Fußball

Inters Leiden hat kein Ende Tragischer Lukaku schenkt Sevilla EL-Titel

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Diego Carlos bekam den Siegtreffer zugeschrieben. Verdient, allein wegen der Schusstechnik. Gefährlich gemacht hat den Schuss aber erst Romelu Lukaku.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der FC Sevilla gewinnt zum vierten Mal seit 2014 die Europa League. Den Triumph verdanken die Spanier Luuk de Jong - und Inters Stürmerstar Romelu Lukaku. Der trifft zwar früh, entscheidet das Spiel dann aber für die Spanier. Inter muss ein weiteres Jahr auf einen Titel warten.

Nach einem spektakulären Fallrückzieher von Diego Carlos hat Rekordsieger FC Sevilla in einem verrückten und hitzigen Finale die Europa League gewonnen. Die Andalusier besiegten im Endspiel von Köln den italienischen Vize-Meister Inter Mailand mit 3:2 (2:2) und blieben damit auch bei ihrer sechsten Endspiel-Teilnahme im zweitwichtigsten europäischen Klub-Wettbewerb seit 2006 unbesiegt.

"Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Diese Mannschaft hat es verdient. Wir haben so hart gekämpft und sind durch schwierige Zeiten gegangen", sagte Kapitän Jesus Navas, der einst bei den ersten beiden Triumphen auch dabei war. Vor allem die lautstarke Unterstützung von der Delegation auf der Tribüne habe geholfen. "Das ist eine große Familie, das hat uns viel gegeben."

Für Italien geht das Warten im kleinen Europacup derweil weiter: Zuletzt gewann ein Verein aus der Serie A 1999 den Vorgänger-Wettbewerb Uefa-Cup. "Wir müssen unseren Weg weitergehen und hoffen, dass wir weitere wichtige Spiele in der Zukunft bekommen. Das Fundament ist da", sagte Inter-Keeper Samir Handanovic.

FC Sevilla - Inter Mailand 3:2 (2:2)

Sevilla: Bono - Jesus Navas, Kounde, Diego Carlos (86. Gudelj), Reguilon - Fernando - Jordan, Banega - Suso (77. Vazquez), de Jong (85. En-Nesyri), Ocampos (71. Munir). - Trainer: Lopetegui
Inter: Handanovic - Godin (90. Candreva), de Vrij, Bastoni - D'Ambrosio (78. Moses), Brozovic, Young - Barella, Gagliardini (78. Eriksen) - Lukaku, Martinez (78. Alexis Sanchez). - Trainer: Conte
Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)
Tore: 0:1 Lukaku (5. Elfmeter), 1:1 de Jong (12.), 2:1 de Jong (33.), 2:2 Godin (36.), 3:2 Diego Carlos (74.)
Zuschauer: keine (in Köln)
Gelbe Karten: Diego Carlos, Banega - Barella, Bastoni, Gagliardini

Die Entscheidung fiel in der 74. Minute, als Inter-Torjäger Romelu Lukaku einen Fallrückzieher von Carlos ins eigene Tor abfälschte. Zuvor hatte der frühere Mönchengladbacher Luuk de Jong, der schon beim 2:1 im Halbfinale gegen Manchester United als Joker das Siegtor erzielt hatte, einen Doppelpack (12./33.) für das Team des früheren Nationaltrainers Julen Lopetegui erzielt. Für Inter trafen Lukaku (5., Foulelfmeter) und Diego Godin (36.).

Finale der Rekorde

Dabei stellten Lukaku und de Jong Bestmarken auf. Der belgische Inter-Stürmer baute seine Rekordserie aus, traf im elften Europa-League-Spiel in Folge und erzielte auch das früheste Endspiel-Tor in der Geschichte des Wettbewerbs. De Jong war der erste Spieler, der in einem Europacup-Finale gleich zwei Kopfballtore erzielte. Auch waren nie mehr als vier Tore in der ersten Halbzeit eines Endspiel der Europa League oder des Uefa-Cups gefallen.

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Torjäger Lukaku brachte Inter früh in Führung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zuschauer waren natürlich keine da, dennoch wurde es schon vor dem Anpfiff ziemlich laut im RheinEnergieStadion. Die Ersatzspieler und Delegationsmitglieder der Spanier klatschten und sangen lautstark und irgendwann fühlten sich die Italiener herausgefordert dagegenzuhalten. Und auch auf dem Feld ging es von der ersten Sekunde an zur Sache. Es gab Fouls, Nickligkeiten und ein frühes Tor, bezeichnenderweise durch einen Foulelfmeter. Lukaku holte ihn selbst raus, als er bei einem Konter den Ball an Diego Carlos vorbeilegte und umgerissen wurde. Doch Sevilla schlug früh zurück, als de Jong eine Flanke von Jesús Navas aus fünf Metern einköpfte.

Passende Pointe eines kuriosen Spiels

Und es ging hitzig weiter: In der 17. Minute forderte Inter-Trainer Antonio Conte nach einem vermeintlichen Handspiel derart vehement einen weiteren Elfmeter, dass er von einem Assistenten daran gehindert werden musste, auf den Platz zu laufen, und die Gelbe Karte sah. Auch einige Spielern hätte Schiedsrichter Danny Makkelie deutlich früher verwarnen können, doch die Linie des Niederländers war eindeutig eine milde, um die Gemüter nicht weiter aufzuheizen. Die Beeinflussungs-Versuche beider Seiten ignorierte er eisern.

Beide Teams spielten herzerfrischend und kompromisslos nach vorne. Diesmal köpfte de Jong Sevilla in Führung, doch diese hielt nur drei Minuten. Auf dem Weg in die Kabine gab es hitzige Diskussionen zwischen Spielern beider Lager und den Unparteiischen. Nach der Pause spielten beide zumindest etwas kontrollierter, sowohl im Bezug auf Fouls als auch auf taktische Nachlässigkeiten. Der von Lukaku abgefälschte Fallrückzieher war dann die passende Pointe eines kuriosen Spiels.

Quelle: ntv.de, Holger Schmidt, dpa