Wirtschaft

Notkredite für griechische Banken Draghi steht vor einem Dilemma

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Wir EZB-Chef Mario Draghi den Rahmen für Notkrediten an die griechischen Banken erhöhen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die EZB stockt die Kreditversorgung der griechischen Banken zuletzt stark auf. Eine mögliche Staatspleite Griechenlands oder gar ein Grexit hätte daher auch für die Europäische Zentralbank enorme Folgen.

Alle Augen sind einmal mehr auf Mario Draghi gerichtet: Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Notkreditrahmen für die griechischen Banken bei 89 Milliarden Euro belassen. Nach Aussage der EZB beobachtet sie die Lage an den Finanzmärkten genau und wird im Notfall darüber nachdenken, den Rahmen zu erhöhen. Weil die Griechen immer mehr Geld von ihren Banken abziehen, brauchen diese zusehends neues Geld. In den vergangenen Monaten waren die Notkredite der EZB deshalb rasant gestiegen – von 59,5 Milliarden Euro Anfang Februar auf zuletzt 87,8 Milliarden Euro.

Das Problem dabei ist, dass die Guthaben der privaten Haushalte und der Unternehmen Griechenlands rasant sinken und zuletzt laut Schätzungen bei lediglich rund 120 Milliarden Euro gelegen haben. Ende November 2014 waren es noch 164,3 Milliarden Euro. Je kleiner die Lücke zwischen den Guthaben auf der einen und den Notfallkrediten auf der anderen Seite wird, umso größer wird das Problem für die EZB.

Denn nicht nur die Notkredite stehen im Feuer, sondern auch jene griechischen Anleihen des Rettungsfonds EFSF, die bei der EZB als Sicherheit für Kredite hinterlegt worden sind. Insgesamt belaufen sich die Forderungen der EZB gegen griechische Papiere damit auf rund 125 Milliarden Euro. Der Wert übersteigt damit die Guthaben bei den griechischen Banken.

Im schlimmsten Fall braucht die EZB neues Geld

Wenn die EZB ihre Hilfe nicht aufstockt, würde der Wert der Papiere drastisch sinken. Damit käme dann nicht zuletzt die EZB selbst in die Bredouille. Denn sie verfügt über Kapital und Rücklagen von lediglich 98,5 Milliarden Euro. Das gezeichnete Kapital der EZB beläuft sich sogar nur auf lediglich 10,76 Milliarden Euro. Im Falle eines Staatsbankrotts Griechenlands oder gar eines Grexit würden die Kapitalpuffer der EZB erheblich belastet werden. Im schlimmsten Fall würde die EZB neues Geld von den Mitgliedsstaaten – nicht zuletzt von Deutschland - brauchen. Deutschland steht für 25,7 Prozent des voll eingezahlten Kapitals der EZB.

Je nachdem wie sich die Griechenland-Krise weiter entwickelt und die Peripherie weiter infiziert, könnte sich Draghi dazu veranlasst sehen, noch viel mehr Geld zu drucken, als die bis September 2016 geplanten 1,14 Billionen Euro. Das könnte den ohnehin schwachen Euro noch weiter nach unten drücken.

Quelle: ntv.de

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