Alexander Zverev krönt sich jüngst in New York zum zweiten Mal binnen drei Monaten zum Grand-Slam-Champion. Der Deutsche gewinnt nach den French Open auch die US Open - und schlägt auf dem Weg zum Triumph nacheinander die Nummern 89, 52, 28, 22, 70, 50 und 9 der Weltrangliste. Manchem Experten scheint das zu wenig zu sein, um Zverev als würdigen Sieger zu sehen. Und das macht Boris Becker mächtig sauer.
"Er kann immer nur den Gegner schlagen, gegen den er auf dem Platz antreten muss", sagte der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger im gemeinsamen Podcast mit Andrea Petkovic. Becker regte sich über Kritiker auf, die sagen, dass Zverev nur gewonnen habe, weil der Weltranglistenerste Jannik Sinner gefehlt habe, der Spanier Carlos Alcaraz gerade erst von einer langen Verletzung zurückgekommen sei und mehrere Mitfavoriten früh ausgeschieden seien.

Zverev krönt sich zum US-Open-Champion - und merkt's nicht
"Unglaublich respektlos"
"Ich finde es eigentlich eine bodenlose Frechheit und eine unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber seiner Leistung", schimpfte Becker, der 1996 bis zu Zverevs Sieg als einziger Deutscher die US Open gewinnen konnte. Im Finale hatte Zverev dem Weltranglisten-Neunten Ben Shelton beim 6:3, 7:6, 5:7, 6:2 mit einer bärenstarken Leistung kaum eine Chance gelassen.
Becker dürfte bei seiner Kritik auch den ehemaligen Rivalen John McEnroe im Kopf gehabt haben. Der hatte als Experte des Senders ESPN während der Siegerehrung gebarmt: "Carlos und Jannik, werdet bitte schnell wieder gesund." Die Aussage des viermaligen US-Open-Champions wurde weithin als Hinweis interpretiert, dass er Zverev nicht als würdigen Champion sieht.

Kuriose Matchball-Szene: Zverev erklärt seine Verwirrung
"Kann nichts dafür"
Becker lässt das nicht gelten. Zverev könne "nichts dafür, wenn Sinner sich vorher verletzt. Er kann nichts dafür, dass Alcaraz vier Monate lang verletzt war und im Viertelfinale gegen Shelton verliert. Er kann nichts dafür, wenn seine Gesetzten in seiner Hälfte alle früher verlieren."
Dem Deutschen, der durch seinen US-Open-Erfolg den Abstand auf Sinner in der Weltrangliste auf 1810 Punkte verkürzte, müsse man "auch mal den Respekt zollen, den er verdient." Zverev stand in der laufenden Saison in drei Grand-Slam-Endspielen - und gewann zwei davon.
Nach seinem grandiosen Triumph in New York war Zverev selbst bemerkenswert eindeutig in seiner Einschätzung, wer der beste Tennisspieler der Welt ist: "Wenn alle gesund sind, ist Jannik immer noch vorne. So einfach ist das." Im letzten direkten Duell hatte Sinner Zverev im Endspiel von Wimbledon in vier Sätzen niedergerungen.


