Wirtschaft

Plan als "asozial" kritisiert Gorillas will schnellere Fahrer bevorzugen

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Gorillas verspricht eine Lieferung in weniger als 10 Minuten.

(Foto: imago images/Friedrich Stark)

Bei Lieferdiensten läuft es nicht immer rund. Das Startup Gorillas ist da keine Ausnahme. Neben mangelnder Profitabilität gibt es auch immer wieder Ärger mit den Angestellten. Der neueste Ansatz, um das Tempo zu erhöhen, wird wohl nach hinten losgehen.

Der Lieferdienst Gorillas will einem Bericht zufolge bei der Vergabe von Schichten schnelle Fahrer bevorzugen. Dies geht aus einem Entwurf einer Betriebsvereinbarung vor, über den der "Spiegel" berichtete. Demnach sollen strikte Zeitfenster vorgeschrieben werden, zu denen sich Fahrerinnen und Fahrer für Schichten anmelden können - schnelle Fahrer sollen diese Warteschlangen aber umgehen können.

Der Rechtsvertreter des Betriebsrats von Gorillas, Martin Bechert, kritisierte die Pläne des Unternehmens als "asozial". "Wer seinen Fahrern keine höheren Gehälter bieten kann, führt eben eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ein", sagte er dem "Spiegel". Das Unternehmen erklärte, es handele sich bei den Plänen lediglich um einen "Entwurf", dieser sei noch nicht beschlossen. Zunächst solle mit dem Betriebsrat verhandelt werden.

Lebensmittel-Schnelllieferdienste wie Gorillas sind in der Corona-Krise wie Pilze aus dem Boden geschossen. Bereitwillig stellten Finanzinvestoren den Verluste schreibenden Startups Kapital zur Verfügung. Mit dem Geld bauten die Firmen Mini-Lager in Städten auf, stellten Fahrer an und machten Werbung, um möglichst viele Kunden zu überzeugen, Supermarktartikel zu bestellen und sich schnell liefern zu lassen. So breiteten sich neben Gorillas der von DoorDash und Rewe flankierte Wettbewerber Flink, Getir aus der Türkei sowie Jokr rund um den Erdball aus.

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Inzwischen hat sich der Wind jedoch gedreht: Essenslieferdienste wie Delivery Hero oder Lieferando-Eigner Just Eat Takeaway.com haben an den Börsen eine beispiellose Talfahrt hingelegt, Kapital ist mit den erwarteten Zinserhöhungen der Notenbanken nicht mehr so billig zu haben und die hohe Inflation und der Krieg in der Ukraine dämpfen die Konjunktur. Entsprechend hatte auch Gorillas angekündigt, 2023 profitabel werden zu wollen.

Das Verluste schreibende Geschäft in Belgien hatte Gorillas Ende Juni geschlossen. Bereits im Mai waren 300 Mitarbeiter in der Verwaltung entlassen worden, die Geschäfte in Italien, Spanien, Dänemark und Belgien wurden als Sparten zum Verkauf gehandelt. Gorillas konnte letztmalig im Oktober rund 860 Millionen Euro von Investoren einsammeln.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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