Wirtschaft

Lockruf für Investmentbanker Deutsche Bank verteilt zwei Milliarden Euro Boni

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Sewing, Chef der Deutschen Bank.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei Amtsantritt verspricht Deutsche-Bank-Chef Sewing, das Investmentbanking zurückzustutzen. Es kommt anders. Ungeachtet der Ermahnungen der EZB will er den Boom-Bereich in der Krise nun zum zweiten Mal durch höhere Boni stärken. Grund: Nachwuchstalente sind rar.

Die Deutsche Bank will ihren Bonuspool um 15 Prozent auf mehr als 2 Milliarden Euro aufstocken. Das meldet das US-Finanzportal Bloomberg unter Berufung auf Insider. Es wäre das höchste Niveau seit vier Jahren und die zweite Erhöhung in Folge unter Bank-Chef Christian Sewing. Wie es heißt, soll es bei den variablen Vergütungen große Unterschiede innerhalb der Bank geben. Überduchschnittliche Zuwächse sind demnach für Teile des Investmentsbankings geplant. Im Backoffice seien dagegen auch Rückgänge möglich.

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Eigentlich hatte Sewing zu Beginn seiner Amtszeit vor vier Jahren versprochen, die Abhängigkeit vom stark kritisierten Investmentbanking zu verringern und stattdessen das Privat- und Firmenkundengeschäft zu stärken. Bekanntlich hatte entfesseltes Investmentbanking zuvor zahllose Skandale verursacht und die Deutsche Bank an den Rand des Abgrunds gebracht.

Auch aus einem anderen Grund lassen die höheren Boni aufmerken. Erst vor einem Jahr hatte die Europäische Zentralbank dazu aufgerufen, diese Zahlungen in Schach zu halten, nachdem europäische Banken beispiellose Hilfszahlungen erhalten hatten, um die Pandemie zu überstehen. Das "Problem": Der Bereich boomt in der Krise. Ausgerechnet das viel kritisierte Investmentbanking fährt bei der Deutschen Bank die größten Gewinne ein. Mit 3,4 Milliarden Euro erwirtschaftete der Bereich in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres fast doppelt so viel Gewinn wie die anderen drei Konzernsparten zusammen.

Den Bereich nicht weiter anzufüttern, würde die Renditeziele gefährden. Investmentbanken nutzen Boni, um begehrte Talente zu halten und attraktiv für Neuzugänge zu sein. Angesichts der Situation auf dem Jobmarkt sei er bereit, Top-Performer "wettbewerbsfähig zu bezahlen", hatte Sewing bereits signalisiert. Der Chef des Bereichs Investmentbanking, Mark Fedorcik, hatte die Nachfrage nach Nachwuchskräften in einem Bloomberg-Interview als "die höchste, die ich je gesehen habe", bezeichnet. Tatsache ist: Die großen Konkurrenten an der Wall Street nehmen für sogenanntes Headhunting noch viel mehr Geld in die Hand.

Goldman und BoA steigern Boni um 40 bis 50 Prozent

Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs das Budget für die jährlichen Bonuszahlungen um ganze 40 bis 50 Prozent aufstocken will, wie Insider berichteten. Die Investmentbank hatte ebenfalls im Vorfeld angekündigt, dass man nicht vor hohen Sonderzahlungen zurückschrecken werde, um besonders erfolgreiche Mitarbeiter zu halten.

Auch bei der Bank of America soll der Bonustopf für Sonderzahlungen für die Investmentbanker nach einem Bloomberg-Bericht um mehr als 40 Prozent anwachsen. Händler könnten im Schnitt mit mehr als 30 Prozent mehr rechnen, heißt es. Deutlich höhere Boni winken auch den Investmentbankern von Morgan Stanley.

Den erfolgreichsten Bankern winkten Sonderzahlungen, die mehr als 20 Prozent über dem Vorjahresniveau lägen, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters kürzlich Insider. Davon profitierten vor allem Berater bei Übernahmen und Börsengängen, die mit mindestens 15 Prozent mehr rechnen könnten, einige sogar mit gut 20 Prozent mehr. In anderen Sparten sei mit stabilen Boni oder einstelligen Zuwachsraten zu rechnen, hieß es zuletzt.

Sewing steht unter Druck. Er will die Rentabilität seines Hauses auf acht Prozent Rendite auf das materielle Eigenkapital steigern. Investmentbanker und Trader, die die höchsten Boni bekommen sollen, seien zu einer tragenden Säule dieses Versprechens geworden, schreibt Bloomberg.

Quelle: ntv.de, ddi

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