Grinsend klatschte Muslic nach dem mühsamen 5:2-Sieg in der ersten Pokalrunde gegen den Halleschen FC seine Spieler ab. Bei Edin Dzeko blieb Schalkes Trainer etwas länger stehen. Der bosnische Stürmer war sichtlich verschwitzt und noch vollkommen außer Atem. Doch er lachte mit seinem Coach, bevor es zu den Fans in die Kurve ging. Eigentlich war das alles nicht so geplant. An diesem Abend sollte der 40-Jährige nur rund 20 Minuten spielen.
Weil Schalke gegen den Regionalligisten in die Verlängerung musste, wurden es am Ende knapp 60 Minuten. Zwei Tore und eine Vorlage steuerte er dabei zum Sieg bei und war damit der entscheidende Mann bei Königsblau. Am heutigen Sonntag (17:30 Uhr/DAZN und im Liveticker auf ntv.de) wartet mit dem FC Augsburg die erste große Bewährungsprobe für Königsblau. Dzeko dürfte zunächst erneut auf der Bank sitzen. Je nach Spielverlauf werden seine Qualitäten aber schnell wieder gefragt sein.

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Aus Italien in den Ruhrpott
Dabei ist er erst seit Januar 2026 da. Damals wechselte er vollkommen überraschend aus Italien in den Ruhrpott, zunächst für ein halbes Jahr befristet. In elf Zweitliga-Spielen gelangen ihm anschließend sechs Tore und drei Vorlagen. "Wir haben ihn und er gibt uns diese Qualität in der Box. Da gibt es noch nicht so viele und das verlernt man nicht. Das Positionsspiel, das Kombinationsspiel, den Instinkt", sagt Trainer Muslic über seinen Stürmer.
Für 90 Minuten reicht es aktuell aber noch nicht. Das hat neben seinem Alter einen ganz banalen Grund: Erst am 3. August, und damit über einen Monat nach dem WM-Aus von Bosnien und Herzegowina, war klar: Dzeko hängt noch ein Jahr dran. Zu diesem Zeitpunkt bereitete sich Schalke bereits seit dem 5. Juli auf die erste Bundesliga-Saison seit 2023 vor. Seit seiner August-Rückkehr wird der Bosnier behutsam aufgebaut. In seinem ersten Testspiel gegen Real Madrid, das Schalke mit 0:3 verlor, kam er zehn Minuten zum Einsatz.
Miron Muslic setzt bei seinem Stürmer auf Geduld, um ihn bestmöglich auf die schwere Bundesliga-Saison vorzubereiten: "Das ist ähnlich wie im Januar, als er gekommen ist. Da haben wir diese Geduld gehabt, dass wir ihn langsam und bestmöglich aufbauen." Das Ziel gegen Real war deshalb auch: Dzeko sollte "diesen Rhythmus spüren. Lunge schwer, Beine schwer. Das brauchte er." Auch deswegen wird es nach den ungeplanten 60 Minuten gegen Halle weiter darum gehen, die Belastung langsam zu steigern und nach der kurzen Vorbereitung wieder in den Spielrhythmus zu kommen. Ein Bundesligaspiel dürfte dem 40-Jährigen körperlich auch noch mal mehr abverlangen als die Partie gegen einen Regionalligisten.

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Wer könnte Dzeko ersetzen?
Während Dzeko den größten Teil der Vorbereitung fehlte, verteilte Muslic die Minuten im Sturm auf Christian Gomis, Bryan Lasme, Moussa Sylla und Neuzugang Junior Adamu. Als ernsthafte Alternativen zum Bosnier scheinen aber nur Moussa Sylla und Junior Adamu zu gelten. Sylla war in der Zweitligasaison 2024/2025 immerhin mit 16 Saisontoren der entscheidende Mann in Schalkes Offensive und gilt rein von der Statistik her als treffsicherste Alternative zu Dzeko. Auch gegen Halle stand der Stürmer aus Mali in der Startelf und traf zum zwischenzeitlichen 4:2.
Ausgerechnet Sylla gilt seit Monaten als Verkaufskandidat. Schalke braucht das Geld. Das betont Sportvorstand Frank Baumann immer wieder. Die Transferbilanz muss positiv sein. Aktuell ist sie noch negativ. Angebote scheint es für Sylla im Moment jedoch nicht zu geben. Im Winter war das anders. Da scheiterte sein Wechsel in die MLS vollkommen überraschend. Statt sieben Millionen Euro von New York City FC gab es den Spieler nach dem Medizincheck zurück. Die Ablöse sei zu hoch, hieß es gleichlautend. NYFC wollte den Transfer neu verhandeln, Schalke nicht.
Auch in diesem Sommer müssen noch beinahe zwei Millionen her. Dann hätte Schalke eine positive Transferbilanz und mit etwas mehr Geld vielleicht sogar etwas übrig für noch einen Angreifer. Gerüchte gibt es derzeit um die Stürmer Mohamed Amoura vom VfL Wolfsburg und Romeo Vermant vom Club Brügge. Bei beiden dürften aber nur eine Leihe machbar sein. Konkret scheint es bislang bei keinem der beiden zu sein. Fest steht: Solange sich bei Sylla kein Wechsel anbahnt, dürfte er auch gegen Augsburg wieder in der Startelf stehen. Wenige Tage vor Ende des Transferfensters am ersten September bleibt damit offen, wie Schalkes Sturm hinter Dzeko endgültig aussehen wird.
Der Bosnier bleibt der Unterschiedsspieler
Unabhängig von weiteren Transfers soll auch Neuzugang Junior Adamu vorne für Entlastung sorgen. 800.000 Euro zahlte Schalke für den 25-jährigen Schweizer an den SC Freiburg. Ein ausgewiesener Torgarant ist Adamu aber auch nicht. In der vergangenen Saison waren es in 24 Pflichtspielen für Freiburg und Leihklub Celtic Glasgow drei Tore sowie zwei Vorlagen. Umso mehr dürfte es die Schalker Verantwortlichen gefreut haben, dass auch Adamu sich gegen Halle in die Torschützenliste eintragen konnte. Der 25-Jährige hatte in der Vorbereitung vor dem Tor noch häufig unglücklich gewirkt.
Muslic hofft, dass das Tor einen positiven Effekt auf den Stürmer haben wird: "Für einen Stürmer heilt ein Tor und ein Erfolgserlebnis immer viele Wunden. Ich bin sehr froh, dass uns Junior heute den nötigen Impact gegeben hat." Sein erstes Pflichtspieltor für Schalke könnte ihm vor dem Bundesliga-Start also das nötige Selbstvertrauen geben.
Wie wichtig es für Schalke ist, dass die Last nicht allein auf Dzeko liegt, zeigt ein Blick auf die letzte Saison. Schon in der vergangenen Rückrunde konnte der Bosnier verletzungsbedingt nicht jedes Spiel bestreiten. Auch in dieser Saison wird Muslic die Belastung seines 40 Jahre alten Stürmers steuern müssen. Dass Dzeko Schalke mit seiner Erfahrung und seinen Qualitäten helfen kann, hat er gegen Halle einmal mehr gezeigt. Entscheidend wird sein, wie oft er diese Qualitäten auf den Platz bringen kann und wer seine Rolle übernimmt, wenn er eine Pause braucht. Unbestritten ist, dass Dzeko der Unterschiedsspieler bei Schalke ist. Er darf aber nicht der einzige Plan sein. Sonst dürfte Miron Muslic eine Saison ohne große Jubelgesten nach Spielschluss drohen.

