Die Fans von PAOK Saloniki sind schon seit vielen Jahren berühmt und berüchtigt. Einerseits überzeugen sie durch ihre unglaubliche Treue und ihre große Leidenschaft zu und für ihren Verein, andererseits kennt ihre überbordende Liebe leider auch keine Grenzen. Und so ist es in Griechenland durchaus an der Tagesordnung, dass die Anhänger der Klubs immer wieder massiv und tatkräftig in die Vereinspolitik eingreifen.
Das muss aktuell auch Borussia Dortmund erfahren, das sich intensiv um die Dienste des Spielers Giannis Konstantelias von PAOK Saloniki bemüht. Doch wie schon im vergangenen Sommer, als die Fans einen Wechsel des griechischen Nationalspielers zum VfB Stuttgart verhinderten, ziehen die Ultras des Klubs momentan wieder einmal alle Register. Ein in Griechenland dabei gebräuchliches Mittel ist auch die Besetzung der Geschäftsstelle, wie Ewald Lienen ebenfalls schon bei seinem Engagement bei AEK Athen leidvoll erfahren musste. Nun sollen die Ultras von PAOK Saloniki ihren Klubbesitzer Ivan Savvidis durch die Stürmung der Büroräume unter Druck setzen. Man muss schauen, wie dieses Mal die Sache ausgehen wird.
Einer, der dies alles schon in den 1980er-Jahren hautnah erlebte, war der deutsche Trainer Heinz Höher. Ronald Reng hat seine Erfahrungen in seinem preisgekrönten Werk "Spieltage" einst wunderbar festgehalten. Heinz Höher, der unter anderem beim VfL Bochum agierte und lange Jahre mit dem Klub die Klasse in der ersten Liga hielt, zog es 1981 nach Griechenland. Nach einem kurzen Intermezzo bei Ethnikos Piräus zog es ihn anschließend zu PAOK. Und im Grunde lief es gut in Saloniki. Man schätzte Höhers Arbeit. Doch dann kam der Tag, an dem auch der gebürtige Leverkusener die hässliche Seite der Fans kennenlernen sollte.
PAOK hatte zu Hause nur Unentschieden gespielt und war auf den vierten Tabellenplatz abgerutscht. Heinz Höher dachte dennoch, dass eigentlich alles in Ordnung sei. Doch als er nach der Pressekonferenz in die Kabine zu seinen Spielern zurückkehrte, saßen diese noch immer frisch geduscht auf ihren Plätzen. Niemand hatte den Raum verlassen - denn draußen tobten sich Hunderte Anhänger des Klubs mit Fahnenstangen als Schlagstöcken aus und warteten auf den Trainer und seine Akteure.
Höher sticht den Hünen aus
Nach diesem Tag saß bei jedem Training ein "Hüne" auf der Tribüne, der zuvor Heinz Höher auf Griechisch klargemacht hatte, was er von ihm hielt. Höher sprach kein Griechisch, hatte aber dennoch verstanden, was der aggressive Mann von ihm wollte. Als PAOK kurz darauf im Sauerland ein Trainingslager abhielt, fuhr Höher zu seiner alten Wirkungsstätte nach Bochum - und lieh sich bei einem seiner früheren Spieler eine Pistole. Eine 7,65 Millimeter Beretta. Noch auf einem Rückweg ins Sauerland hielt er am Ortsschild von Bochum an, stieg aus dem Auto aus und durchlöcherte das Schild mit fünf Kugeln. Zufrieden stellte Höher fest, dass die Waffe funktionierte.
Zum Autor
- Ben Redelings ist ein Bestseller-Autor und Komödiant aus dem Ruhrgebiet.
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Nach der Rückkehr nach Griechenland saß der "Hüne" wieder auf seinem Platz. Und auch als das Training beendet war, blieb er sitzen. Das war der Moment, auf den der deutsche Coach gewartet hatte, wie Ronald Reng in seinem wunderbaren Buch schreibt: "Heinz Höher blickte demonstrativ zum Hünen hinauf, holte die Beretta aus der Tasche und zielte. Unter der Tribüne hing eine Werbebande für Margarine aus Sonnenblumenöl. Heinz Höher hielt auf die aufgedruckte Sonnenblume, zweimal, dreimal, viermal. Es schepperte, als die Kugeln die Metallbande durchbrachen, der Leichtathletiktrainer und seine Schüler rannten davon. Der Hüne bewegte sich nicht. Aber Heinz Höher meinte, dass er verstanden hatte."
Auch andere Spieler und Trainer, wie die beiden Schweizer, Torhüter René Deck und Trainer Rolf Fringer, haben mit den Anhängern von PAOK so ihre Erfahrungen gemacht, wie beide einst erzählten: "Wenn wir gut spielten, waren wir die Könige der Stadt und bekamen in den Restaurants alles geschenkt. Verloren wir, mussten wir uns tagelang in der Wohnung verstecken". Man wird abwarten müssen, ob sich auch dieses Mal die Fans von PAOK Saloniki wieder gegen ihren Klubbesitzer durchsetzen werden können. Heinz Höher ließen sie damals trotz des Erreichens des Pokalfinals gehen. Sogar zum Rivalen Olympiakos Piräus. Doch da wurde er dann schnell wieder entlassen. Die Fans hatten rebelliert. Klar.


