Wirtschaft

US-Geschäft ist "problematisch" Deutsche Bank nähert sich Allzeittief

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Auch unter dem neuen Chef Christian Sewing geht der Absturz der Deutschen Bank weiter.

(Foto: picture alliance / Andreas Arnol)

Auch unter ihrem neuen Chef Christian Sewing ist die Deutsche Bank weit vom Turnaround entfernt. Die Investoren bleiben skeptisch, die Aktie bricht über sieben Prozent ein. Denn sogar die Aufseher fürchten die Risiken in der Bilanz.

Anleger trauen Christian Sewing offenbar nicht viel zu. Nur eine Woche nachdem der neue Deutsche-Bank-Chef die größte Restrukturierung des Geldhauses der vergangenen Jahre angekündigt hat, taumelt die Aktie weiter abwärts. Sie bricht mehr als sieben Prozent ein und geht als Schlusslicht im Dax bei 9,16 Euro aus dem Handel. Damit sind die Papiere nur noch minimal von ihrem Allzeittief bei 8,83 Euro entfernt.

Die Aktien des größten deutschen Finanzinstituts haben in den vergangenen Tagen deutlich stärker verloren als der europäische Branchendurchschnitt. Und nun kommt auch noch eine Hiobsbotschaft aus Übersee hinzu: Die US-Aufseher haben das US-Geschäft der Bank laut "Financial Times" zum Problemfall erklärt. Die Einlagensicherung FDIC habe die US-Tochter des Geldhauses im ersten Quartal auf eine Liste von "Problembanken" gesetzt, schrieb das Blatt unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Zudem soll die US-Notenbank Fed bereits vor einem Jahr Bedenken angemeldet und dem Institut den Status "in Schwierigkeiten" verpasst haben. Dadurch sei die Deutsche Bank in ihrer Freiheit eingeschränkt worden und müsse sich - etwa bei wichtigen Personalentscheidungen - eng mit Aufsehern abstimmen. Die Abstufung der Fed sei der Auslöser für den Schritt der FDIC gewesen. Die Deutsche Bank erklärte in einem Statement, "spezifisches regulatorisches Feedback" grundsätzlich nicht zu kommentieren.

Auch zahlreiche Analysten bleiben skeptisch. Viele haben die Bank zuletzt herabgestuft und ihre Kursziele für die Aktie gesenkt. Auch die neue Strategie von Sewing, das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden und dem lukrativen Vermögensverwalter DWS zu forcieren, überzeugt sie nicht. Diese Bereiche sollen ab 2021 rund die Hälfte der Konzernerträge beisteuern.

Für viele Investoren ist 2021 aber noch ganz weit weg und die derzeitige Realität bedrückend. Denn in der Bilanz der Deutschen Bank schlummern enorme Risiken, etwa im Derivate-Geschäft. Deren Umfang beläuft sich auf satte 48 Billionen Euro - fast 15 Mal so viel wie die jährliche deutsche Wirtschaftsleistung oder das 779-Fache des Eigenkapitals der Bank.

Auch wenn das Verlustrisiko aus diesen Geschäften deutlich niedriger liegen dürfte, weil viele der Wetten durch Gegengeschäfte abgesichert sind, dürfte das enorme Volumen auch ein Grund für den geplanten Abbau von Geschäftsfeldern innerhalb der Bank sein. Insbesondere der Zins- und Anleihebereich, den die Bank zusammenstreichen will, macht mit fast 40 Billionen Euro den Großteil des Derivate-Geschäfts aus.

Zinsderivate sind großes Risiko für die Bank

„Wenn es zu Turbulenzen am Anleihenmarkt kommt, weil zum Beispiel die US-Zinsen stärker steigen als erwartet oder weil plötzlich die Zinsaufschläge für Italien nach oben schießen, haben Investoren Sorge, dass es Probleme in diesem Bereich geben könnte“, erklärt Jochen Stanzl, Chefstratege beim englischen Broker CMC Markets, im Gespräch mit n-tv.de. Dabei seien die italienischen Anleihen allein nicht das Problem, weil die Deutsche Bank im Vergleich zu anderen Instituten nur wenig davon im Bestand habe, fügt Stanzl hinzu. Es sei das gesamte Zinsrisiko der Bank, was die Turbulenzen bei der Aktie auslöse.

Da helfen auch die Fortschritte bei der Kapitalausstattung nicht viel, die sich nach der Kapitalerhöhung von acht Milliarden Euro im Frühjahr 2017 deutlich verbessert hat. So lag die harte Kernkapitalquote am Ende des ersten Quartals 2018 bei 13,4 Prozent. Damit liegt die Deutsche Bank auf Augenhöhe mit anderen Instituten wie etwa der Schweizer UBS, die eine Quote von 13,1 vorzuweisen hat. Auch die Verschuldungsquote, also das Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme, hat sich erheblich verbessert.

Die Aktie könnte aber dennoch bei einer Fortsetzung der Zinsturbulenzen unter Druck bleiben. Das weckt Erinnerungen an den heißen Herbst 2016, als angesichts einer milliardenschweren Strafe der US-Justiz für krumme Hypothekengeschäfte, die die Bank finanziell zu überfordern drohte, Spekulationen über Staatshilfen aufkamen. Danach drehte die Aktie und legte eine stattliche Kursrally von mehr als 70 Prozent hin. Ähnliche Unterstützungseffekte sind diesmal nicht in Sicht. Über Staatshilfen für die Deutsche Bank wird noch nicht wieder auf breiter Ebene diskutiert.

Quelle: ntv.de