Wirtschaft

Reaktion auf die Zins-Skandale EZB schiebt Projekt "Ester" an

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Geldgeschäfte unter Banken als Richtschnur: Das Projekt "Ester" soll den Euribor ersetzen.

(Foto: picture alliance / Fabian Sommer)

Die Mühlen der Währungshüter mahlen langsam: Bis zum Herbst kommenden Jahres will die Europäische Zentralbank ihre Alternative zum bisher genutzten Euribor-Zinssatz an den Markt bringen. An den täglich ermittelten Daten hängen Geschäfte in Billionenhöhe.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will bis Oktober 2019 einen eigenen Referenzzins für Geldmarktgeschäfte anbieten. Bis zu diesem Zeitpunkt werde der "Ester" genannte Satz zur Verfügung gestellt, teilte die EZB mit.

Das Projekt "Ester" gilt als Antwort der Währungshüter auf die Skandale um manipulierte Geldmarktsätze. Erste Verdachtsmomente, dass bei der Berechnung nicht alles mit rechten Dingen zugeht, waren im Herbst 2011 an die Öffentlichkeit gelangt. Zentralbanken suchen seit einiger Zeit nach Alternativen zu Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor.

Mit dem geplanten Start im Herbst 2019 könnte der Euribor-Ersatz der EZB rund acht Jahre nach Bekanntwerden der ersten Hinweise auf Manipulationen an den zentralen Kennziffern des Finanzsystems in Kraft treten.

Reformversuch der Finanzbranche

Libor und Euribor sind Basisgrößen, an denen sich die Zinsen für unzählige Finanzgeschäfte im Gesamtvolumen von Billionen von Euro orientieren. Der Euribor, kurz für: "Euro Interbank Offered Rate" (etwa: "Angebotener Interbanken-Zins"), misst das Niveau des Zinssatzes, den Banken untereinander für kurzfristige Euro-Kredite verlangen. Der Libor ist das Gegenstück dazu aus London.

Die Geldmarktsätze waren in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass Banker sie jahrelang zu ihrem Vorteil manipuliert hatten. In die Skandale waren Mitarbeiter von nahezu allen namhaften Großbanken an den Standorten Frankfurt und London verwickelt.

Ein erster Reformversuch der Finanzbranche für den täglichen Euribor-Referenzsatz war 2017 fehlgeschlagen. Die Aufarbeitung des Manipulationsskandals dauert an. In diesem Zusammenhang willigten Kreditinstitute auf mehrere kostspielige Vergleich ein, um weitere Ermittlungen der Aufsichtsbehörden abzuwenden.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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