Wirtschaft

Vor Corona lief es rund So gut war Trumps Wirtschaftspolitik wirklich

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(Foto: ZUMAPRESS.com)

Für Donald Trump gibt es mit Blick auf die US-Wirtschaft keine zwei Meinungen: Unter ihm habe sie sich phänomenal und großartig entwickelt, jubelt der US-Präsident. Das ist zwar übertrieben - doch ohne den Corona-Schock würde Trump auf eine durchaus erfolgreiche Amtszeit zurückblicken.

Bevor die Corona-Krise zuschlug, blickte Donald Trump stolz auf die Entwicklung der US-Wirtschaft. Sie sei die "beste, die man jemals gesehen hat", jubelte er. Und selbst der Einbruch wegen der Pandemie hält ihn nicht davon ab, zu behaupten, dass die Wirtschaft angesichts der Erholung derzeit "die großartigste aller Zeiten" sei. Das ist durchaus nachvollziehbar, schließlich will der US-Präsident Anfang November wiedergewählt werden. Die Frage ist: Wie gut ist seine Bilanz tatsächlich?

Die Wirtschaft hat sich unter Trump zwar nicht so gut geschlagen wie von ihm dargestellt. Doch sie hat sich sehr viel besser entwickelt, als die meisten seiner Kritiker zugeben. In Trumps Amtszeit gibt es zwei völlig unterschiedliche Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung - vor Corona und nach Corona. Die erste dauerte von seinem Amtsantritt 2017 bis Anfang 2020. Ihn dieser Zeit wuchs die Wirtschaft weiter, die Arbeitslosigkeit fiel kräftig, die Löhne stiegen, der Aktienmarkt boomte. Doch mit dem Ausbruch der Pandemie kam ein jähes Ende: Die Konjunktur brach ein und die Arbeitslosigkeit schoss auf ein Niveau, das die USA seit der Großen Depression nicht mehr gesehen hatten.

Dabei ist offen, wie groß der Einfluss eines Präsidenten auf den Gang der Wirtschaft überhaupt ist. Viele Faktoren und Umstände spielen eine Rolle. Alleine Covid zeigt schon, dass Glück oder Pech manchmal eine viel wichtigere Rolle spielen als politische Entscheidungen. Hinzu kommt das Umfeld - etwa die weltweite Konjunktur oder ob der Präsident gegen oder mit dem Kongress regiert. Wachstumsorientierte Politik kann nachwirken - lange nachdem ein Präsident das Weiße Haus verlassen hat. Und die Effekte von wachstumshemmender Politik sind ebenfalls häufig länger zu spüren. Deshalb ist das Wirtschaftswachstum nicht der fairste oder das geeignetste Mittel, um die Fähigkeiten eines Präsidenten zu beurteilen. Hilfreich ist es in Ermangelung von Alternativen dennoch.

Besser als Obama, schlechter als Clinton

Trump hatte bei seinem Amtsantritt - im Gegensatz zu anderen Präsidenten - eine brummende Konjunktur geerbt und dazu beigetragen, dass daraus das längste Wachstum der US-Geschichte wurde. Wenn man den Corona-Schock ausklammert, ist die Wirtschaft unter Trump aufs Jahr hochgerechnet im Schnitt um 2,5 Prozent gewachsen. Das ist besser als unter seinem Vorgänger Barack Obama, der in seiner ersten Amtszeit auf ein Plus von 2 Prozent und seiner zweiten von 2,3 Prozent kam. Aber es ist schlechter als bei einigen seiner anderen Vorgänger - etwa Ronald Reagan oder Bill Clinton.

Doch dass die Wirtschaft unter Trump weiter wuchs, war eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass breite Schichten von dem langjährigen Boom profitierten. Denn je länger sich die Konjunktur gut entwickelt, desto mehr kommt davon auch bei der ärmeren Bevölkerung an. In Zahlen ausgedrückt: Im Februar dieses Jahres lag die Arbeitslosenquote in den USA mit 3,5 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 50 Jahren. Die Löhne wuchsen im Schnitt jährlich um 3 Prozent, bei den am schlechtesten bezahlten Jobs war das Plus noch größer.

Die Armut ging derweil zurück. Trump behauptet, er habe für den stärksten Rückgang in der Geschichte der USA gesorgt. Das stimmt zwar nicht ganz, die Entwicklung ist trotzdem bemerkenswert. 2019 lebten 4,2 Millionen weniger US-Amerikaner in Armut als ein Jahr zuvor. Der größte Rückgang wurde 1966 verzeichnet, als während der Präsidentschaft von Lyndon B. Johnson knapp 4,7 Millionen Amerikaner der Armut entkamen.

Das ändert allerdings nichts daran, dass - in vergleichbaren Zeiträumen - etwa unter Obama mehr Jobs entstanden als unter Trump. In dessen Amtszeit verlangsamte sich der Jobaufbau sogar, der unter Obama nach der Finanzkrise begonnen hatte. In der zweiten Amtszeit unter Obama, zwischen 2013 bis 2016, entstanden rund 2,5 Millionen Jobs jährlich - verglichen mit rund 2,1 Millionen in den ersten drei Amtsjahren Trumps.

Trump gegen die Notenbank

Was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, ist unter Trump vor allem eine Sache außergewöhnlich: Während sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2018 und 2019 deutlich verlangsamte, ging das Tempo der US-Wirtschaft viel weniger stark zurück. Das lag vor allem daran, dass Präsident und Kongress die Konjunktur beispielsweise durch Steuersenkungen ankurbelten und dafür ein höheres Defizit in Kauf nahmen. Daran hat Trump durchaus einen großen Anteil. Denn während viele Ökonomen vor Stimuli warnten, eine Überhitzung der Konjunktur fürchteten und die Notenbank Fed deshalb die Zinsen mehrfach erhöhte, forderte Trump lautstark das Gegenteil.

Am Ende stellte sich heraus, dass die Wirtschaft Steuersenkungen und niedrigere Zinsen gut vertragen konnte. Ironischerweise hat der US-Präsident allerdings dazu beigetragen. Denn die von ihm angezettelten Handelskriege und verhängten Schutzzölle sorgten wesentlich dafür, dass sich das globale Wachstum abschwächte. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass alleine der Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China ein Prozent des globalen Wachstums kostete. Auch die USA bekommen das zu spüren. Der "Economist" weist auf Studien hin, denen zufolge die von Trump verhängten Zölle in den USA mehr Jobs in der Industrie vernichtet als neu geschaffen haben, indem sie im Ausland gefertigte Komponenten teurer machten und dazu führten, dass betroffene Länder Zölle gegen US-Unternehmen verhängten. Demnach stiegen die Preise in den USA 2019 deswegen um zusätzliche 0,5 Prozent - genug, um den durchschnittlichen Lohnzuwachs eines US-Haushalts von knapp 1300 Dollar im Jahr wieder wettzumachen.

Trump verspricht: Wird er wiedergewählt, wird er dafür sorgen, dass die Konjunktur wieder brummt. Doch es ist offen, ob diese Botschaft erfolgreich ist. Schließlich verschlechtert eine hohe Arbeitslosigkeit die Chancen des Amtsinhabers auf eine Wiederwahl. Hinzu kommt: Mehr als 200.000 US-Amerikaner sind bisher durch das Coronavirus gestorben. Die US-Wirtschaft erholt sich zwar schneller als von vielen erwartet. Doch da sich das Virus weiter rasant ausbreitet, ist diese Erholung stark gefährdet.

Vor dem Ausbruch der Pandemie war der Zustand der Wirtschaft für viele Amerikaner ein Grund, Trump zu wählen. Doch dann ist sie für den Präsidenten zu einer Belastung geworden.

Quelle: ntv.de