Wirtschaft

Neukunden zahlen richtig drauf Gas-Heizkosten sind doppelt so hoch wie 2021

Wer im Februar einen neuen Gasvertrag geschlossen hat, zahlt sehr viel mehr als noch im Vorjahr. Im Vergleich zu den Preisen im Januar bedeutet die aktuelle Entwicklung aber eine Entspannung - trotz des Ukraine-Krieges und den Drohungen Russlands, den Gashahn zuzudrehen.

Heizen mit Gas war im vergangenen Monat deutlich teurer als im Vorjahr. Wer einen neuen Gasvertrag abschließen musste, zahlte für eine durchschnittliche Wohnung rund 148 Euro im Monat und damit mehr als doppelt so viel wie noch im Jahr zuvor. Im Januar lag der Durchschnittspreis allerdings sogar bei 205 Euro – im Vergleich zu 80 Euro im Vorjahresmonat.

Das zeigt eine Analyse für den vom Bundesumweltministerium geförderten Heizspiegel. Der durchschnittliche Kilowattstundenpreis für Neukunden wurde hierfür mit realen Verbrauchsdaten aus dem Jahr 2020 verrechnet. Kombiniert mit aktuellen Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) lässt sich so die Entwicklung der Heizkosten für Haushalte mit einer Gasheizung nachzeichnen.

Der enorme Preisanstieg in den letzten Monaten trifft vor allem Neukunden. Im Jahr 2020 gab es laut Bundesnetzagentur rund 1,6 Millionen Gasanbieter-Wechsel, in mehr als 80 Prozent der Fälle war ein Umzug der Grund. Dieser Wert sei seit Jahren weitestgehend stabil, weshalb davon ausgegangen werden könne, dass auch derzeit rund 100.000 Haushalte pro Monat von den teuren Gastarifen betroffen sind, so Heizspiegel-Leiter Alexander Steinfeldt im Gespräch mit ntv.de.

Aber auch Bestandskunden mit Gasheizung hätten steigende Heizkosten hinzunehmen. Im vergangenen Jahr hätten auch Haushalte mit laufendem Vertrag Preissteigerungen von 20 bis 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen gehabt. Die Datenlage sei hier aber weniger präzise als bei den Neukunden.

Der aktuell starke Anstieg der Heizkosten lasse sich deshalb für Neukunden besonders gut nachzeichnen, so Steinfeldt. Die Entwicklung habe schon im Winter 2021 begonnen. Grund sei damals das Wiedererstarken der Weltwirtschaft gewesen, auf das die Anbieter nicht vorbereitet waren. Die Gasspeicher waren leer und mussten für teures Geld wieder aufgefüllt werden.

Markt beruhigte sich trotz Kriegsbeginn

Dazu seien dann im neuen Jahr die Unsicherheiten gekommen, die durch den Aufmarsch russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine verursacht wurden. Einkaufspreise seien zukunftsgerichtet und in der Zukunft deuteten sich Versorgungsschwierigkeiten an – etwa mit der möglichen Nicht-Eröffnung der Gas-Pipeline Nord Stream 2. Zu diesem Zeitpunkt habe am Markt noch keine Knappheit geherrscht, aber die Aussicht auf eine solche habe den Gaspreis in die Höhe getrieben, erklärt Steinfeldt.

Mehr zum Thema

Die im Januar sprunghaft gestiegenen Heizkosten für Gas-Neukunden entspannten sich seitdem wieder ein wenig. Obwohl Russland am 24. Februar der Ukraine tatsächlich den Krieg erklärte und dem Westen damit drohte, den Gashahn zuzudrehen. Steinfeldt macht dafür Aussagen und Maßnahmen verantwortlich, die die Unsicherheit auf dem Gasmarkt gemildert hätten. Dass laut Wirtschaftsminister Robert Habeck die Energieversorgung Deutschlands für die nächsten Monate gesichert sei, habe viele beruhigt. Oder, dass Norwegen zusätzliche Gaslieferungen zusagte.

Für Analysten wie Verbraucher bleibe die Lage aber unübersichtlich, so Steinfeldt. Eon-Chef Leonhard Birnbaum habe zu Recht auf die Möglichkeit hingewiesen, dass Energiepreise auch für Endkunden weiter steigen könnten. Gleichzeitig sei nicht abzusehen, inwiefern ein mögliches Kriegsende in der Ukraine, aber auch etwaige Eingriffe der Bundesregierung die Heizkosten beeinflussen werden.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen