Wirtschaft

Tiefbahnhof unter Frankfurt "Hoffe, die Deutsche Bahn hat aus Stuttgart 21 gelernt"

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Eine Luftaufnahme vom Frankfurter Hauptbahnhof mit der Skyline der Mainmetropole im Hintergrund,

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein neues Megaprojekt der Deutschen Bahn in Frankfurt weckt böse Erinnerungen. Riskiert die Bahn ein zweites Stuttgart 21? Der bei Großprojekten sonst übliche Aufschrei bleibt bislang aus. Der Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel sieht Parallelen und Unterschiede.

Die Deutsche Bahn will in Frankfurt einen neuen Tiefbahnhof bauen, 35 Meter unter der Erde. Das ruft bei vielen ein Déjà-vu hervor - entsteht hier ein neues Stuttgart 21?

Matthias Gastel: Wir haben am Frankfurter Hauptbahnhof eine ganz andere Situation. Es gibt einen massiven Engpass, zusätzlicher Fernverkehr ist deshalb im Moment unmöglich. Mit dem zusätzlichen Bahnhof unter der Erde entstehen zwei neue Gleise mit vier neuen Bahnhofsgleisen und es können mehr Menschen Bahn fahren. Zudem ist das Projekt Teil des Deutschland-Takts. Stuttgart 21 dagegen war im Grunde nie ein Verkehrsprojekt. Dort wird ein Kopfbahnhof ersetzt, um oben drüber Immobilienflächen zu gewinnen und teuer zu verkaufen. Für den Verkehr bringt Stuttgart 21 rein gar nichts, nur neue Engpässe. Die Deutsche Bahn war ja selbst kein Freund von S21, die Bundesregierung hat es ihr aufgedrückt.

Trotzdem: Kein Wutbürger hat sich quergestellt, kein Naturschützer Bedenken angemeldet. 19 Verbände, Kommunen, Beteiligte finden das Projekt gut. So viel Einigkeit war nie.

Das Projekt hat einfach eine bestechende Logik für alle, denen es ernst ist mit der Verlagerung von Verkehren, also dem Umstieg vom Auto, Flugzeug auf die Bahn. Wir schaffen damit mehr Angebote und weniger Verspätungen. Denn gerade vom Frankfurter Knoten gehen viele Verspätungen aus, die sich auf die gesamte Republik auswirken. Als Bahn-Vielfahrer erlebe ich ständig, dass der Zug in Frankfurt nicht reinkommt und deshalb irgendwo im Wald auf der Strecke steht. Dass der Protest ausgeblieben ist, liegt auch daran, dass der bisherige Hauptbahnhof erhalten bleibt. Außerdem hat die Bahn hier von Anfang an alle Beteiligten besser informiert und eingebunden.

Nicht mal die Kosten von 3,6 Milliarden Euro schrecken Sie?

Das ist die einzige Parallele zu S21, die ich sehe. Es wird sehr teuer. Und vermutlich sind die 3,6 Milliarden Euro ja nicht mal die Endsumme. Ich kenne kein Großprojekt der Bundesregierung und der DB bei dem es am Schluss nicht teurer war. Meine Hoffnung ist, dass die DB aus S21 gelernt hat – und nicht wieder mit politischen Zahlen operiert, die sich dann später als falsch entpuppen. Mein Appell: Seid transparent, sagt selbst offensiv, wenn es mehr wird. Wir müssen lernen, bei Großprojekten ehrlicher zu sein. S21 war und ist da ein abschreckendes Beispiel.

Zehn Jahre wird geplant, gebaut wird dann noch mal mindestens zehn Jahre, irgendwann in den 2040er-Jahren soll es in Frankfurt dann so weit sein. Das klingt nicht nach Beschleunigung. Geht das nicht schneller?

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Die Bahn muss ihre Planungskapazitäten massiv aufstocken. Das ist das große Nadelöhr. Dazu sollten wir Planungskapazitäten von der Autobahngesellschaft des Bundes abziehen und für die Planung von Schienenprojekten nutzen. Ingenieure, die Straßenbau planen, können auch Schiene, das unterscheidet sich für bestimmte Aufgaben nicht so sehr. Wichtig ist auch, dass die Deutsche Bahn auch noch Ressourcen für kleinere Maßnahmen hat - etwa die Elektrifizierung oder die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Sonst kriegen wir keine Verkehrswende hin.

Mit Matthias Gastel sprach Monika Dunkel

Das Interview erschien zuerst bei Capital.de.

Quelle: ntv.de

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