Fußball

Hummels beklagt "viel zu viele" "Ungeheuerliche" Elfer-Flut überrollt die Liga

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Zum 1:0 per Strafstoß: Nicolas Gonzalez vom VfB Stuttgart ließ am vergangenen Wochenende Frankfurts Torwart Kevin Trapp keine Chance.

(Foto: imago images/Michael Weber)

30 Elfmeter nach sieben Spieltagen: Das ist ein Bundesligarekord. Die höchste deutsche Spielklasse wird von einer Elfmeterwelle überrollt. Ist der Videobeweis schuld? Oder wird im deutschen Oberhaus grundsätzlich zu schnell auf den Punkt gezeigt? Profis und Trainer üben Kritik - auch am Wort "Kontakt".

Nach der Elfmeterflut vom vergangenen Wochenende bezog Mats Hummels Stellung. Denn was derzeit in den deutschen Bundesligastadien in Sachen Strafstößen passiert, stößt dem 31-Jährigen bitter auf. "Mal ein Kommentar von einem Spieler dazu: Es werden viel zu viele Elfmeter gepfiffen. Sowohl bei Handspielen als auch bei angeblichen Fouls (Stichwort "Kontakt")", twitterte der Innenverteidiger. Zustimmung dafür bekam er wenig später von seinem Verteidigerkollegen Matthias Ginter. Kernaussage: Ohne Kontakt geht es im Fußball nicht, auch nicht in der aktuellen Zeit.

Und doch stellt das deutsche Oberhaus derzeit Rekorde auf. Zehn Elfmeter gab es am vergangenen Spieltag, nur das Topspiel zwischen Hummels' Klub Borussia Dortmund und Bayern München kam ohne Strafstoß aus. Allein in der Saison 1971/72 gab es jemals mehr Elfmeter an einem Spieltag (zwölf). So extrem der Spieltag für sich betrachtet sein mag, so klar ist die Tendenz: 30 Elfmeter nach sieben Spieltagen sind Bundesligarekord.

"Ungeheuerliche" Strafstöße

Besonders heftig hat es die ohnehin schon gebeutelten Schalker erwischt. Bereits sechs Elfmeter wurden in der laufenden Spielzeit gegen die Königsblauen gepfiffen, am vergangenen Spieltag im Kellerduell beim FSV Mainz 05 gleich zwei. Vor allem die Art und Weise, wie unterschiedlich der Videobeweis in beiden Szenen eingriff (oder auch nicht eingriff) ließ die Schalker schäumen.

"Ganz ehrlich: Es reicht jetzt irgendwann mal, wir sind immer anständig, wir sind immer fair und geben dem Schiedsrichter hinterher immer die Hand. Ich weiß nicht, was da in Köln los ist", echauffierte sich Sportvorstand Jochen Schneider danach. Trainer Manuel Baum empfand den zweiten Mainzer Strafstoß gar als "ungeheuerlich". Ohnehin trägt der "VAR" seinen Teil zur Inflation der Strafstöße bei. Vermeintlich leichte Fouls, die nicht gepfiffen wurden, werden (zu?) oft überprüft, andere strittige Szenen wiederum nicht.

Beim Spiel zwischen RB Leipzig und dem SC Freiburg (3:0) etwa war SC-Trainer Christian Streich sauer über die Elfmeter-Entscheidung vor dem 2:0 durch Marcel Sabitzer, die der Videoassistent nicht überprüfte. "Heutzutage heißt es 'Kontakt'. Es gab einen Kontakt. Ich habe immer gedacht, es muss ein Foul geben", sagte Streich und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Hummels.

Auch in England mehr Elfmeter

Hinzu kommt das ewige Thema Handspiel. Seit vergangener Saison gilt jede "unnatürliche Vergrößerung" der Körperfläche als strafbar, die Definition darüber, was genau "unnatürlich" ist, obliegt im Spiel dem Schiedsrichter. Eine Vergleichbarkeit war zuletzt nicht mehr gegeben, auch hier meldete sich der Videoassistent immer wieder. Der Versuch der Regelhüter, durch die Änderung die Handspielregel einfacher zu machen, ging eher nach hinten los. Als prominentester Vertreter hatte sich daher zuletzt Uefa-Präsident Aleksander Ceferin für eine erneute Änderung der Handspielregel ausgesprochen.

Die Bundesliga steht mit der aktuellen Situation übrigens nicht allein da. Selbst in der englischen Premier League, die von mehreren Seiten stets für ihre großzügigere Gangart gelobt wird, haben die Elfmeterentscheidungen in der laufenden Saison rapide zugenommen. In 78 Partien gab es bereits 43 Strafstöße. Der Schnitt von 0,53 würde, sofern er auch am Saisonende Bestand hat, den alten Bestwert aus der Saison 2006/07 pulverisieren.

Der spanische Fußballmeister Real Madrid ging derweil jüngst in einem wahren Elfmeter-Festival mit 1:4 unter. Beim FC Valencia unterlagen die Königlichen am achten Spieltag der La Liga nach einer frühen Führung, weil sie im Anschluss gleich drei (!) Strafstöße kassierten (35., 54., 63.). "Dafür gibt es keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung. Es war ein schlechtes Spiel und ein schlechter Tag", fauchte Trainer Zinedine Zidane.

Quelle: ntv.de, dbe/sid