Der anvisierte Verkauf von Teilen der Fußball-Weltmeisterschaften ist vom Tisch, der Ärger damit aber längst nicht vorbei: Der europäische Fußballverband UEFA hat der FIFA rechtliche Schritte wegen der gescheiterten Kommerzialisierung über private Investoren angegedroht. Der "Telegraph" zitiert aus einem Brief der UEFA, der am Freitag vor der Absage der Pläne an die FIFA geschickt worden war. Demnach warnte die UEFA, dass sie "aktiv rechtliche Schritte, ein Schiedsverfahren und/oder Beschwerden bei den Aufsichtsbehörden" prüfe.
Zugleich warnte die UEFA den Weltverband davor, mit dem Plan für das "FIFA Forward Enterprise"-Programm zusammenhängendes Material zu vernichten. Neben der FIFA wurden auch Joshua Kushner, Greg Maffei, JP Morgan und OpenEconomics in diesem Zusammenhang angeschrieben, heißt es. Milliardär Kushner, dessen älterer Bruder Jared der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump ist, sollte über den "Thrive Eternal"-Fonds als voraussichtlicher Leiter der Investorengruppe für FFE agieren. Geschäftsmann Maffei war früher Präsident und Geschäftsführer von Liberty Media, der Gruppe, der die Formel 1 gehört, Maffei ist zudem ein Spender von Trump. JP Morgan und OpenEconomics waren als potenzielle Investoren im Spiel.
Warnung vor "Beweisvernichtung"
Aus dem Brief wird zitiert: "Sie und die FIFA sind verpflichtet, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um alle in dieser Mitteilung beschriebenen Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen zu identifizieren, ausfindig zu machen und zu sichern, die sich in Ihrem oder dem Besitz, der Verwahrung oder der Kontrolle der FIFA befinden."
Weiter hieß es: "Die UEFA - ebenso wie andere Konföderationen, FIFA-Mitgliedsverbände und Akteure des Fußballs - hat den Plan der FFE auf das Schärfste verurteilt, da er mit der ordnungsgemäßen Führung des Fußballs grundlegend unvereinbar ist. Da mit einem Verfahren zu rechnen ist, sind Sie verpflichtet, alle relevanten Unterlagen (wie unten definiert) mit sofortiger Wirkung aufzubewahren." Es wurde explizit vor einer "Beweisvernichtung" gewarnt.

"Trump und Infantino haben zusammengearbeitet"
Die UEFA nannte im Zuge der Aufforderung neben Infantino selbst auch FIFA-Persönlichkeiten wie den langjährigen Arsenal-Trainer Arsène Wenger, der heute der Leiter der FIFA-Abteilung für globale Fußballentwicklung ist, den Generalsekretär Mattias Grafstörm und Kevin Lamour, den Chief Operating Officer. Letzterer hatte in einer Mitteilung vom Freitag erklärt, der Präsident habe ihn und andere "getäuscht".
Infantino wollte rund 20 Prozent an Weltmeisterschaften verkaufen - für einen Wert von anvisierten 20 Milliarden Dollar. Die neu gegründete Tochterfirma hätte die kommerziellen Rechte bündeln sollen. Die UEFA hatte sich federführend gegen den Plan von Infantino gewehrt und mit einem Boykott der Weltmeisterschaften gedroht. Der Verband von Nord- und Mittelamerika CONCACAF sowie für Asien AFC schlossen sich dem Protest an. Damit war klar, dass Infantino nicht mehr auf die erforderliche Hälfte der Zustimmung der 211 nationalen Mitgliedsverbände kommen würde. So ließ er in der Nacht zu Samstag die Absage des Plans mitteilen.


