Wirtschaft

Beginn der Konsolidierung? Getir schluckt Lieferdienst-Rivalen Gorillas

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Das deutsche Unternehmen Gorillas wird vom türkischen Konkurrenten Getir übernommen.

(Foto: picture alliance / ANP)

Aus Spekulationen wird Gewissheit. Der deutsche Bringdienst Gorillas wird übernommen. Gemäß der kolportierten Summe hat das Unternehmen binnen Jahresfrist rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Hohe Kosten und stagnierende Geschäfte könnten Experten zufolge den Markt noch weiter umwälzen.

Steigende Kosten und ein schwächelndes Geschäft treiben den Schnell-Lieferdienst Gorillas in die Arme des größeren Rivalen Getir. Das türkische Unternehmen gab die Übernahme der deutschen Firma bekannt. Der Deal habe ein Volumen von 1,2 Milliarden Dollar, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf Insider. Ein Getir-Sprecher bestätigte das. Über den Zusammenschluss war seit Wochen spekuliert worden. Getir beschäftigt über 32.000 Menschen und ist in neun Ländern aktiv. Bei Gorillas arbeiten nach Angaben des Unternehmens rund 14.000 Menschen.

Bei der Übernahme werde der deutsche Bringdienst nur knapp halb so hoch bewertet wie noch vor gut einem Jahr, schrieb das Blatt. Bei Getir belaufe sich der Bewertungsrückgang auf 25 Prozent auf aktuell 8,8 Milliarden Dollar. Bei einer Finanzierungsrunde im vergangenen März hatte dieser Wert bei zwölf Milliarden Dollar gelegen. Dem Bericht zufolge erhalten einige Gorillas-Aktionäre wie der Essenslieferant Delivery Hero oder der chinesische Internet-Konzern Tencent insgesamt rund 40 Millionen Dollar in bar und ansonsten Getir-Anteile.

Für Kai Hesselmann, Mitgründer von DealCircle, einer Datenbank für Firmenübernahmen, ist der Schritt notwendig. Der Markt sei heiß umkämpft. "Das kann nur funktionieren, wenn eine Konsolidierung auf ein bis zwei Player gibt. Sonst können sich die Modelle nicht rechnen." Uwe Horstmann, Mitgründer des Wagniskapitalgebers Project A, beurteilt das Geschäft mit Warenlieferungen binnen weniger Minuten insgesamt skeptisch. "'Quick-Commerce' ist bislang den Beweis schuldig geblieben, dass der Markt funktioniert."

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Der deutsche Gorillas-Rivale Flink wies darauf hin, dass das Unternehmen trotz der Schließung einiger Standorte weiter wachse. Außerdem liege man auch nach dem Zusammenschluss von Gorillas und Getir bei Auftragsvolumen und Umsatz vorne. In der Pandemie erlebten Lebensmittel-Lieferdienste einen Boom. Getir und Goriallas liefern vor allem Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs. Das unterscheidet sie von Diensten wie Lieferando, die fertige Mahlzeiten ausfahren.

Gorillas erreichte dadurch binnen weniger Monate den sogenannten Einhorn-Status. Damit bezeichnen Börsianer Startups, die mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden. Allerdings herrscht in der Branche ein harter Verdrängungswettbewerb. Außerdem machen den Unternehmen steigende Preise und hohe Personalkosten zu schaffen. Gorillas strich daher vor einigen Monaten Hunderte Stellen und zog sich aus einigen Ländern zurück. DoorDash, die Mutter des Rivalen Volt, kündigte vor einigen Tagen ebenfalls einen Jobabbau an.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP

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