Wirtschaft

Wetten in Milliardenhöhe Investoren sind heiß auf Flugtaxis

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Auch Autokonzerne investieren in Flugtaxi-Entwickler.

(Foto: REUTERS)

In wenigen Jahren könnten Drohnen und Flugtaxis zum Alltag gehören. Analysten sehen gewaltiges Potenzial und Investoren stecken viel Geld in die Branche. Sie hoffen, das neue Tesla zu finden.

Flugtaxis sind bei Investoren richtig beliebt. Satte 4,3 Milliarden Dollar seien in diesem Jahr bereits in Startups gepumpt worden, berichtet die "Financial Times" (FT) und beruft sich dabei auf die Unternehmensberatung McKinsey. Das Geld wird demnach vor allem in sogenannte Spacs gesteckt, die die Firmen dann kaufen.

Spacs sind leere Firmenhüllen, die sich bereits an der Börse befinden. Sie werden nur gegründet, um Kapital einzusammeln, damit ein Unternehmen zu schlucken, mit ihm zu verschmelzen und es auf diese Weise an den Aktienmarkt zu bringen.

Die Investitionen in die Luftmobilitätsbranche sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Auch in Startups, die Lieferdrohnen entwickeln, fließt viel Geld. Diese können etwa Pakete oder Medikamente transportieren. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hält den Einsatz von Drohnen und Flugtaxis bis Mitte des Jahrzehnts für realistisch. Das Potenzial schätzen die Analysten von Morgan Stanley als riesig ein. Demnach könnte der Markt für elektronische Flugtaxis, die Waren ausliefern und Passagiere transportieren, 2040 mehr als 1,5 Billionen Dollar wert sein.

Eines haben die meisten dieser Firmen gemeinsam: Es gibt noch keinen fliegenden Prototypen. Ein Teil der Lufttaxi-Unternehmen habe eine vielversprechende Zukunft vor sich, zitiert die FT Peter Harrop, den Chef der Beratungsfirma IDTechex. Doch Milliarden von Dollar seien von Leuten investiert worden, "die auf leicht verdientes Geld hoffen, weil sie auf das neue Tesla" gestoßen seien. Für nahezu alles könne man in der Branche Milliarden Dollar einsammeln, indem man diesen Traum verkaufe.

Börsengänge nahen

Derzeit sieht es allerdings so aus, als nehme der Enthusiasmus etwas ab. So nahm Joby bei seinem Börsengang vor zwei Wochen weniger Geld ein als erhofft. Joby, in das beispielsweise Toyota investiert hat, entwickelt elektrische Flugfahrzeuge für mehrere Insassen. Die bis zu 320 km/h schnellen Geräte sollen starten und landen wie ein Hubschrauber, dabei aber von mehreren Rotoren angetrieben werden.

Für dieses Jahr sind noch weitere Börsengänge geplant, beispielsweise von Lilium, Archer und Vertical. Das bayerische Lilium will 2024 den kommerziellen Betrieb mit Serienflugzeugen starten. Das Unternehmen entwickelt wie der Konkurrent Volocopter elektrisch angetriebene Flugtaxis, deren Passagiere Staus auf den Straßen ausweichen können und so schnell ihr Ziel erreichen sollen. Der Lilium-Jet wird elektrisch angetrieben, damit kann er senkrecht starten und landen. Der Elektro-Flieger hat nach Firmenangaben eine Reichweite von 250 Kilometern und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 280 km/h. Zu den Investoren in Lilium gehören der chinesische Internet-Riese Tencent sowie der Fonds Atomico der Skype-Gründer Niklas Zennström und Baillie Gifford.

Volocopter-Chef Florian Reuter hatte im Februar prognostiziert, vollautomatische Flüge mit den kleinen Maschinen dürften in den kommenden fünf bis zehn Jahren weit verbreitet sein. Zu seinen Investoren zählen unter anderem Continental, der Fonds des Vermögensverwalters Blackrock, Daimler, DB Schenker sowie der chinesische Autokonzern Geely.

Testflug in China

Auch Volkswagen mischt mit und hat dabei vor allem China im Blick. Der Konzern hatte bereits vor drei Jahren auf der Genfer Automesse ein Konzept vorgestellt, das auf der Straße autonom fahren und bei Bedarf abheben kann. Auch andere Hersteller tüfteln seit geraumer Zeit an Lufttaxis.

"Über das autonome Fahren hinaus könnte das Konzept der vertikalen Mobilität ein nächster Schritt sein, um unseren Mobilitätsansatz in die Zukunft zu führen, insbesondere im technisch affinen chinesischen Markt", so das Unternehmen. VW wolle eine Art Drohne entwickeln, die es ermöglichen solle, diesen Zukunftsmarkt für die individuelle Mobilität zu erschließen, sagte VW-China-Chef Stephan Wöllenstein Anfang des Jahres. Im Gespräch mit Konzernchef Herbert Diess beschrieb er Erfahrungen bei einem Testflug, die er beim Besuch eines Unternehmens gemacht habe, mit dem VW in Gesprächen sei. "Man hat keinen Steuerknüppel, sondern man muss sich darauf verlassen, dass die Leute im Steuerzentrum keinen Blödsinn machen. Interessantes Gefühl, aber spannend." Der Flug habe Spaß gemacht. "Und ich glaube auch, das ist ein Thema, das sollten wir als Konzern nicht aus dem Auge verlieren."

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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