Wirtschaft

"Zieht Wall Street vor" Betriebsratschefin wütet gegen VW-Vorstand Diess

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Betriebsrätin Daniela Cavallo fühlt sich provoziert: "Herr Dr. Diess hat weiterhin keinerlei Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit."

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Zeiten der lauten Grabenkämpfe in Wolfsburg seien vorbei, heißt es, als Daniela Cavallo Betriebsratschef Bernd Osterloh im Mai ablöst. Es kommt anders. Volkswagen-Chef Herbert Diess bringt Osterlohs Nachfolgerin in Rage. Diesmal entzündet sich der Konflikt an einer ausgeschlagenen Einladung.

Eiszeit in Wolfsburg: Bei Volkswagen ist unmittelbar vor einer Aufsichtsratssitzung neuer Streit zwischen Betriebsrat und Konzernchef Herbert Diess ausgebrochen. Die Arbeitnehmervertretung wirft Diess vor, sich nicht auf einer Betriebsversammlung den Fragen der Belegschaft des Wolfsburger Autowerks zu stellen, sondern lieber mit Investoren in den USA zu sprechen.

"Dieses Verhalten ist beispiellos in der Geschichte unseres Konzerns und zeigt einmal mehr, dass der Konzernvorstandsvorsitzende selbst in dieser Krise weder Empathie noch Gespür für die Situation der Belegschaft hat", erklärte Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Diess hat für Donnerstag zu einer Veranstaltung in Wolfsburg eingeladen, um die Belegschaft über die Transformation zu informieren.

Seine Abwesenheit während einer vom Betriebsrat am 4. November angesetzten Betriebsversammlung begründete ein Sprecher mit einer USA-Reise, wo Diess sich mit Investoren, Politikern und Mitarbeitern treffen wolle. Der Besuch sei schon länger angesetzt und könne nicht kurzfristig abgesagt werden.

"Kein Interesse an konstruktiver Zusammenarbeit"

Cavallo, die im Mai den langjährigen Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh abgelöst hatte, hielt Diess vor, sich den Antworten vor versammelter Belegschaft zu entziehen und stattdessen eine Dialogveranstaltung nach eigenem Drehbuch anzusetzen. "Herbert Diess zieht die Investoren an der Wall Street der eigenen Belegschaft vor", schrieb Cavallo in einem Statement vom Dienstagabend. Dieses Verhalten sei in der Geschichte des Konzerns beispiellos.

"Diese Provokation zeigt uns, dass Herr Diess weiterhin keinerlei Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit hat." Der Konzernchef solle seine persönliche Profilierung über die Medien beenden und "gefälligst" am 4. November die Fragen der durch Kurzarbeit als Folge der Chipkrise verunsicherten Belegschaft beantworten. An seiner Stelle solle Finanzchef Arno Antlitz in die USA reisen.

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Der Betriebsrat in Wolfsburg ist alarmiert, weil das VW-Hauptwerk nicht ausgelastet ist. 2021 könnte hier so wenig produziert werden wie zuletzt Ende der 50er-Jahre. Die Belegschaftsvertretung verlangt schon länger ein weiteres Elektromodell neben dem Projekt "Trinity", das ab 2026 kommen soll - später als zunächst geplant. Cavallo hatte dem Management um Konzernchef Diess im Zusammenhang mit der Chipkrise vor einer Woche Konzeptlosigkeit vorgeworfen, es wirke in der aktuellen Lage überfordert, sagte sie: "Wir können aus der Unternehmensleitung noch keinen Plan erkennen, wie diese Krise gemanagt werden kann."

Der Streit zwischen Konzernführung und Betriebsrat dürfte auch Thema im Aufsichtsrat werden. Das Kontrollgremium will heute über die Investitionen der nächsten Jahre beraten. Dabei dürfte es auch um die Auslastung des Wolfsburger Stammwerks gehen. Am 12. November sollen die Ausgaben für den kommenden Fünf-Jahreszeitraum beschlossen werden.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/dpa

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