Wirtschaft

Unschöne Parallelen Börsen-Absturz erinnert an Dotcom-Crash

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Die Börsen verzeichnen heftige Verluste.

(Foto: REUTERS)

Ist der Hype vorbei? An den Börsen beziehen vor allem Technologie-Titel zum Teil heftige Prügel. Fest steht: Nächste Woche dürfte es spannend werden.

Das sieht böse aus. An den Börsen geht es steil bergab, angeführt von Technologie-Titeln. In Zahlen ausgedrückt: Der Tech-Leitindex Nasdaq 100 hat diese Woche 7,5 Prozent verloren und fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von knapp zwölf Prozent. Der Index ist auf dem Weg zur miesesten Monatsbilanz seit der Finanzkrise 2008.

Kein Wunder, dass unerfreuliche Erinnerungen hochkommen. Das liegt nicht etwa daran, dass der Nasdaq 100 die verlustreichste Woche seit März 2020 verzeichnete, als die Märkte wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie auf Talfahrt gegangen waren. Denn schon kurz danach ging es wieder steil bergauf. Beunruhigend ist eher, dass der Index jeden Handelstag mehr als 1 Prozent verlor. Laut Bloomberg ist das in den letzten Jahren nur zweimal passiert: Zunächst im März 2000, als die Dotcom-Blase platzte. Und dann angesichts der Terroranschläge im September 2001. Danach rauschte der Index dem Finanzportal zufolge noch um knapp 28 Prozent in den Keller, bevor er fast ein Jahr später den Boden gefunden hatte.

Zur Einordnung: Im vergangenen Jahr hat der Nasdaq 100 rund 26 Prozent zugelegt, im Jahr zuvor fast 48 Prozent. 2019 ging es um knapp 38 Prozent nach oben.

Auffällig ist, dass der momentane Ausverkauf sich nicht auf einzelne Titel beschränkt, sondern den ganzen Markt wie ein Flächenbrand erfasst. Auch dass selbst zwischenzeitliche Schnäppchenjäger die Indizes nicht im Plus halten können, sehen Händler als Alarmsignal. Es sieht so aus, als ob viele Investoren jeden Kursanstieg nutzen, um Aktien zu verkaufen.

Zinsen im Fokus

Als Auslöser des Absturzes gilt die anstehende Zinswende in den USA. Angesichts der hohen Inflation hat die US-Notenbank Fed eine Serie von Zinserhöhungen signalisiert. Am Markt wird derzeit davon ausgegangen, dass es im März losgeht.

Das hat Folgen. Höhere Zinsen bedeuten, dass Aktien im Vergleich zu anderen Investments an Attraktivität verlieren. Und vor allem die Tech-Titel reagieren besonders empfindlich auf steigende Zinsen, da sie ihre üppigen Investitionen mit einem hohen Fremdkapitalanteil stemmen. Hinzu kommt, dass eine straffere Geldpolitik die Liquidität im Markt austrocknet.

Und es gibt noch einen weiteren Grund: Die Corona-Pandemie scheint sich dem Ende zu nähern. Die Auswirkungen zeigen sich beispielsweise an Netflix. Nach Vorlage der Quartalszahlen ging es mehr als 20 Prozent in den Keller. Netflix rechnet nur mit 2,5 Millionen Neukunden von Januar bis März, was weniger als die Hälfte dessen ist, was Analysten vorhergesagt hatten. "Die Gewinner der Pandemie stehen unter Druck, und das wird wahrscheinlich so bleiben. Wenn alle bereits Netflix haben, ist es schwierig, das Abonnentenwachstum zu verbessern", sagte Investmentstratege John Lynch vom Vermögensverwalter Comerica Wealth Management. "Vielleicht waren die Erwartungen der Investoren etwas überzogen."

Weitere Aktien der Unterhaltungsbranche mussten Federn lassen. Titel von Walt Disney gaben alleine am Freitag knapp 7 Prozent nach, ViacomCBS und Roku jeweils rund drei Prozent. "Stay-at-home-Aktien" leiden quer durch die Branche. Delivery Hero beispielsweise gaben um 5,5 Prozent nach und Hellofresh um 3 Prozent.

Schwergewichte präsentieren Zahlen

Und wie geht es weiter? "Die Inflations- und Zinssorgen werden so schnell nicht verschwinden", warnte Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Sollte die Fed für März eine Zinserhöhung um mehr als einen Viertel Prozentpunkt signalisieren, müsse mit weiteren Kursverlusten am Aktienmarkt gerechnet werden. Die Fed-Führung wird am Mittwoch die Ergebnisse ihrer Beratungen verkünden. Eine unmittelbare Zinserhöhung gilt zwar als ausgeschlossen, Experten rechnen aber fest damit, dass die Notenbanker die Grundlage für einen solchen Schritt im Frühjahr legen werden.

Für Impulse dürften auch Quartalszahlen sorgen. In der neuen Woche legen unter anderem Microsoft, Apple und Tesla Zahlen vor. Dann wird sich vielleicht zeigen, ob der Börsen-Absturz der Ausdruck einer gesunden Korrektur ist oder Anlegern wohl noch weitere Horror-Wochen bevorstehen.

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa

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