Wirtschaft

Massentests und Lockdowns Null-Covid-Politik trifft China hart

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Auf der Ferieninsel Hainan lässt sich ein Kurier nicht davon abhalten, trotz einer Barrikade eine Bestelllung auszuliefern.

(Foto: VIA REUTERS)

Während der Rest der Welt versucht, mit dem Coronavirus zu leben, zieht China konsequent seine Null-Toleranz-Strategie durch. Der von Präsident Xi verordnete Kurs wird offiziell nicht kritisiert. Die Konsequenzen für Chinas Wirtschaft sind allerdings heftig.

Ikea-Kunden fliehen aus einem Geschäft in Shanghai, weil die Behörden die Filiale abriegeln und die Menschen unter Corona-Quarantäne stellen wollen. Auf der südchinesischen Ferieninsel Hainan sitzen Zehntausende Touristen fest, nachdem ein flächendeckender Lockdown angeordnet wurde. Rigoros hält Chinas Führung hält an ihrem Null-Covid-Kurs fest. Das bekommt auch die Wirtschaft zu spüren.

In Zahlen ausgedrückt: Im Juli wuchs die Industrieproduktion nur um 3,8 Prozent und damit viel schwächer als erwartet. Die Umsätze im Einzelhandel - ein wichtiger Indikator für den Konsum - legten um 2,7 Prozent zu, nachdem sie im Juni noch um 3,1 Prozent gestiegen waren. Im zweiten Quartal war die zweitgrößte Volkswirtschaft nur knapp an einem Abschwung vorbeigeschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,4 Prozent - das ist der schwächste Anstieg seit Anfang 2020, als die Corona-Pandemie die chinesische Wirtschaft lahmgelegt hatte und das BIP um 6,8 Prozent schrumpfte. Klammert man den Schock vom Ausbruch der Virus-Pandemie aus, war dies das geringste Wachstum seit Beginn der Datenerhebung 1992. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 4,5 Prozent - doch fast 20 Prozent der Jugendlichen sind ohne Job.

Chinas Führung reagiert auch auf nur kleine Corona-Ausbrüche mit Massentests und harten Lockdowns. Damit soll die Ausbreitung des Virus im Keim erstickt werden. Shanghai wurde im Frühjahr sogar für zwei Monate nahezu vollständig abgeriegelt. Häuser wurden mit hohen Absperrungen und Bauzäunen versperrt. Roboterhunde mit plärrendem Megafon aufgeschnallt liefen durch leere Straßen: "Tragt Maske, wascht häufig Hände, und messt Fieber!" In einem Bezirk der 26-Millionen-Stadt wurden Wohngebiete mit Drohnen aus der Luft überwacht und kontrolliert, ob sich die Bewohner an Covid-Maßnahmen hielten.

Der Lockdown in Shanghai ist zwar beendet, und die Behörden haben in den vergangenen Tagen kaum einen Corona-Fall entdeckt. Dennoch wurde die Pflicht zu regelmäßigen Corona-Tests bis Ende September verlängert. Wer nicht mindestens alle sieben Tage einen negativen PCR-Test vorweist, bekommt seinen sogenannten Gesundheitscode auf seinem Smartphone von grün auf gelb umgestellt - und damit ist seine Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Um Zugang zu öffentlichen Orten zu erhalten, müssen überall in China QR-Codes gescannt werden. Ein gelber Code auf der Pflicht-App bedeutet, dass man beispielsweise Einkaufszentren, Büros nicht mehr betreten und öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr benutzen darf. In anderen Städten Chinas und Regionen gelten Corona-Beschränkungen, die Bewegungsfreiheit für Millionen Menschen ist eingeschränkt.

Wachstumsziel kassiert

Spätestens mit Verbreitung der hochinfektiösen Omikron-Variante stößt die chinesische Null-Covid-Strategie an ihre Grenzen. Derzeit steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder, in den letzten vier Tagen wurden jeweils mehr als 2000 neue Fälle gemeldet. Am Montag infizierten sich offiziellen Angaben zufolge 2368 Menschen, das ist der höchste Stand seit drei Monaten. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass in weiteren Teilen Chinas restriktive Corona-Maßnahmen verhängt werden.

Die Folgen dieser Maßnahmen zeigen sich am schwachen Konsum. Wer in seiner Wohnung eingesperrt ist oder Restaurants und Kaufhäuser nicht betreten darf, gibt weniger Geld aus. Lockdowns verhindern, dass Menschen zu ihren Arbeitsplätzen kommen. Der Binnentourismus ist eingebrochen. Das Absperren der Ferieninsel Hainan dürfte bei vielen Chinesen die Lust auf einen Urlaubstrip nicht steigen lassen.

Verschlimmert wird die Situation durch die Immobilienkrise. Viele Wohnungen, für die Käufer bereits Geld gezahlt haben, werden derzeit nicht fertiggestellt, weil die Bauträger in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Auch das ist Gift für das Investitions- und Konsumklima. Privatleute und Unternehmen halten sich mit ihren Ausgaben zurück.

Die Kommunistische Partei unter Führung von Staatspräsident Xi Jinping verabschiedet sich vor diesem Hintergrund vom ausgerufenen Ziel, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 5,5 Prozent wachsen soll. In Staatsmedien heißt es nach einem Treffen des 25-köpfigen Politbüros mittlerweile lediglich, dass das Land "hart arbeiten werde, um das bestmögliche Ergebnis für die Konjunktur in diesem Jahr zu erzielen".

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa/AFP

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