"Erbärmlich, arrogant"

Handball-Held Wolff fällt über Schiedsrichter her

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Andreas Wolff durchlebte ein spektakuläres Nordderby. (Foto: IMAGO/Eibner)
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29.09.2026 | 11:02 Uhr
Es sind aufwühlende 60 Minuten, in denen sich der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt im Nordderby der Handball-Bundesliga sportlich bekämpfen. Doch erst nach der Schlusssirene wird aus einem packenden Duell ein denkwürdiges. Nationaltorwart Andreas Wolff ist mächtig geladen.

Das Nordderby in der Bundesliga ist eines der packendsten, emotional aufgeladensten Duelle der Handball-Welt: Wenn die SG Flensburg-Handewitt auf den THW Kiel trifft, kracht es ordentlich. Wo es früher auf der Platte regelmäßig zu Szenen kurz vor nackter Gewalt kam, geht es inzwischen befriedeter zu - auch wenn die Brisanz bei direkten Duellen beider Nordrivalen deutlich höher ist als bei normalen Bundesligaspielen. Irgendwas ist immer, zumal wenn das Derby endlich wieder ein echtes Spitzenspiel ist.

Und so wurde auch das 117. Aufeinandertreffen zu einem denkwürdigen Spiel. In Erinnerung wird das 31:31 in der Kieler Ostseehalle wegen des packenden Kampfes über 60 Minuten bleiben - und wegen dem, was nach Abpfiff passierte. Da keilte Deutschlands Handball-Nationalheld Andreas Wolff mächtig gegen die Schiedsrichter aus.

"Erbärmlich"

"Das war eine erbärmliche Schiedsrichterleistung", wütete der Nationaltorwart laut den "Kieler Nachrichten" und ergänzte: "Heute haben sie so weit zurückgespult, bis sie irgendetwas gegen uns pfeifen konnten, und wurden belohnt, dass sie dann auch noch etwas gefunden haben. Sie hätten auch ein Foul an Makuc sehen können. Wollten sie aber nicht. Wir haben viele gute Gespanne in Deutschland, dieses gehört nicht dazu."

Nach harten, teils demütigenden Jahren trafen sich Rekordmeister Kiel und Flensburg vor mehr als 10.000 Zuschauern nach langer Zeit endlich mal wieder zu einem echten Spitzenspiel. Erster gegen Zweiter, zwei Meisterschaftskandidaten - und am Ende wird vor allem über die Schiedsrichter gesprochen.

"Arrogante Attitüde"

Der Hintergrund von Wolffs Tirade: Julian Köppl und Denis Regner hatten den vermeintlichen Kieler Siegtreffer durch Julian Köster in letzter Sekunde nach ewiger Ansicht der Videobilder wegen eines Schrittfehlers von Kiels Regisseur Domen Makuc unter dem Entsetzen der Heimfans wieder einkassiert. Eine richtige Entscheidung, wenngleich denkbar bitter für den Rekordmeister.

Doch Wolff ging in seiner Analyse der Schiedsrichterleistung weit über sachliche Kritik hinaus: "Neben ihrem offenkundigen Mangel an Qualität, insbesondere für so ein Spitzenspiel, ist es vor allem ihre arrogante, blasierte Art, die einen als Spieler zur Weißglut treibt", wurde der Weltklasse-Torwart persönlich. Das Schiedsrichter-Duo würde sich "hinter einer arroganten Attitüde verstecken. Das ist nicht das, was den Handballsport ausmacht". 

Kiels Trainer Börge Lund hatte zuvor ebenfalls wenig Verständnis für die Entscheidung der Schiedsrichter gezeigt: "Wenn man es so handhabt, dass man beim Ansehen immer weiter zurückgeht in den Aktionen, dann muss man auch die kompletten letzten 30 Sekunden betrachten: Erst wird geschaut, ob Julian im Kreis steht. Tut er nicht. Dann wird immer weiter zurückgeschaut, bis man dann was gefunden hat. Da fragt man sich schon, wo man da die Grenze setzt", sagte der Norweger, dessen Team zu Beginn der zweiten Hälfte noch mit fünf Toren in Front gelegen hatte, dann aber in den letzten zehn Minuten nur noch ein (anerkanntes) Tor erzielte.

Beim glücklichen Gegner ist das Verständnis für den Ärger des Rivalen groß: Zwar sei der technische Fehler deutlich zu sehen gewesen, sagte Flensburgs Rückraum-Star Simon Pytlick. "Aber man kann im Spiel sehr oft Schritte finden", sagte der dänische Welt- und Europameister und ergänzte: "Sportlich weiß ich nicht, ob es die richtige Entscheidung war, weil so etwas sehr oft im Spiel passiert." Der deutsche Nationalspieler Marko Grgic ergänzte: "Wenn man immer so genau mit dem Videobeweis ist, haben wir vielleicht ein 9:9 als Endergebnis."

"Erwarten sachliche Analyse"

Der Deutsche Handball-Bund hatte in einer ersten Stellungnahme vergleichsweise scharf auf die Diskussionen nach dem emotionalen Finale eines packenden Derbys reagiert: "Wir wissen um die Emotionalität eines Nordderbys, wir erwarten aber auch hier eine stets sachliche Analyse und vor allem respektvollen Umgang miteinander. Zudem setzen wir voraus, dass alle am Spielbetrieb Beteiligten das Regelwerk detailliert kennen", teilte der Verband mit - und dürfte damit auch Nationaltorwart Wolff gemeint haben. Der ist seit vielen Jahren nicht nur absolute Weltklasse, sondern längst auch dafür bekannt, sich zwar emotional aber eben auch reflektiert und mit großer sportlicher Fairness zu äußern.

Der kaum subtile Hinweis auf Wolff in der DHB-Mitteilung brachte denn auch wiederum Bob Hanning auf die Palme: "Das ist mit Sicherheit ein Angriff auf Andi Wolff und vielleicht einige andere Spieler. Aber dass wir heute dastehen mit unserer Sportart, das haben wir genau diesen Sportlern, die sich geäußert haben, zu verdanken", so der ehemalige DHB-Vorstand Leistungssport in seiner "Kicker"-Kolumne.

Es war ein denkwürdiges Derby, das nicht mit dem Schlusspfiff endete. Die Handball-Bundesliga hat Wolffs scharfe Äußerungen jedenfalls zur Kenntnis genommen. Ob der Torwart, einer der erfolgreichsten und populärsten deutschen Handballprofis aller Zeiten, für seine Attacke auf das Schiedsrichter-Duo noch persönliche Konsequenzen fürchten muss, ist noch nicht bekannt.

Verwendete Quellen: ntv.de, ter