Nick Woltemade droht auch bei Juventus Turin vorerst ein Platz auf der Bank. Der Nationalstürmer feierte nach seiner Einwechslung in der Serie A gegen die AC Mailand zwar ein auffälliges Debüt und war dabei am späten 1:1-Ausgleich beteiligt, trotzdem bevorzugt sein Trainer wohl auch in den kommenden Wochen einen Konkurrenten.
"Nick Woltemade ist kopfballstark, man kann ihn als Lösung einsetzen. Ich setze weiterhin auf Kolo Muani", sagte Luciano Spalletti nach dem Spiel bei DAZN. "Am Ende werden wir sehen, wohin uns dieser Weg führt. Ich werde bis zum Ende der Saison dabei bleiben."
Der Ex-Frankfurter Randal Kolo Muani, der vor der Saison für 38 Millionen Euro von Paris St. Germain zu Juve wechselte, war in den ersten drei Saisonspielen ohne Tor geblieben. Woltemade hatte nach seiner Einwechslung in der 76. Minute zunächst eine Chance vergeben und dann in der Nachspielzeit den Freistoß herausgeholt, der zum 1:1 von Federico Gatti führte (90.+2). Nach dem Schlusspfiff löste ein Gerangel zwischen dem Deutschen und Milans Strahinja Pavlovic eine Rudelbildung aus, die aber schnell wieder aufgelöst wurde.
Spalletti war mit der Moral seiner Elf zufrieden, äußerte sich aber kritisch zur Offensivleistung. "Uns fehlten die richtigen Entscheidungen beim Abschluss oder beim entscheidenden Pass in die Tiefe. Wir müssen unser Aufbauspiel bei Ballbesitz verbessern", sagte er.
Grund zur Beunruhigung sah der Coach nach immerhin sieben Punkten aus den drei Auftaktspielen aber nicht. "Wir hatten Milan als Gegner – eine großartige Mannschaft. Wir können ebenfalls eine solche werden, das haben wir heute gezeigt; ich bin zuversichtlich und spreche der Mannschaft ein Kompliment für ihre Leistung aus."
Seltsames Lob für Woltemade
Vor Woltemades Debüt hatte Spalletti mit einem eher seltsamen Vergleich die Qualitäten seines Zugangs beschrieben: "Ich habe ein Friesenpferd - und das kommt mir sehr ähnlich vor. Er ist statuenhaft, wirkt körperlich etwas einschüchternd, ist aber dann wieder sehr lieb und lässt sich gerne streicheln und reiten", sagte Spalletti in einem Interview mit "Tuttosport" über den 1,98 Meter großen Woltemade.
Danach lobte er den von Newcastle United ausgeliehenen Stürmer auch weniger metaphorisch: Woltemade könne sein Spiel in die Breite gestalten, aufgrund seiner körperlichen Präsenz aber auch in die Tiefe eingesetzt werden. "Normalerweise ist es schwierig, diese beiden Eigenschaften in einem einzigen Spieler zu vereinen", erklärte Spalletti. "Er aber vereint beides." Der 24-Jährige will seiner Karriere nach einem durchwachsenen Jahr in der Premier League nun in Italien beim zuletzt schwächelnden Traditionsclub Juventus neuen Schwung verleihen.



