Olympia

Double, Silber und ein Patzer Friedrich der Goldene rast zur Bob-Ekstase

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Unschlagbar im olympischen Bobkanal: Francesco Friedrich und seines Crews im Zweier und Vierer.

(Foto: dpa)

In Sotschi erleben die deutschen Bobs ein Olympia-Fiasko, in Pyeongchang räumen sie goldig ab. Star beim Schwarz-Rot-Gold-Triple ist Francesco Friedrich, der im Zweier und Vierer triumphiert. Auf dem Weg zum Double ist er so schnell, dass es ihn kurz aushebt.

Nach seinem grandiosen Gold-Double wurde Francesco Friedrich von seinen Gefühlen übermannt. "Wir haben vier Jahre drauf hingearbeitet, gerade auch die Jungs, die mir immer den Rücken freihalten, das ist das Beste was passieren konnte", sagte der Doppel-Olympiasieger im Bob. Nach seinem Triumph im Viererbob dachte der Sachse mit tränenerstickter Stimme auch an seine Liebsten daheim: "Meine Familie, meine Frau, die meinen kleinen Sohn Karl hüten musste - das ist für alle die größte Belohnung."

Cooler war er im schwierigen Eiskanal des Olympic Sliding Centres mit seiner Crew Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis unterwegs. Nach vier Läufen hatte der 27-jährige Pilot aus Oberbärenburg unglaubliche 0,53 Sekunden Vorsprung vor Vereinskollege Nico Walther und den zeitgleichen südkoreanischen Fahnenträger Won Yunjong herausgefahren. "Wahnsinn, dass Franz so krass und konstant fahren kann", sagte Anschieber Grothkopp. Thorsten Margis, mit Friedrich auch schon im Zweierbob Olympiasieger, verriet: "In der Überfahrt zur Kurve zwölf waren wir schon am Jubeln, weil es voll geil war, in der 13 und 14 hat es uns kurz ausgehoben, da dachte ich, was macht er denn? Aber das Ding war durch."

"Wahnsinn"

Die letzten Meter im Zielauslauf fuhr Margis schon stehend im Bob mit weit ausgestreckten Armen und schrie seine Freude heraus. Auch der so ehrgeizige Heimtrainer Gerd Leopold war angetan von seinem Jahrhunderttalent: "Ich habe ihn so stark erwartet. Dass es natürlich so aufgeht, ist Wahnsinn", sagte der Coach. Friedrichs Teamkollege Walther ließ sich von der euphorischen Stimmung an der Bahn noch zu Silber treiben. "Die Lautstärke war unglaublich, so wie im Fußballstadion vor der Fankurve", sagte Walther über den Rummel um seinen südkoreanischen Rivalen. Im letzten Durchgang schaffte Walther mit seiner Crew Kevin Kuske, Alexander Rödiger und Eric Franke mit 4,88 Sekunden seine beste Startzeit. Mit Silber und nun sechs Medaillen bei fünf Winterspielen wurde der viermalige Olympiasieger Kuske (39) zum erfolgreichsten Bobsportler der Welt.

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"Ich freue mich wahnsinnig nach dem harten Ritt für's Team. Für mich bleibt André Lange der beste Bobfahrer der Welt", sagte Kuske trotz der Gala von Doppelsieger Friedrich. Letztmals hatten 1984 in Sarajevo Wolfgang Hoppe und Bernhard Lehmann für die damalige DDR einen Doppel-Erfolg im Viererbob geschafft. Friedrich ist erst der siebte Bobpilot, der in der 94-jährigen Bob-Historie das goldene Double perfekt machte. In Andreas Ostler (1952), Meinhard Nehmer (1976), Wolfgang Hoppe (1984) und Andre Lange (2006) schafften das bislang nur vier Deutsche.

"In der Gilde der Großen"

"Willkommen im Club, damit ist Franz in der Gilde der Großen angekommen", sagte der viermalige Olympiasieger Lange der Deutschen Presse-Agentur. Mit dem goldenen Abschluss in der Königsklasse und Silber durch Walther haben die Bobpiloten um Cheftrainer René Spies die Schmach von Sotschi mehr als vergessen lassen. "Dass wir mit einem Doppelsieg hier rausgehen, das ist für alle einfach fantastisch", sagte Spies, der bei seinem olympischen Cheftrainer-Debüt alle Olympiasiege holte: "Hätte ich vor zwei Jahren beim Neuanfang mit den Frauen gesagt, wir fahren nach Pyeongchang und unser Ziel sind drei Goldmedaillen, dann hätten sie mich innerhalb einer Woche entlassen und mich für verrückt erklärt. Aber so ist das manchmal im Sport."

An Peking 2022 wollte der Goldschmied aus Winterberg noch nicht denken. "Im Moment bin ich so leer, was die Zukunft angeht, weil wir jetzt gerade einen großen Erfolg erzielt haben, aber mir ist klar, wir müssen ganz, ganz hart arbeiten, um das in vier Jahren zu wiederholen", sagte der 44-Jährige, der im April 2016 die Nachfolge des in Sotschi gescheiterten Christoph Langen angetreten hatte.

Bitter war das Rennen für Weltmeister und Weltcupgesamtsieger Johannes Lochner, der mit vier Weltcupsiegen nach Pyeongchang reiste. Mit dem baugleichen Wallner-Schlitten wie Friedrich wurde er nur Achter. "Wir werden den Schlitten komplett auseinanderlegen, mal sehen, vielleicht finden wir den Fehler", sagte er.

Quelle: n-tv.de, Frank Kastner, dpa

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