Abgekämpft, aber zufrieden schleppte sich Alexander Zverev nach seinem fast fünfstündigen Ritt auf der Rasierklinge durch die Katakomben des gewaltigen Arthur Ashe Stadiums. Eigentlich wollte der Hamburger nach seinem Erstrundensieg bei den US Open nur noch ins Bett - doch er nahm sich noch kurz Zeit für eine Analyse. "Das", sagte Zverev also weit nach 2 Uhr Ortszeit in New York, "war ein Match, das ich gebraucht habe".
Von Ärger darüber, dass es gar so intensiv geworden war in dieser wilden Night Session von Flushing Meadows? Keine Spur. Dabei steht schon am Donnerstag gegen den Franzosen Quentin Halys das nächste Match an. Das 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:5, 6:4 gegen den schier unkaputtbaren Lorenzo Sonego, der zwischenzeitlich nur zwei Punkte vom Matchgewinn entfernt gewesen war, soll Zverev abhärten - auf seinem Weg zum erhofften zweiten Grand-Slam-Titel.

Nach Zittersieg: Das sind die Schwachstellen bei Zverev
"Ich hoffe, dass ich jetzt weiter mein Level steigern kann nach diesem Spiel", sagte der Hamburger, der das erste Erstrunden-Aus in New York seit 2015 gerade so abgewendet hatte und seinem tapferen Kontrahenten schließlich am Netz um den Hals gefallen war. Zverev ergänzte: "Es ist auf jeden Fall Luft nach oben. Ich habe mehr Rückhände verschlagen als sonst."
Zverev schießt mehrere Böcke
Dass Zverev seinen Beinahe-K.o. so entspannt hinnahm, hatte auch damit zu tun, dass er eine Erklärung liefern konnte. "Ich habe ein sehr gutes, aber intensives Jahr gehabt. Nach Wimbledon habe ich mich vielleicht ein bisschen zu sehr entspannt und es ist schwer, dann wieder reinzukommen", sagte der French-Open-Sieger und Finalist vom Rasenklassiker in London. "Deshalb war es extrem wichtig, so ein Match zu gewinnen."
Im Vorfeld des Turniers hatte Zverev in Montréal und Cincinnati jeweils frühe Pleiten kassiert. Bei den US Open aber will er Match für Match in Schwung kommen. Gegen Sonego, der eines der besten Spiele seiner Karriere auf den Court zauberte, waren noch gleich mehrere Dinge teils unrund gelaufen. Zverev erlaubte sich schwerwiegende Doppelfehler, ließ bei manchen seiner zahlreichen Breakbälle die nötige Konsequenz vermissen und hatte auch Probleme mit seiner sonst so sicheren Rückhand.
Gegen Halys soll das besser laufen. Der Franzose ist für Zverev ein alter Bekannter, den heute Weltranglisten-52. hatte er unter anderem bei seinem Titel-Lauf bei den French Open in Paris bezwungen. Damals brauchte Zverev dazu vier Sätze. Am Donnerstag würde er sicher lieber in drei Sätzen durchkommen. Die Nachtschicht gegen Sonego war - trotz aller positiver Schlüsse - schon anstrengend genug.
