Wirtschaft

Branche auf dem Prüfstand So lässt sich das Flugchaos im Sommer noch verhindern

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Knackpunkt ist an vielen Airports derzeit die Sicherheitskontrolle.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Luftfahrtbranche und Politik wollen ein Chaos zur Urlaubszeit an deutschen Flughäfen verhindern. Angesichts der starken Reisenachfrage nach der Corona-Pandemie kommt es verstärkt zu Warteschlangen, Verspätungen und Flugstreichungen. Als Knackpunkt gelten Engpässe durch Personalmangel bei Check-in, Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung. Laut Flughafenverband ADV sind ein Fünftel der Stellen bei den Bodendiensten nicht besetzt. Alle Beteiligten wollen die Abläufe vereinfachen und beschleunigen: etwa Flughäfen, Airlines, Bodendienstleister, Flugsicherheit und Bundespolizei. Eine Übersicht, wer was tut, um Engpässe und Warteschlangen zu vermeiden:

Flugstreichungen

Die Airlines dünnen bereits ihre Flugpläne aus, um die Abläufe an den Flughäfen zu stabilisieren und ein Chaos zu Spitzenzeiten zu vermeiden. So streicht die Lufthansa allein im Juli 900 Flüge an den Drehkreuzen in Frankfurt und München, ihre Billigtochter Eurowings kappt mehrere Hundert Verbindungen. Der britische Billigflieger Easyjet streicht von Juni bis August vom und zum Berliner Flughafen rund 1000 Flüge. Weitere Ausfälle sind möglich.

Mehr Personal bei Bodendienstleistern

Branchenverbände wollen rund 2000 Leiharbeiter aus der Türkei holen, um Personallücken zu füllen, und hoffen dabei auf Unterstützung der Bundesregierung. Diese soll helfen, bürokratische Prozesse zu vereinfachen. Denn eine Hürde für rasche Neueinstellungen ist die Zuverlässigkeitsüberprüfung, die für Beschäftigte an Flughäfen gilt. Die Dauer des Sicherheitschecks beträgt laut Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) zwischen 6 und 14 Wochen. An anderer Stelle in der Branche heißt es dazu: "Die Behörden kommen gerade nicht hinterher." Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will gut 100 Mitarbeitende aus der Verwaltung einsetzen, um Engpässe abzupuffern. Das Personal soll bei der Gepäckabfertigung, auf dem Vorfeld und anderswo helfen.

Fluggastaufkommen verteilen

Airlines bieten teilweise Check-in am Vorabend des Fluges an, um Andrang zu Spitzenzeiten zu reduzieren. Das ist beim Ferienflieger Condor etwa an den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf am Wochenende umsonst und gilt für den gesamten Sommer bis Oktober, wie eine Condor-Sprecherin sagt. "Das wird viel genutzt und die Kunden nehmen das stark an."

Passagierströme leiten

Seit der Corona-Krise gibt es mehr Andrang zu Stoßzeiten. "Diese Peaks haben sich noch einmal verschärft", heißt es beim Flughafenverband ADV. Die Airports setzen deshalb verstärkt sogenannte "Floor Walker" ein. Diese sollen den Passagieren bei der Orientierung helfen und damit letztlich lange Warteschlange vermeiden. Es geht darum, dass die Fluggäste in der richtigen Schlange stehen, vielleicht unzulässige Flüssigkeiten schon vorab aus dem Handgepäck entfernen und zum Beispiel bestimmte Dokumente bereithalten. "Ziel ist es, den Weg der Passagiere in Flughäfen zu den Spitzenzeiten zu beschleunigen", sagt eine ADV-Sprecherin. Auch die Lufthansa verstärkt das Personal zum Einweisen der Passagiere. Beschäftigte der Verwaltung seien, wie schon früher in der Hochsaison üblich, gebeten worden, sich für Einsätze am Flughafen zu melden, erklärt ein Sprecher.

Eigeninitiative bei Passagieren

Knackpunkt ist an vielen Airports derzeit die Sicherheitskontrolle. Aber wer fliegt, kann selbst ein bisschen mithelfen, die Abläufe zu vereinfachen: Frühzeitig am Flughafen sein, mehr Zeit einplanen als früher, Check-in online oder am Vorabend. Wer sein Handgepäck auf das Nötigste reduziert, kann dazu beitragen, längere Wartezeiten am Sicherheitscheck zu vermeiden. Ein Kenner hat hier jedoch einen besonderen Tipp, um sich Frust im Urlaub zu ersparen: "Wichtige Medikamente, Bikini oder Badehose ins Handgepäck nehmen - für den Fall, dass der Koffer erst später nachkommt."

Quelle: ntv.de, jki/rts

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