Wirtschaft

Aktienkurs rauscht in die Tiefe Varta kommt unter die Räder

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Bekannt ist Varta vor allem für seine Haushaltsbatterien.

(Foto: imago images/Gottfried Czepluch)

Während es am deutschen Aktienmarkt insgesamt nach oben geht, stürzen die Varta-Papiere ab. Der Batteriehersteller wächst weniger stark als erhofft - und wird an der Börse abgestraft.

Wer Varta-Aktien im Depot hat, muss heute tapfer sein. Fast neun Prozent geht es an der Börse runter, nachdem der Batteriehersteller Geschäftszahlen präsentiert hat. "Letztes Jahr schlug die Pandemie zu und alle kauften die neuen Airpods Pro wie verrückt. Aus Marktsicht gab es also nicht viel Spielraum für weiteres Wachstum", sagt Robert-Jan van der Horst, Analyst von Warburg Research. Varta hat einen hohen Marktanteil für Kopfhörer-Akkus, neben Apple haben die Schwaben auch mit Samsung langfristige Verträge abgeschlossen.

Varta AG
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Im ersten Halbjahr fiel das Wachstum sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn etwas schwächer aus als von Analysten erwartet. In Zahlen ausgedrückt: Der Umsatz legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent auf fast 398 Millionen Euro. Der Gewinn stieg unter dem Strich um gut 14 Prozent auf 45,6 Millionen Euro. Triebfeder dafür waren aber vor allem Haushaltsbatterien, während die kleinen Zellen für kabellose Kopfhörer weniger gefragt waren.

Varta ist insbesondere stark bei Lithium-Ionen-Knopfzellen für die immer beliebteren kabellosen Kopfhörer, aber auch für Hörgeräte. Allerdings hat der Konzern mit 4600 Mitarbeitern auch Haushaltsbatterien mit dem Markennamen Varta seit Anfang 2020 wieder im eigenen Haus.

Varta rechnet sich mit Batteriezellen für Elektroautos Chancen aus und will Ende des Jahres in das Geschäft einsteigen. Die Aufbauarbeiten für die Pilotlinie für das Produkt mit dem Namen V4Drive seien im Plan, ein erster Kundenauftrag liege vor, hieß es. Dem "Handelsblatt" zufolge handelt es sich um Porsche.

Achterbahnfahrt im Januar

Heftige Kursbewegungen sind bei Varta derweil nicht ungewöhnlich. Im Januar war der Kurs zwischenzeitlich nach oben geschossen, nachdem sich Hobby-Zocker in Internetforen zum gemeinsamen Kauf der Aktien verabredet hatten. Damit brachten sie Investoren in Bedrängnis, die auf einen fallenden Kurs der Varta-Aktie gewettet hatten. Diese waren dann gezwungen, Aktien zu kaufen - und das trieb den Kurs vorübergehend weiter nach oben. Dann allerdings ging es wieder abwärts.

Bekanntestes Beispiel für diese Methode sind die Börsenturbulenzen rund um den Videospiele-Händler Gamestop. Und so funktioniert das: Finanz-Investoren wetten darauf, dass der Kurs einer Aktie fällt. Das machen sie durch sogenannte Leerverkäufe. Dafür leihen sie sich Wertpapiere gegen eine Gebühr und verkaufen sie dann. Sinkt der Preis bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz als Gewinn ein.

Steigt der Aktienkurs, geht die Wette aber schief. Und je höher er zu dem vereinbarten Rückgabetermin ist, umso teurer wird es für die Profi-Spekulanten. Schießt der Kurs in die Höhe, ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem die Leerverkäufer Aktien kaufen, um ihre Verluste zumindest in Grenzen zu halten. Dadurch sorgen sie dafür, dass der Kurs noch weiter steigt - und zwingen andere Leerverkäufer, es ihnen gleichzutun. Lösen Investoren ihre Wetten auf fallende Kurse in großem Stil auf, werden die Aktien dadurch teurer - und die Kleinanleger-Armee verkauft ihre Papiere mit Gewinn.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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