Wirtschaft

"Es herrscht die Zuversicht" Abflauende Zinssorgen treiben Wall Street an

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Anleger an der Wall Street fürchten war einen weiteren XXL-Zinsschritt der US-Notenbank, geben sich aber optimistischer.

(Foto: AP)

Die US-Inflation sinkt stärker als von Experten erwartet. An der Wall Street versuchen Anleger, die Gunst der Stunde zu nutzen. Für die Leitindizes geht es entsprechend nach oben.

Mit großer Erleichterung haben US-Anleger auf die nachlassende Teuerungsrate reagiert. Der Leitindex Dow Jones Industrial stieg um 1,63 Prozent auf 33.309,51 Punkte. Der marktbreite S&P 500 gewann 2,13 Prozent auf 4210,24 Zähler. Einen noch stärkeren Zuwachs von 2,85 Prozent auf 13.378,32 Punkte verbuchte der technologielastige und zinssensible Nasdaq 100.

Die Furcht der Anleger vor einem weiteren XXL-Zinsschritt der US-Notenbank flaute deutlich ab. Ungewöhnlich große Zinsschritte der Fed hatten zuletzt die Börsen belastet und die Furcht vor einer Rezession geschürt. Auch in Deutschland reagierten Anleger zuversichtlich und griffen bei Wertpapieren zu. "Die Inflation ist mit 8,5 Prozent immer noch sehr hoch, aber es herrscht die Zuversicht, dass der Juni vielleicht der Höhepunkt war", sagte der Vizepräsident für Handel und Derivate bei Charles Schwab, Randy Frederick.

Er warnte jedoch, vor der nächsten Fed-Sitzung stünde noch die Bekanntgabe der Entwicklung der Erzeugerpreise für Juli kommenden Donnerstag und die Inflations- und Beschäftigungsdaten für August an. Erst danach werde die Notenbank ihren Kurs festlegen. "Die Anzeichen für eine Verlangsamung der Inflationsrate geben Hoffnung, dass die Zinserhöhungen der Federal Reserve nicht so weit gehen müssen wie bisher angenommen", sagte Mike Owens, Händler bei Saxo Markets.

Die Wetten auf eine dritte Zinserhöhung der US-Notenbank um 0,75 Prozent im September ebbten deutlich ab. Anleger gingen nun verstärkt von einem moderateren Schritt von 0,5 Prozent aus. Die Teuerungsrate fiel im Juli auf 8,5 Prozent und damit stärker als von Experten im Vorfeld erwartet. Im Juni hatte die US-Inflation mit 9,1 Prozent den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren erreicht.

Tesla Motors (USD)
Tesla Motors (USD) 242,40

Die abgeschwächten Zinsaussichten setzten am Devisenmarkt zudem den Dollar unter Druck. Der Dollar-Index rutschte gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen um 1,1 Prozent auf einen Wert von 105,10 ab. Der Euro legte um 0,9 Prozent auf 1,0301 Dollar zu. Ökonomen warnten allerdings davor, dass das Inflationsgespenst noch nicht gebannt sei. Zwar könne man nach den heutigen Daten etwas aufatmen, konstatierten die Experten der Commerzbank. "Das Inflationsproblem dürfte sich aber als sehr hartnäckig erweisen."

Bei den Einzelwerten stand Tesla im Rampenlicht, nachdem Konzernchef Elon Musk für fast sieben Milliarden Dollar Aktien des Elektroautobauers verkauft hat. Musk zufolge dient das Geld zur Übernahme von Twitter, falls er den Rechtsstreit verlieren sollte, mit dem der Kurznachrichtendienst doch noch die 44 Milliarden Dollar schwere Übernahme erzwingen will. Die Vorbereitung einer "Kriegskasse" für die Twitter-Übernahme schütze davor, dass später ein Blitzverkauf notwendig werde, sagte Matt Britzman, Analyst bei Hargreaves Lansdown. Tesla-Aktien legten bis 3,9 Prozent zu; die Papiere von Twitter zogen in der Spitze 3,6 Prozent an.

Metro
Metro 1,22

Für die Metro-Aktie ging es im nachbörslichen Handel am Mittwoch nach oben. Der Konzern hat im dritten Geschäftsquartal operativ mehr verdient und den Umsatz gesteigert, ist aber unter dem Strich in die roten Zahlen gerutscht. Gründe waren unter anderem eine Belastung im Nettofinanzergebnis aufgrund von volatilen Wechselkursen im Rubel während des Russland-Ukraine-Kriegs, wie der Düsseldorfer Großhandelskonzern bereits im Juli angekündigt hatte. Hinzu kamen laut Mitteilung Effekte aus dem Verkauf des belgischen Geschäfts. Diese beliefen sich insgesamt auf mehr als 400 Millionen Euro. Ohne diese hätte die Metro AG einen Nettogewinn verbucht. Für die seit Anfang Juli aktualisierte Prognose für das Gesamtjahr 2021/22 sieht sich Metro auf Kurs. Die Aktie wurde bei Lang & Schwarz 1,5 Prozent höher getaxt.

Dagegen ging es für die Westwing-Aktie um 3,5 Prozent nach unten. Der Online-Möbelhändler kassiert wegen des sich eintrübenden Umfelds seine Jahresprognose. Im dritten Quartal sei bisher bereits das Bruttowarenvolumen (GMV) um ein Zehntel gegenüber dem Vorjahr gesunken, teilte das Unternehmen mit. Die Umsätze dürften im zweiten Halbjahr 2022 voraussichtlich unter denen des Vorjahres liegen.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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