Wirtschaft

Krebs stoppen, Altern aufhalten Das haben die Biontech-Gründer mit ihren Impfstoff-Milliarden vor

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"Wenn wir betrachten, wozu wir beitragen möchten, ist noch nicht viel erreicht", sagen Uğur Şahin und Özlem Türeci über sich selbst.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool)

Der Corona-Impfstoff von Biontech rettet Millionen Menschen das Leben. Doch für die Unternehmensgründer Uğur Şahin und Özlem Türeci ist dieser Erfolg nur die erste Etappe eines größeren Ziels: "Man unterschätzt häufig, was in 30 Jahren möglich ist", sagen sie im "Stern"-Interview.

Uğur Şahin und Özlem Türeci sind mit ihrem Corona-Impfstoff weltberühmt und reich geworden, aber denken nicht ans Aufhören: Die Gründer des Impfstoffherstellers Biontech möchten mit ihren Milliardengewinnen aus der Pandemie die Entwicklung neuartiger Behandlungen gegen Krebs und sogar das Altern vorantreiben. "Unser Lebenssinn ist es, nützlich zu sein", erzählt Türeci im Interview mit dem "Stern". "Wenn wir betrachten, wozu wir beitragen möchten, ist noch nicht viel erreicht."

Zum Termin in der Mainzer Unternehmenszentrale kommt Ehemann und Mitgründer Uğur Şahin mit einem Fahrradhelm in der Hand. Das Paar tritt bescheiden auf. Ihr Alltag habe sich seit dem mRNA-Durchbruch nur wenig verändert, "abgesehen davon, dass wir im Supermarkt erkannt und nett begrüßt werden", sagt Türeci. Ein Auto oder einen Fernseher besitzt das Paar bis heute nicht. Seine geliebten Superhelden-Filme schaut Şahin auf dem Laptop, "manchmal sogar auf dem Smartphone".

Die Erlöse aus dem Impfstoff fließen zum großen Teil in den Ausbau von Biontech. Das Unternehmen wächst rasant. Mehrere neue Labor- oder Produktionsgebäude sind in Bau oder Planung, die Zahl der Mitarbeitenden hat sich innerhalb von zwei Jahren auf mehr als 3000 verdoppelt. "Für uns ist die Arbeit weiterhin der Mittelpunkt, sie diktiert jeden Tag", sagt Türeci.

Mit fortgeschrittenem Krebs leben?

Für das Ärztepaar war der Impfstoff-Erfolg gegen das Coronavirus nicht mehr als ein Etappensieg. Denn sie haben Biontech im Jahr 2008 mit dem Ziel gegründet, neue Therapien gegen Krebs zu entwickeln. Einerseits gehe es darum, Krebs früher zu erkennen und zu behandeln, erklärt Türeci. Andererseits strebten sie an, "fortgeschrittenen Krebs zu einer chronischen Erkrankung zu machen, mit der man leben kann".

Eine neue Medizin - die Biontech-Story

Die schnellste Impfstoffentwicklung aller Zeiten rettet Millionen Menschen das Leben und kommt von einem bis dahin unbekannten Mainzer Unternehmen. Der Podcast "Eine neue Medizin - die Biontech-Story" erzählt, wie dem Gründer-Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci nach drei Jahrzehnten Forschung mit einem mRNA-Impfstoff während der Corona-Pandemie der Durchbruch gelingt und, was sie als Nächstes planen: Therapien gegen HIV, Tuberkulose und Krebs - und vielleicht sogar eine, um das Altern zu stoppen. Jetzt bei RTL+ Musik.

Türeci und Şahin setzen dafür unter anderem auf die mRNA-Technologie, die auch beim Corona-Impfstoff zum Einsatz kam. Für ihre Krebsmedikamente passen sie die mRNA individuell an den Tumor der Krebspatienten an. So soll deren Körper dazu gebracht werden, gezielte Abwehrstoffe zu produzieren und den Krebs zu bekämpfen.

Die beiden Mediziner sind überzeugt: In 15 Jahren werden mehr als 30 Prozent aller neu zugelassenen Medikamente auf der mRNA-Technologie beruhen - darunter auch Mittel gegen Krebs. Mehrere von ihnen befinden sich bereits in Studien an Patienten. Gleichzeitig bremst die Onkologin Türeci übertriebene Erwartungen: "Die Vorstellung, man hat eine Pille, und die heilt unmittelbar alle Krebsarten, wird nicht eintreten."

"Man unterschätzt, was in 30 Jahren möglich ist"

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Noch etwas weiter in der Zukunft liegen Medikamente, die das Altern verzögern oder sogar aufhalten können. In vielen Laboren weltweit wird daran geforscht, unter anderem im finanzstarken Kalifornien. Biontech ist mit einer Tochterfirma namens Resano ebenfalls in dieses Feld eingestiegen. Zunächst geht es um das eher bodenständige Ziel, akuten Krankheitsbildern entgegenzuwirken, die zum Funktionsverlust bei einem Organ führen können. Menschen nach einem Herzinfarkt seien beispielsweise häufig nicht mehr so leistungsfähig wie zuvor, erklärt Şahin. "Wir erforschen, ob wir das Herz wieder näher an den Zustand vor dem Infarkt bringen können, zum Beispiel, indem sich weniger Narbengewebe bildet."

Längst denkt er jedoch einen Schritt weiter: Das Molekül mRNA kann auch dazu eingesetzt werden, um Zellen zu verjüngen. Im Prinzip kann eine Hautzelle in eine Herzmuskelzelle umgewandelt und so altes Gewebe ersetzt werden. Wann diese Technologie im Menschen zum Einsatz kommen könnte, wagt Ugur Şahin nicht zu mutmaßen. "In der Medizin kann man gut vorhersagen, was in den nächsten zehn Jahren geschehen wird", sagt er. "Aber man unterschätzt häufig, was in den nächsten 30 Jahren möglich ist."

Quelle: ntv.de

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