Wirtschaft

Unter Spionageverdacht Ist Huawei ein Trojaner?

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Huawei ist bei der 5G-Technologie führend.

(Foto: REUTERS)

Immer mehr Regierungen wollen Huawei aus der heimischen Internet-Infrastruktur verbannen. Auch die Bundesregierung denkt darüber nach, die Chinesen vom neuen Mobilfunk-Standard 5G auszuschließen. Peking spricht von Verleumdung.

Huawei ist einer der weltweit größten Tech-Konzerne und ein Symbol für den ökonomischen Aufstieg Chinas. Außerdem steht der Netzwerkausrüster im Verdacht, ein trojanisches Pferd der Kommunistischen Partei und des chinesischen Geheimdienstes zu sein.

Der Vorwurf: In der Netz-Infrastruktur und in den Smartphones der Chinesen seien Hintertüren für Spionage eingebaut, um an Staats- oder Firmengeheimnisse zu gelangen. Belege dafür gibt es allerdings nicht. Das Außenministerium in Peking spricht von "Lügenmärchen", die Firma weist die Anschuldigungen als haltlos zurück. "Ich liebe mein Land und ich unterstütze die Kommunistische Partei", sagt Huawei-Gründer Ren Zhengfei. "Aber ich werde nichts tun, was der Welt schadet." Es gebe keine enge Verbindung zwischen seinen politischen Überzeugungen und den Geschäften von Huawei.

Das sehen einige Regierungen und Geheimdienste im Westen anders. In den USA ist das Unternehmen von Regierungsaufträgen ausgeschlossen, Mobilfunkanbieter wie Verizon und AT&T verkaufen keine Huawai-Smartphones mehr. Auch Großbritannien, Japan, Australien und Neuseeland wollen beim Ausbau der 5G-Mobilfunknetze auf die Chinesen verzichten. Sie argumentieren, dass die chinesische Regierung über Huawei die Kontrolle über Energie- und Wasserversorgung und andere kritische Infrastruktur bekommen könnte. Auch in Frankreich und Norwegen gibt es große Vorbehalte.

5G soll in den kommenden Jahren flächendeckend eingeführt werden. Der ultraschnelle Standard ist die Grundlage für neue Schlüsseltechnologien und für die sogenannte Industrie 4.0, also eine bessere Vernetzung von Maschinen, sowie etwa für autonomes Fahren oder Telemedizin. 5G soll Datengeschwindigkeiten ermöglichen, die mindestens 100 Mal schneller sind als die der aktuellen 4G-Netze. Zudem müssen keine Unterbrechungen während der Übertragung befürchtet werden.

"Gefährlich naiv"

In Deutschland beginnt in der zweiten Märzhälfte die Versteigerung der Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard. Die Bundesregierung hat sich bisher zwar gegen den Ausschluss konkreter Hersteller oder Produkte ausgesprochen. Doch einige Politiker können sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass eine wichtige Infrastruktur mit Bausteinen aus der Volksrepublik China erstellt wird. Deutschland agiere mit seinem bedenkenlosen Umgang "gefährlich naiv", kritisiert etwa Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Dem Vernehmen nach prüft die Bundesregierung derzeit, ob Huawei nun doch von der deutschen Telekommunikations-Infrastruktur ausgeschlossen wird. Medienberichten zufolge könnten die bestehenden Sicherheitsanforderungen für den Ausbau der 5G-Mobilfunknetze so verschärft werden, dass es den Betreibern unmöglich gemacht wird, Huawei-Technologie zu verwenden. Huawei ist ein wichtiger Lieferant für die hierzulande tätigen Mobilfunkanbieter - auch von der Telekom.

Federführend bei der Prüfung sind die Bundesnetzagentur und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Dessen Chef Arne Schönbohm hatte im Dezember noch gesagt, es gebe keine konkreten Beweise für einen Spionageverdacht, die einen möglichen Bann begründen könnten. Kürzlich erklärte die Behörde allerdings, die "Willensbildung über konkrete Maßnahmen" sei innerhalb der Bundesregierung "noch nicht abgeschlossen".

Dem "Handelsblatt" zufolge bereiten sich die Netzbetreiber Telekom und Telefónica darauf vor, auf Mobilfunk-Infrastruktur von Huawei zu verzichten. Derzeit würden entsprechende Rückbaupläne von beiden Unternehmen ausgearbeitet, heißt es.

Huawei richtet Labor ein

Derweil kritisiert der chinesische EU-Botschafter Zhang Ming die Art, wie Huawei von einigen europäischen Regierungen behandelt wird, als "verleumdend" und "diskriminierend". Der Vorsitzende des Konzerns ist deutlich zurückhaltender. Die vorgebrachten Cyber-Sicherheitsfragen seien technisch zu lösen, sagt Eric Xu. "Deswegen können wir nur sagen, dass es eine politische Angelegenheit ist."

"Eine Beteiligung von Huawei am Ausbau des 5G-Netzes hat nichts mit der Sicherheit der Netzwerke in Deutschland zu tun." Diese neue Generation des Mobilfunknetzes für schnelle und größere Datenmengen werde von den drei Anbietern Telekom, Vodafone und Telefónica "gebaut und betrieben". Die technische Unterstützung durch Huawei erfolge "unter der Aufsicht" der Mobilfunkbetreiber.

Xu verweist auch auf das Sicherheitslabor, das Huawei in Bonn eingerichtet hat. Dort könnten das BSI und die Netzbetreiber mithilfe der geheimen Quellcodes von Huawei die Sicherheit der Produkte selbst testen. "Sie können es sich mit eigenen Augen anschauen", so der Manager. Ähnliche Einrichtungen gebe es auch in Großbritannien und Kanada.

An den Vorbehalten gegenüber Huawei ändert das wenig. Das liegt auch an der undurchsichtigen Eigentümerstruktur. Gegründet wurde das Unternehmen 1987 von Ren - quasi aus dem Nichts, nachdem er 20 Jahre bei der Volksbefreiungsarmee als Ingenieur tätig war. Huawei ist nicht börsennotiert und muss deshalb kaum Einblick in seine Strukturen und sein Geschäft geben.

Viel Interpretationsspielraum

Ren beteuert, sein Unternehmen würde nicht spionieren und keine Hintertüren einbauen. Weder er noch Huawei hätten jemals eine Aufforderung von der Regierung bekommen, "unangemessene Informationen zur Verfügung zu stellen". Nach den scharfen chinesischen Cyber-Sicherheitsgesetzen sind allerdings alle in China tätigen Unternehmen gezwungen, Daten an die Behörden zu geben, wenn es um Fälle der nationalen Sicherheit geht. Dieser Begriff ist in der Volksrepublik sehr weit gefasst und bietet viel Raum für willkürliche Interpretationen.

Doch Huawei hat zwei gewichtige Punkte auf seiner Seite: Der Konzern ist bei der Netzwerktechnologie führend, Telekommunikationsunternehmen möchten deshalb ungern auf das Know-how der Chinesen verzichten. Zudem kann die Konkurrenz mit den günstigen Preisen Huaweis nicht immer mithalten. Der Konzern argumentiert deshalb, dass ein Verzicht auf dessen Produkte den 5G-Ausbau sehr viel teurer und technologisch schlechter mache.

In der Volksrepublik gibt es derweil keine Bedenken über ausländische Komponenten in den 5G-Netwerken. Das liegt daran, dass Anbieter wie Cisco, Nokia oder Ericsson dort keine Chance haben. Peking sorgt dafür, dass die Infrastruktur fest in chinesischer Hand liegt.

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Quelle: n-tv.de, mit rts/dpa

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