Die NFL-Saison beginnt für Amon-Ra St. Brown immer mit derselben Gewohnheit. Der Wide Receiver der Detroit Lions schreibt seine persönlichen Ziele in sein Notebook - reden möchte er darüber nicht. "Ich will es nicht verschreien", sagt er. Es braucht jedoch nicht allzu viel Fantasie, um zu erahnen, was sich sein Team auf die Fahnen geschrieben hat: Alles oder nichts, Super Bowl or bust!
"Ich hoffe", sagt St. Brown auf die Frage, wann es denn endlich soweit sei, "diese Saison." Als eine von nur vier Franchises der Liga neben den Cleveland Browns, den Jacksonville Jaguars und den Houston Texans haben die Lions noch nie das Endspiel erreicht. Warum sollte diese bittere Serie enden? "Wir haben eine gute Chance", sagt St. Brown: "Wir sind eine gute Mannschaft, wir haben gute Coaches."
St. Brown hat den "Swag"
Vor allem haben sie: ihn. Vor seiner sechsten Saison in der NFL ist der 26-Jährige längst einer der Superstars der NFL. Bei der Wahl der besten 100 Spieler kam er in diesem Sommer auf Platz 22, nur vier Passempfänger wurden höher eingestuft. Mit 1401 Yards Raumgewinn erzielte er in der vergangenen Saison den zweithöchsten Wert seiner Karriere, mit elf Touchdowns blieb er nur einen unter seiner Bestmarke aus dem Vorjahr. St. Brown wurde zum vierten Mal in Folge in den Pro Bowl gewählt.
Doch der Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners strahlt längst über den Platz hinaus. Sein ikonischer Kopfstandjubel aus einem Spiel gegen den Divisionsrivalen Green Bay wurde zum popkulturellen Phänomen. St. Brown versteht sich auch als Entertainer, färbt sich die Haare, hat den "Swag" - eine coole, lässige Ausstrahlung.
Das macht ihn sehr attraktiv für Sponsoren. Er wirbt für Schuhe, Klamotten, Lebensmittel, Autos, Sportartikel, Videospiele, Getränke, Haarpflege, Brillen. Der auf dem Kopf stehende St. Brown ziert in den USA die Packungen von Frühstücksflocken (Geschmacksrichtung Honig-Mandel) - ein Ritterschlag.
Gigantischer Vertrag
St. Browns Popularität und spielerische Klasse ließen ihn 2024 kurzzeitig zum bestbezahlten Passempfänger der Liga aufsteigen. Mit durchschnittlich 30 Millionen Dollar Jahresgehalt ist er immer noch der am zweitbesten verdienende deutsche Sportler nach Basketball-Weltmeister Franz Wagner (44,8 Millionen). Mehr Superstar geht nicht!
Was fehlt, ist der Ring für den Super-Bowl-Sieg. Schon in der vergangenen Saison waren die Lions hoch gewettet worden, verpassten aber trotz einer 9:8-Bilanz die Playoffs - obwohl sie neben St. Brown in Jahmyr Gibbs einen der besten Runningbacks und mit Jared Goff einen soliden Quarterback haben. Nicht wenige Experten sehen die Lions deshalb in dieser Spielzeit als Sieganwärter - doch der Weg in den Super Bowl ist weit und führt in der NFC über den Topfavoriten Los Angeles Rams und Titelverteidiger Seattle.
Ein besonderer Kick für St. Brown: Am 15. November gastiert er mit Detroit beim "International Game" gegen die New England Patriots in München. Seine Mama Miriam habe "60 Tickets" bei ihm geordert, sagt er und lacht. Seine Mission: Seinen Sport in Deutschland "größer zu machen". Wie könnte das besser gelingen als mit dem Super-Bowl-Sieg?

