Wirtschaft

Metro-Chef Olaf Koch hört auf Mission erfüllt - Konzern geschrumpft

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Vorstandschef Koch beim Börsengang der um die Media-Saturn-Mutter Ceconomy verkleinerten neuen Metro AG 2017.

(Foto: REUTERS)

Er übernahm einst einen Dax-Konzern und Handelsriesen. Nach knapp neun Jahren hinterlässt der scheidende Metro-Chef Olaf Koch einen auf den Großhandel konzentrierten Spezialisten. Das von ihm versprochene Potenzial dieses Geschäftsmodells konnte er jedoch nicht heben.

Manager neigen wie andere Menschen in Machtpositionen dazu, ihren Einflussbereich stetig zu erweitern, nach mehr Macht zu streben, indem sie sich weitere Zuständigkeiten aneignen oder die Expansion ihres Unternehmens immer weiter vorantreiben. Olaf Koch hat als Vorstandsvorsitzender der Metro in den vergangenen knapp neun Jahren so konsequent das Gegenteil gemacht wie kaum ein anderer Konzernchef. Als er seinen Posten antrat, stand er an der Spitze eines Handelsimperiums: Neben den Großhandelsmärkten gehörten dazu allein in Deutschland mehr als 100 Kaufhäuser der Galeria Kaufhof ebenso wie der größte Händler von Unterhaltungselektronik in Europa, Media-Saturn, und die Supermarktkette Real.

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Jetzt, zu dem Zeitpunkt, an dem Koch erklärt, seine Mission sei erfüllt, ist von alldem nur das Großhandelsgeschäft übrig geblieben. Die Zahl seiner Mitarbeiter hat Koch mehr als halbiert. Dax-Chef kann er sich schon seit 2017 nicht mehr nennen. Mit der Abspaltung der Media-Saturn-Märkte verlor die Metro auch ihren Platz in der ersten Börsenliga.

Koch hat die Metro gesundgeschrumpft: Schulden abgebaut und finanziell solider aufgestellt. Mit dem Großhandel konzentriert sich der Konzern nun auf den im Vergleich zum kriselnden Warenhaus-, Elektronik- und Supermarktgeschäft profitabelsten Bereich. "Die wirtschaftliche Formel des Großhandels ist der des Einzelhandels weit überlegen", zitiert die "Welt" den Metro-Boss. "Wir erzielen mit deutlich weniger Kunden viel mehr Umsatz." Dazu stifte der Großhandel als Dienstleister und Unterstützer von Millionen von Unternehmen "gesellschaftlichen Nutzen".

"Die Dinge geregelt"

Mit dem abgeschlossenen Verkauf der Real-Märkte sei nun der schwierigste Teil des Umbaus geschafft, "die Dinge" seien "geregelt", sagte Koch der "Welt". Ein neuer Abschnitt für das Unternehmen beginne. Damit sei auch ein "guter Zeitpunkt" für einen Führungswechsel gekommen. Die einflussreichen Erben der Metro-Gründer, die Koch bei seinem Dauer-Unternehmensumbau immer den Rücken gestärkt hatten, loben ihn und seine Bilanz bei der Metro zum Abschied ausdrücklich. Sie seien"dankbar für seine großen Verdienste um die strategische Repositionierung der Metro", teilten die Stiftungen der beiden Gründerfamilien mit.

Doch nicht jeder teilt diese Begeisterung über Kochs Werk. Neben Arbeitnehmervertretern, die Kochs Spar- und Schrumpfkurs sowie den teils nach Verkauf der Unternehmensteile erfolgten Abbau von Arbeitsplätzen kritisierten, sind auch viele Investoren nicht überzeugt. Der tschechische Milliardär und größte Metro-Anteilseigner Daniel Kretinsky bot vor einem Jahr für den Kauf des ganzen Konzerns 16 Euro pro Aktie. Mit Unterstützung der Gründerfamilien konnte Koch die Übernahme verhindern. Kretinskys Angebot spiegle nicht den tatsächlichen Wert der Metro, ihr großen Potenzial wider.

Aktuell dümpelt der Metro-Aktienkurs bei etwa 8,50 Euro. Das liegt keineswegs nur an der Corona-Krise. Großhandelskonkurrenten, die die Digitalisierung schneller vorantrieben und konsequenter auf Lieferservices statt auf Abholmärkte setzten, machen der Metro das Leben schwer. Bei der Börsenrally seit dem Corona-Crash im März haben die Anleger die Metro-Papiere außen vor gelassen. Falls dieses Potenzial, die Erträge und damit den Unternehmenswert fast zu verdoppeln, da ist, hat Koch es allerdings es in den vergangenen knapp neun Jahren nicht geschafft, dieses zu heben.

Koch war als Vorstandschef vor allem mit dem strategischen Konzernumbau beschäftigt. Sein Nachfolger wird sich mehr um die Details des operativen Geschäfts konzentrieren müssen.

Quelle: ntv.de