Wirtschaft

Politik begeht "Wortbruch" HDE befürchtet bis zu 50.000 Pleiten

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Der HDE sieht auf breiter Front Umsätze unter dem Niveau des Vorjahres.

(Foto: picture alliance/dpa)

Für weite Teile des Einzelhandels hat sich mit den jüngsten Corona-Beschlüssen die Lage weiter verfinstert. Der Branchenverband wütet gegen die Politik. Diese verfolge eine Schließungsstrategie. Ohne weitere Hilfen drohten Zehntausende Pleiten. Die Umsätze würden weiter sinken.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) wirft der Politik nach den jüngsten Corona-Beschlüssen "einen klaren Wortbruch" vor. "Der Einzelhandel ist jetzt seit acht Wochen geschlossen, weitere vier Wochen sind auf jeden Fall vorprogrammiert", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Es ist gestern keine Öffnungsstrategie, sondern eine Schließungsstrategie vereinbart worden." Für die Branche sieht der HDE nun einen Umsatzrückgang von sechs Prozent im Falle einer Öffnung im Mai. "Es können deutlich mehr werden als 50.000 Unternehmen, die diese Krise nicht überstehen, wenn sie nicht ausreichend unterstützt werden", warnte Genth.

"Das Versprechen eines Konzeptes für eine sichere sowie faire Öffnungsstrategie und damit für einen transparenten Plan zum Wiederhochfahren der Wirtschaft wurde leichtfertig gebrochen", erklärte der Verband. Viele Einzelhändler bringe das in eine ausweglose Lage. Deshalb seien Klagen zu erwarten. Pro geschlossenem Verkaufstag verlören die Einzelhändler Einnahmen in Höhe von rund 700 Millionen Euro.

Mittlerweile gäben in einer HDE-Umfrage mehr als die Hälfte der vom Lockdown betroffenen Einzelhändler an, ohne weitere staatliche Unterstützung das laufende Jahr nicht überstehen zu können. "Für kleinere Händler muss die Möglichkeit zur Auszahlung eines Unternehmerlohns geschaffen werden, und auch größere Handelsunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 750 Millionen Euro müssen die Unterstützung bekommen", forderte Genth. Zudem müssten die Abschreibungsmöglichkeiten für die unverkäufliche Ware vereinfacht und auf die komplette Saisonware bezogen werden.

Inzidenzwert von 35 ist "willkürlich"

Für die Umsatzentwicklung in diesem Jahr gibt der HDE mehrere Szenarien je nach Zeitpunkt einer Öffnung an. Man könne keinen normalen Ausblick geben, "weil wir nicht wissen, wie es weitergeht", sagte Genth. Für den Einzelhandel insgesamt sah der HDE bei einer Öffnung im März eine Umsatzstagnation, bei Öffnung im April ein Umsatzminus von sechs und einer Öffnung im Mai einen Rückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Für den stationären Handel prognostizierte der Verband bei Öffnung im März ein Minus von zwei, bei Öffnung im April von sechs und im Mai um neun Prozent. Für den Onlinehandel wird für Öffnung im März ein Wachstum von 13 Prozent vorhergesagt, für Öffnung im April ein Plus von 14 und für Öffnung im Mai von 15 Prozent. Allerdings müsse man sehen, "dass das Jahr 2020 schon ein Krisenjahr war", sodass dies nicht die normale Basis sei.

Dieser Umgang mit den rund 200.000 vom Lockdown betroffenen Handelsunternehmen sei "unangemessen und unverständlich". Die Branche habe mit ihren funktionierenden Hygienekonzepten nachweislich dafür gesorgt, dass der Einkauf auch in Pandemiezeiten sicher sei. Zudem sehe der HDE mit der neuen Festlegung der Inzidenzzahl von 35 für eine Wiedereröffnung der Geschäfte keine nachvollziehbare Basis. Der Handel fordere auch bereits bei höheren Zahlen abgestufte Verfahren, bei denen beispielsweise Öffnungen mit strengeren Hygienevorgaben oder auch der Einkauf mit vorheriger Terminvereinbarung möglich sein sollten.

Der HDE-Hauptgeschäftsführer kritisierte, nicht nur der nun vereinbarte Inzidenzwert von 35 sei "willkürlich", sondern auch die Verdopplung der Ladenflächenvorgabe auf 20 Quadratmeter entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage. Die Wirtschaft sei nicht einmal gehört, geschweige denn beteiligt worden, beklagte Genth.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ

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