Tränen beim Bundesliga-Debüt?Sohn eines deutschen Olympia-Helden treibt sein Fußball-Märchen voran

Es ist nicht allzu lange her, da hat Younes Ebnoutalib überlegt, den Profifußball sein zu lassen. Nach einem missglückten Italien-Abenteuer findet er jedoch über die Regionalliga zurück zu alter Stärke, spielt jetzt für Eintracht Frankfurt. Dort fiebert er einem emotionalen Debüt entgegen.
Younes Ebnoutalib ist auch nach seinen ersten Trainingseinheiten in Frankfurt "einfach nur stolz und dankbar", dass er künftig für die Eintracht aufläuft. "Es ist mir eine Ehre, hier zu sein, für die eigene Stadt zu spielen. Ich versuche, alles reinzuhauen", sagte der von der SV Elversberg gekommene Zweitliga-Torjäger bei seiner ersten Pressekonferenz beim hessischen Bundesligisten. Bei der Frage, ob er Chancen auf einen Startelf-Einsatz am Freitag gegen Borussia Dortmund sehe, wich Ebnoutalib aus, prophezeite aber für sein erstes Spiel im Adler-Trikot: "Ich glaube, da werden schon die Tränen fließen".
In der Hinrunde dieser Saison gelang ihm in Elversberg mit zwölf Toren in 17 Spielen der Durchbruch. In Frankfurt soll er vor allem kurzfristig Nationalspieler Jonathan Burkardt (Muskelverletzung in der Wade) ersetzen. Sollte sein Aufstieg anhalten, könnte der aktuell erfolgreichste deutsche Torjäger der 1. und 2. Liga sogar ein Kandidat für die WM im Sommer werden.
Die Eintracht hatte den in Frankfurt geborenen und aufgewachsenen 22-Jährigen mit einem Vertrag bis 2031 ausgestattet. Zuletzt wurde über eine Ablösesumme von rund acht Millionen Euro plus Bonuszahlungen spekuliert. Für ihn wurde damit ein "Kindheitstraum" wahr, wie Ebnoutalib schon mehrfach betont hatte. Er habe schon bei der Vertragsunterschrift vergangene Woche die Tränen zurückhalten müssen.
"Man merkt schon, dass es ein Sprung ist: im athletischen Bereich, die Spieler sind aggressiver, körperlich stärker", sagte Ebnoutalib über seine ersten Eindrücke auf dem Platz. "Ich versuche, mich anzupassen, einfach nur Gas zu geben. Die Erwartungen hier sind sehr, sehr hoch. Jeder der herkommt, weiß das auch." Druck gehöre zum Leistungssport, damit müsse man umgehen können. Ob er schon erstligareif sei? "Man kann nie genug lernen, aber ich fühle mich schon bereit."
Ebnoutalib wohnt wieder bei seiner Familie
Neben dem Fußball machte der Stürmer zehn Jahre lang Taekwondo, sein Vater Faissal Ebnoutalib gewann in diesem Sport bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney Silber für Deutschland. Sein Vater sei "unglaublich stolz" aufgrund des Wechsels zum Champions-League-Teilnehmer Frankfurt, erklärte Ebnoutalib: "Er hat sich richtig gefreut, die ganze Familie und meine Freunde auch."
Schließlich spielte der Deutsch-Marokkaner vor gut einem Jahr noch in der Regionalliga für den FC Gießen. Davor war er nach einer schwierigen Zeit beim AC Perugia ein halbes Jahr arbeitslos. An sein erstes Training in Italien erinnerte sich Ebnoutalib noch genau. "Da kam jemand auf mich zu und hat mich angeschrien, was ich hier mache. Ich hab's erstmals gar nicht verstanden, dann hat er mich reingeschickt. Ich war 18 Jahre alt, wusste nicht, was abgeht", erzählte er.
Er habe in der Kabine mit seinem damaligen Berater telefoniert. "Das war schon eine sehr, sehr komische Situation, da wollte ich direkt das Ganze abbrechen, habe dann trotzdem weiter gemacht."
Der Angreifer wohnt jetzt in Frankfurt erst mal wieder bei seiner Familie: "Wir wollen zusammen umziehen noch, das ist in Planung."