, "aber ein teurerer Spieler ist nicht immer besser", sagte Podolski, "wichtig ist, dass er zum Verein passt und Charakter hat". Er werde sicher keinen Top-Star "verpflichten, nur um anzugeben".
Podolski bleibt Poldi - auch als Boss.