Wirtschaft
Der Bitcoin-Kurs schwankt gewaltig. Aber die Technologie dahinter hat revolutionäres Potenzial.
Der Bitcoin-Kurs schwankt gewaltig. Aber die Technologie dahinter hat revolutionäres Potenzial.(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)
Dienstag, 20. Februar 2018

Das wahre Potenzial von Bitcoin: Blockchain wird Finanzsystem umkrempeln

Von Daniel Saurenz und Benjamin Feingold

Nach dem Crash im Januar ist es etwas ruhiger geworden um Bitcoin. Doch der Kurs ist nicht das Einzige, was zählt: Die Blockchain hinter den Kryptowährungen könnte die Schlüsseltechnologie der nächsten 20 Jahre werden.

Nicht nur die Achterbahnfahrt von Bitcoin, Ether & Co. beschäftigt viele Anleger, sondern auch die Technologie dahinter: die sogenannte Blockchain, eine Datenbank, in der Werte und Informationen dezentral über Tausende von Rechnern ausgetauscht werden können.

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Die Blockchain steht durch ihre zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten, ähnlich wie das Internet der 1990er-Jahre, vor einem Boom. Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance and Management, meint gar: "Blockchain ist die Schlüsseltechnologie der nächsten 20 Jahre. Sie wird wesentliche Teile des Finanzsystems ersetzen."

Unterschiedliche Aspekte sprechen für die Technologie. So hat die Pharmafirma Merck Prozesse und Datenbanktechnologien entwickelt, um gefälschte Medikamente zu identifizieren. Mit einer App kann das Medikament überprüft und diese Information an die Blockchain weitergegeben werden. Auch Daimler, Bosch, Deutsche Bahn und Commerzbank arbeiten an verschiedenen Blockchain-Pilotprojekten. "Die unternehmerischen Anwendungen sind sehr vielfältig", sagt Sandner.

Auch die Regulierung der Kryptowährungen hatte zuletzt großen Einfluss auf deren Kurse. Südkorea ist zuletzt weit vorgeprescht und hat bereits einige verboten, andere ausdrücklich erlaubt. Zudem dürfen sie nur natürliche Personen besitzen. Gegen ein komplettes Verbot, wie es derzeit diskutiert wird, spricht aber wohl der technische Fortschritt. Zudem könnten die Entwickler von Blockchain-Technologien leicht in Länder abwandern, wo es keine Beschränkungen gibt. Sandner erwartet daher, dass auch künftig "innovative Entwicklungen in Blockchain-Währungen entstehen".

Vermittler und Gebühren werden überflüssig

Wie schnell sich der Krypto-Markt verändert, zeigt Bitcoin selbst. Das Cybergeld ist zwar immer noch die größte Kryptowährung, aber inzwischen technisch überholt. So dauern etwa die Rechenvorgänge deutlich länger als bei innovativeren Digitalcoins. Zudem ist der Stromverbrauch beim "Schürfen" extrem hoch. Mit dem Kursrutsch haben die sogar die ersten Serverfarmen dichtgemacht.

Doch dem Potenzial von Blockchain tut das keinen Abbruch. Über die dezentrale Datenbank ist der direkte Austausch von Informationen und Werten ohne Mittelsmänner möglich. Viele Geschäfte können automatisiert werden. Kredite zum Beispiel können automatisch Zug um Zug ohne eine beteiligte Bank abgewickelt werden, ein Immobilienkauf ohne Makler oder Notar.

Der nächste Schritt in der Entwicklung wäre die Verknüpfung von Kryptos mit Papier-Währungen wie Dollar oder Euro. Hier sind ganz unterschiedliche Verbindungen möglich, aber da solche Anwendungen auch die Geldmenge beeinflussen, muss eine Regulierungsbehörde die Spielregeln festlegen. Bisher, so Sandner, gibt es auf diesem Gebiet vergleichsweise wenige Aktivitäten von Seiten der Regulierer.

Ein Bindeglied zwischen klassischen Währungen und Cybergeld existiert bereits: Ripple. Mit der Kryptowährung lassen sich Devisen rund um den Erdball in Echtzeit überweisen. Das können auch Zahlungen für Anleihen oder Aktien sein. Im Gegensatz zu Bitcoin entstehen neue Coins nicht durch einen stromfressenden Rechenprozess, sondern wurden bei der Schaffung der Währung einfach ausgegeben.

Ripple gibt bereits einen Vorgeschmack auf ein komplett neues Finanzsystem, sollte die Regulierung eines Tages geklärt sein. Durch den Transfer von Werten und Währungen in Echtzeit ohne Mittelsmänner ist Ripple bereits jetzt ein ganz eigener Finanz-Mikrokosmos. Wer braucht da künftig noch Börsen?

Quelle: n-tv.de